Transportliste Klarstellung

Liebe Schlesienforscher,

nachdem so viele die Liste haben wollten, die ich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht rausgeben darf, da sie aus einer Gerichtsakte stammt, möchte ich allen, die die Vermutung haben, ein Euthanasieopfer in der Familie zu haben empfehlen, sich die von der Stralsunder Klinik in der Zeitung veröffentlichte Liste anzuschauen. Ich habe 12 männliche Opfer, wobei nur eines in Schweidnitz geboren wurde. Alle Opfer sind dort erwähnt, das habe ich gegengecheckt.

Die Stralsunder Opfer haben auf dem Gelände der heutigen Klinik 2014 ein Mahnmal mit allen 1160 Opfern erhalten. Es gibt eine Stolperschwelle am Stralsunder Bahnhof. Lediglich 300 Patienten konnten nicht identifiziert werden, da dies aus den Aufnahmebüchern nicht ersichtlich war. Die Klinik wurde bereits vor der eigentlichen Euthanasie 1939 für die SS geleert.

Erst wenn ihr meint ein Opfer zu erkennen, das in eurem Familienstammbaum auftaucht und nur dann, wenn es am 09.12.1939 (siehe Link unten) von Stralsund nach Lauenburg verlegt wurde, ist es sinnvoll sich mit mir bzw. dem Bundesarchiv in Verbindung zu setzen. Die Transportliste beinhaltet Euthanasieopfer, die fälschlicherweise im Kurt Eimann Prozess in Neustadt /Wejhrowo als erschossen galten, aber definitiv in Lauenburg ankamen und von dort weiterverlegt wurden. Ich habe dadurch erfahren, dass mein Verwandter nach Ueckermünde verlegt wurde. Es ist nur ein Auszug aus der Transportliste - nicht die vollständige!

Ich gebe euch gerne die Informationen weiter, die auf der Liste stehen, wenn ihr ein konkretes Opfer habt. So auf Verdacht eine Liste, die ich nicht herausgeben darf zu geben, das mache ich nicht.

Wenn ihr Strg+F eingebt könnt ihr den Namen auf der Seite suchen, den ihr finden möchtet. Bei der Gelegenheit...Kurt Gramsch scheint auf der Liste Gramsik zu heißen.

Desweiteren gibt es im Bundesarchiv eine Liste von ca. 30.000 Namen mit Akten von Euthanasieopfern, wo auch weibliche Opfer aufgelistet sind, die aus Stralsund kamen. Diese Opfer starben alle vermutlich 1941 während der "offiziellen" Euthanasie, da die Akten zu diesem Zeitpunkt letzte Eintragungen enthalten. Die Akten sind nach dem Krieg in Thüringen aufgetaucht und von der Stasi aufbewahrt worden. Diese Liste ist für alle online einsehbar. Mein Verwandter starb während der "wilden" Euthanasie, die nach angeblicher Beendigung der Euthanasie 1941, in den Kliniken weitergeführt wurde.

Man findet heraus, ob ein Opfer in einer der Tötungsanstalten ermordet wurde, wenn auf der Geburtsurkunde (ja dort) z. B. Meseritz-Obrawalde als Sterbeort steht. Meseritz-Obrawalde war die Klinik. Diese hatte zur Verschleierung ein eigenes Standesamt, wie alle anderen. Steht ein Buchstabe vor dem Datum/Eintrag, dann kann es sogar sein, dass das Opfer nicht dort verstarb, wo es beurkundet war. Die Buchstaben sind A, B, Be, C, D, E, F - für die unten genannten ersten 6 bzw. anfangs 7 Tötungsanstalten.

Alle Tötungsanstalten hatten ein eigenes Standesamt: Grafeneck, Hadamar, Brandenburg/Havel, Hartheim, Bernburg, Pirna/Sonnenstein. In Polen waren die Haupttötungsanstalten Meseritz-Obrawalde, Posen, Tiegenhof, Kosten/Warthe u. a.

Bitte habt Verständnis, dass ich nicht so ins blaue Daten herausgebe. Es muss schon ein konkreter Name sein, mit dem ich helfen kann, in der Forschung weiter zu kommen.

Wenn jemand mehr zum Thema Euthanasieforschung wissen möchte - ich bin seit November letzten Jahres bei der Erforschung dabei und mittlerweile sehr belesen. Ich helfe gerne weiter. Entschuldigt bitte die verspätete Antwort - ich war krank und hatte gestern mehrere Stunden Stromausfall.

Vielen Dank für euer Verständnis.

Viele Grüße

Inga

Das ist aber sehr gut recherchiert.
Wow.

Danke für diese Info
Grüße Rudolf

Hallo Inga,

ich habe in der Liste eine Anna Hein gefunden. Gibt es da nähere Angaben?
Ich suche schon seit langem etwas über die Person, aber nirgends was zu finden.

Schöne Grüße
Irmtraut Hahn