Totgeburten: Erwähnung in Kirchenbüchern?

Hallo Liste,

ich habe gerade ein Kirchenbuch(-Duplikat) durchgearbeitet, das mich in mehrfacher Hinsicht beeindruckt hat: Altenbergen bei Marienm�nster (Kreis H�xter), kath., 1815 bis 1874. Der Pfarrer hat nicht nur �u�erst penibel alles festgehalten, bei Todesf�llen also z.B. nicht nur das �bliche "hinterl�sst Gattin und 3 min. Kinder" geschrieben, sondern auch deren Namen vermerkt. Ausw�rtige Heiraten sind - ohne laufende Nummer - mit aufgenommen.
Und nicht zuletzt: Er hat Totgeburten - ebenfalls ohne Nummerierung - mit aufgenommen - und die gab es damals offenbar reichlich. Hatte ich vorher bei manchem Paar gedacht, oha, nur zwei Kinder, so sieht man pl�tzlich, das das keineswegs so war ...
Hat jemand �hnliche Erfahrungen gemacht? War das ein Einzelfall oder ist das des �fteren vorgekommen? Hat jemand gar Infos �ber kirchliche oder staatliche Anweisungen dazu?

Viele Gr��e
Karl

Hallo Karl,
ob und wie es kirchliche/staatliche Bestimmungen zu den Totgeburten gab,
weiß ich nicht.

Ich schreibe momentan die Kirchenbücher von Steinbergen ab, dort finde ich
bereits bei den ersten Einträgen (1656) die Bestattung totgeborener Kinder.
Warum auch nicht? In anderen Kirchenbüchern die ich kenne, finden die
ebenfalls ihren Platz. Für mich eine Selbstverständlichkeit, über die ich
nicht wirklich bislang nachgedacht habe. Teilweise sind sogar frühe
Frühgeburten (verstorben) erwähnt.

Ab 1804 sind auch die KBs von Steinbergen sehr ausführlich... aber das ist
wohl auch Geschmackssache des jeweiligen Pastors... Es gibt in einem
Kirchspiel in der Nähe auch jemanden der bereits vor 1700 die
Familienverhältnisse genau aufgeführt hat... eine echte Wonne...

Um Nummern (laufend oder nicht) haben sich die Pastoren in Steinbergen erst
nach 1804 Gedanken gemacht - vorher ist alles mehr oder weniger systematisch
untereinander geschrieben worden.

Mir ist aber aufgefallen, das bei Transkriptionen/OFBs häufig auf
Totgeburten und "anonyme" Einträge (Beispiel: ein Soldat lässt ein Kind
taufen... ein durchreisender Ratzenfänger im Krug verstorben... ein Knabe
von einem Bullen zertrampelt...) verzichtet wird... Das mag zwar
oberflächlich betrachtet zeitsparend und effizient sein, nimmt dem Ganzen
aber die Vielschichtigkeit... Ein weiterer ganz persönlicher Grund, warum
ich grundsätzlich den Blick ins Originalbuch vorziehe.

Mit besten feiertäglichen Grüßen
Corinna

Hallo Corinna,

danke f�r die Info!
Nur eine Erg�nzung zu den Nummern: Ich meinte ja KB-DUPLIKATE, die bis 1874 im Auftrag der staatlichen Stellen von der Pfarrern angefertig werden mussten. F�r diese waren Totgeburten "uninteressant", ebenso wie ausw�rtige Heiraten, weshalb sie halt dann ohne die Nummerierung "mitliefen".
Ansonste gebe ich Dir Recht: Erst solche Hinweise und Infos wie Deine unten machen die Zeit "lebendig".

Viele Gr��e
Karl

Hallo Karl,
im ev. Kirchenbuch-Duplikat von Detmold 1840 - 1875 sind die Totgeburten
ebenfalls aufgeführt. Und zwar doppelt: im Geburtenbuch und im Sterbebuch.

Margot (Dierenfeld)
madikork@kabelbw.de
www.wickel-genealogie.de = siehe Linkliste:
Genealogie-Links von Forschern für Forscher

Hallo Karl,

Du hast ja schon einige Antworten auf Deine Frage bekommen. Schau Dir aber
die Einträge mit den Totgeburten noch einmal näher an. Zumindest bei den
katholischen Einträgen wirst Du in der Regel einen Hinweis auf die Taufe
oder auch die sog. Nottaufe finden. Man legte ja großen Wert auf die Taufe,
weil nur dann das Kind in den Himmel kam. So zumindest die Ansicht der
katholischen Kirche.

Dieter

Hallo Dieter,

ich meinte TOTgeburten - nicht NOTgeburten ... :wink:
Habe mir mehrere Eintr�ge angesehen, da wurde dann nicht mehr getauft, sondern nur noch - O-Ton - "im Stillen beigesetzt". Die "Taufe"-Spalte ist leer. Wobei es mich interessieren w�rde, wo genau ... In irgendeiner Ecke des Friedhofes? Oder, da ungetauft, au�erhalb des Gel�ndes?

Viele Gr��e
Karl