Traurig aber wahr! Originaldokumente in der Waldenburger Sammlung

Hallo Waldenburger,

soll ich oder soll ich nicht?, n�mlich berichten, was ich gestern zu Gesicht
bekam. Ich mu�!!

Also: Gestern bekam ich zur Durchsicht einen ganz sch�n m�chtig gro�en
Karton voller ORIGINALDOKUMENTE, zum Teil verdammt alt, z.B. 1607. Unikate,
wertvoll, unersetzbar. Man fragt sich, wie es gelungen ist, diese zum Teil
auch sehr gro�formatigen Dokumente aus Schlesien herauszubringen. Die
meisten dieser Dokumente sind nat�rlich schon besch�digt, mehr oder weniger
stark. Ich wagte kaum, sie anzur�hren. Und wie waren sie gelagert?: Sie
lagen einfach in diesem Karton �bereinandergestapelt ohne irgendeinen
Schutzumschlag. Die Signatur konnte man nur entdecken, wenn man sie drehte
und wendete. An einigen hing noch das Siegel dran, das dann an einem
anderen, bereits besch�digten, Dokument h�ngen blieb, wenn man das
dazugeh�rige Teil herausnehmen wollte. Ich gebe mal zwei Beispiele vom
Inhalt der Dokumente: "Schlachtordnungserlass von 1607. Dibbrand von
Zettritz. Originalurkunde" / "Infektionsordnung. Extrakt aus der
Infektionsordnung f�r Ober - und Niederschlesien. 1680. Original"
Bei diesen Dokumenten sind nicht nur die Waldenburger angesprochen. Sie
geben Einblick in die Problematik der Gesundheitsf�hrsorge in Schlesien in
dieser Zeit.
Eigentlich m��ten all diese Dokumente konserviert werden. Wenn daf�r kein
Geld vorhanden ist, so w�re doch wenigstens eine schonendere Lagerung
m�glich gewesen.
Nat�rlich habe ich gemeckert, und daraufhin bekam ich kartonierte
Schutzumschl�ge, in die ich die Dokumente packte. Eine momentane Notl�sung.
Aber einige dieser Sachen sind so gro�, dass sie auch nicht vollst�ndig in
diese Umschl�ge eingepackt werden konnten.
Es hat wohl nicht nur an der Hitze gelegen, dass ich letzte Nacht nicht gut
schlafen konnte.
Wie war das mit dem "Zauberlehrling"?: "Geister, die ich rief...".

Gru�
Margitta

Hallo Margitta,
Dein trauriger Bericht hat mir auch den Schlaf geraubt und ich muss ganz
einfach mal Luft ablassen.
Da haben Menschen unter gro�em Risiko solche einmaligen Dokumente
mitgebracht und ihrer Patenstadt anvertraut. Sie wussten damals noch nicht,
wie unwichtig der heutigen ver�ffentlichten Meinung das ganze Thema
Vertreibung ist. Selbst in den Schulen wird es "gar nicht oder nur
unzul�nglich unterrichtet" (Erika Steinbach).
Der Oberb�rgermeister von Dortmund muss sich der Sache auch nicht annehmen.
Ganz anders w�re es, wenn die Dokumente Zwangsarbeiter oder j�dische
Mitb�rger betr�fe. Er m�sste dann wahrscheinlich zur�cktreten.
Haben wir Deutsche noch alle Tassen im Schrank?
Gru� Wolfgang

Hallo Wolfgang,

vielen Dank f�r Deine Antwort!
Ich w�rde allerdings nicht das Elend der Juden und Zwangsarbeiter in
irgendeiner Form hier einbringen wollen. Dieses Kapitel tut mir wirklich
weh. Obwohl ich selbst erst Jahrgang 42 bin, kann ich mir ja keiner Schuld
bewu�t sein, aber das ist nicht mein Verdienst, sondern das Gl�ck der
Sp�ter - Geborenen. Ich wei� z.B. von den Erz�hlungen meiner Mutter, die in
den 40-ziger Jahren im Bergwerk in Wei�stein besch�ftigt war, da� dort
reihenweise russische Zwangsarbeiter verhungerten. Und einen entsprechenden
Bericht von dem damaligen Direktor dieses Bergwerks konnte ich letzten
Winter im Wirtschaftsarchiv in Dortmund einsehen.
Zum Thema "Waldenburger Sammlung": Ich glaube, der jetzige Oberb�rgermeister
von Dortmund hat kaum eine Ahnung von der Existenz dieser Sammlung. Und kaum
einer wei�, wie umfangreich das dort liegende Material ist. Nat�rlich mu�
man gerechterweise zugeben, dass alles ein bi�chen ( sehr )vernachl�ssigt
worden ist, weil in den letzten Jahren kaum noch jemand dorthin kam. Die
"alten" Waldenburger werden ja immer weniger. Dr. H�gl vom Stadtarchiv sagte
mir, da� es im Jahr so ca. 20 Anfragen gibt. Also, ein kleines bi�chen
Entschuldigung! Aber da� ich es damit nicht bewenden lassen m�chte, hat man
schon bemerkt. Im Augenblick bin ich ein bi�chen m�de geworden. Um mit der
Arbeit voran zu kommen, habe ich auch zu Hause noch viele Stunden
investiert. Und es ist noch einiges zu tun.
Aber Deine Mail gibt mir wieder einen kleinen Schub: Vielleicht werde ich
doch noch einmal versuchen, direkt an den Oberb�rgermeister heranzukommen.
Nicht um �ber das Archiv zu meckern, sondern um um Geld zu "betteln", damit
vielleicht eine ABM-Stelle eingerichtet werden kann. Aber das werde ich dann
auch erst nach der "Sommerpause" tun.

