Tod in Ohlau

Liebe Listenmitglieder,
da ich am 11.09. am Tag der Heimat in Espelkamp einen Vortrag halten soll als
eine der aussterbenden Zeitzeuginnen von Flucht und Vertreibung, denke ich
dabei an die Eltern meiner Mutter (Blaschke), die um die Jahreswende 1945/46
in Ohlau verhungerten und erfroren.
Wie in dem kürzlich hier erschienenen Bericht über den 71jährigen, der sein
Haus verteidigte und seitdem verschwunden ist (solche Fälle werde ich
schildern), lässt mir das Ende meiner Großeltern bis heute keine Ruhe.
Vielleicht gibt es Ohlauer unter Ihnen, die etwas über diese Zeit wissen.
Richard und Elisabeth Blaschke (bei ihrem Tod 64 und 68 Jahre alt) besaßen
eine Villa in der Hospitalstraße. Nach ihrer Rückkehr von der Flucht fanden
sie ihr Haus von dem Chefarzt des Hospitals bewohnt. Sie kamen bei Bekannten
in einer Notwohnung unter. Dort starb mein Großvater im Dezember, vermutlich
an Unterernährung und den Folgen dieses kalten Winters. Meine Großmutter fuhr
ihn mit einem Handwagen zum Friedhof, legte ihn in ein Massengrab, das für
die Deutschen dort ausgehoben war. Drei Wochen später starb auch sie.
Wir wissen das aus einem Brief (es gäbe noch mehr zu berichten, doch ich
fürchte, es würde zu lang werden).
Vielleicht weiß jemand mehr über solche Fälle; ob sie überhaupt registriert
wurden damals oder später.

Mit freundlichem Gruß
Anita Rogge geb. BAUM