Gru�
Margitta

-----Urspr�ngliche Nachricht-----

Hallo Margitta,
danke f�r Deine schnelle Antwort.
Ist der Dortmunder Oberb�rgermeister noch Dr. Gerhard Langemeyer? Dieser
wei� zumindest etwas von der Patenschaft der Stadt Dortmund mit Waldenburg.
Er hat, wie es schon immer Tradition war, ein Gru�wort im Waldenburger
Heimatboten (Juni 2000) zum Waldenburger Heimattreffen in Dortmund abdrucken
lassen. Das n�chst Treffen ist �brigens erst wieder 2002.
Deine Energie bewundere nicht nur ich!!!
Ende August will ich mit meinem Sohn in die alte Heimat fahren, allerdings
werden Landschaft und Bauten unser Ziel, nicht Archive. Falls ich Dir
trotzdem einen Gefallen tun kann, z.B. Fotos von einem bestimmten Geb�ude,
lasse es mich wissen. Das gilt nat�rlich auch f�r die anderen Mitglieder
unserer Liste.Wir wollen Waldenburg, Glatz, Schweidnitz, Reichenbach, Jauer,
Neumarkt ansteuern.
Zum Thema Nr.1, im Unterschied zu Dir, habe ich als Kind (bin Jahrgang 1938)
das Elend der russischen Kriegsgefangenen, die bei uns in W�stewaltersdorf
bei den Stollenbauten der Organisation Todt eingesetzt waren, mit eigenen
Augen gesehen. Das war schlimm! Da ich aber immer gegen Schwarz-Wei�-Malerei
bin, sei an dieser Stelle erinnert, wieviel von den Wehrmachtangeh�rigen,
die in Stalingrad in Gefangenschaft gerieten, �berlebt haben, oder von den
deutschen Frauen die in Arbeitslager verschleppt wurden?
Gru� Wolfgang

Liebe Margitta,

ein dickes Lob für Deinen selbstlosen Einsatz für die Waldenburger
Sammlung. Ich bewundere wie Du um die Erhaltung der Original Dokumente
für uns und die Nachwelt kämpfst. Leider reicht es nicht weit was ich spenden
kann doch will ich etwas dafür tun.
Dein Herr Oberbürgermeister von Dortmund soll ein Konto für den Erhalt der
Waldenburger Sammlung eröffnen und uns die Kontonummer nennen.
Sag ihn das mal ruhig.
Vieleicht finden sich ja noch Andere die eine Spende geben.

Liebe Grüsse, Alfred

Wolfgang Leistritz schrieb:

Zum Thema Nr.1, im Unterschied zu Dir, habe ich als Kind (bin Jahrgang 1938)
das Elend der russischen Kriegsgefangenen, die bei uns in W�stewaltersdorf
bei den Stollenbauten der Organisation Todt eingesetzt waren, mit eigenen
Augen gesehen.

Aus alten Familienerz�hlungen soll es zwischen W�stegiersdorf und
Lomnitz auch ein Lager mit Gefangenen (welche?) gegeben haben. Wer
wei� etwas dar�ber?

Viele Gr��e
Alexandra Blume

Alexandra Blume wrote:

Aus alten Familienerz�hlungen soll es zwischen W�stegiersdorf und
Lomnitz auch ein Lager mit Gefangenen (welche?) gegeben haben. Wer
wei� etwas dar�ber?

Hallo Alexandra,

bei uns in Friedland in Richtung Schmidtsdorf gab es auf der linken Seite ein
Aussenlager des KZ Gross-Rosen. Ich sah manchmal Kolonnen mit der gestreiften
Kleidung durch die Stadt ziehen, sicherlich als Zwangsarbeiter zu den Fabriken.

Auf der rechten Seite war dann spaeter ein Kriegsgefangenenlager mit Russen. Daran
kann ich mich gut erinnern. Mutter hoerte von jemanden, dass ein oder einige
russische Kriegsgefangene Spielzeug schnitzten. Wir gingen also hin. Am
Stacheldrahtzahn patroullierte ein deutscher Wachposten, ein schon etwas aelterer
Soldat. Mutter unterhielt sich mit ihm. Durch einen Wink des Wachpostens kam ein
kleiner Russe angerannt mit einem etwa 20 cm grossen geschnitzten Flugzeug. Ich,
vielleicht 5 Jahre alt, war vor Freude ganz aus dem Haeuschen. Mutter gab dem
Russen ein grosses Stueck Streusselkuchen durch den Zaun. Auf dem Wege zurueck zur
seiner Baracke verschlang er das ganze Stueck. Mutter sagte noch: "Der muss aber
Hunger gehabt haben." Der Wachposten machte inzwischen 100 m entfernt Patroulle.
Beim nach Hause gehen winkten wir ihm noch zu.

Nur Kindheitserinnerungen, weiter nichts.

Herzliche Gruesse aus Upstate New York,
Guenter

Aus alten Familienerz�hlungen soll es zwischen W�stegiersdorf und
Lomnitz auch ein Lager mit Gefangenen (welche?) gegeben haben. Wer
wei� etwas dar�ber?

Hallo Alexandra,
leider kann ich Dir nicht weiterhelfen. Die Russen, die in den Stollen bei
W�stewaltersdorf arbeiteten, waren in der Fabrik in W�stewaltersdorf
(Websky, Hatmann & Wiesen) untergebracht. Sie marschierten jeden Tag durch
unseren Ort.
Gru� Wolfgang