Tagungsbericht: Der „Gotha“ zwischen Verlags-, Adels- und Mediengeschichte der Moderne

Der „Gotha" zwischen Verlags-, Adels- und Mediengeschichte der Moderne

Tagungsüberblick

Die Tagung untersuchte die vielfältigen Beziehungen und Kategorien des Gotha, einschließlich Globalität und Lokalität, Politik und Adel, sowie den Wandel vom klassischen Staatskalender zum medialen Prototyp.

Verlag Justus Perthes

  • Wirtschaftliche Entwicklung: Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Druck und Vertrieb von Karten zum umsatzstärksten Bereich des Unternehmens, bedingt durch Auswanderungswellen und die daraus resultierende Nachfrage nach deutscher Literatur.
  • Personelle Aspekte: Die Redakteure des Hofkalenders und der genealogischen Taschenbücher zählten neben den Kartographen zu den Spitzenverdienern des Verlags.
  • Nachkriegsentwicklung: Nach einer Neugründung durch die Familie Perthes 1953 wurde der Verlag verstaatlicht und als VEB Hermann Haack weitergeführt, mit dem Ziel, einen sozialistischen Almanach zu entwickeln.

Kalender & Kompendien

  • Historische Sammlungen: Eine Sammlung Gothaischer Hofkalender aus dem Nachlass des Lübecker Sammlers Thomas Otto wurde präsentiert.
  • Nutzungskontexte: Die Hofkalender-Sammlung von Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg gab Einblicke in den alltäglichen Gebrauch der Kalender im späten 18. Jahrhundert.
  • Mediale Erweiterungen: Als wichtige Informationsmedien bis ins späte 20. Jahrhundert wurden auch Adressbücher untersucht.
  • Internationale Rezeption: Der Gotha strahlte in die europäische Nachbarschaft aus, beispielsweise durch den Almanach „U nás" in der Tschechoslowakei.
  • Antisemitische Varianten: Der „Semi-Gotha" identifizierte in antisemitisch-völkischer Absicht jüdische nobilitierte Familien.
  • Bürgerliche Pendants: Das „Deutsche Geschlechterbuch" (DGB) fungierte als Parallelprojekt zum Gotha für gebildete und gehobene Familien des Bürgertums.
  • Klassifikationskonflikte: Die Einstufung von Adelsfamilien innerhalb des Gotha führte oft zu Streitigkeiten.

Gotha und der Adel

  • Adelszugehörigkeit: Im 19. Jahrhundert waren die Definitionen von Brief- und Uradel umstritten.
  • Familienkonzepte: Die adeligen Werte und Familienbegriffe des 19. Jahrhunderts wurden analysiert.
  • Ideologische Transformation: Zu Beginn der 1920er-Jahre wandelten sich die Genealogischen Taschenbücher unter dem Einfluss der Deutschen Adelsgemeinschaft (DAG) zu einer völkisch-rassischen Adelsmatrikel.

Fazit

Die Tagungsteilnehmer plädierten für mehr wissensgeschichtliche Perspektiven auf das genealogische Material des Gotha, um die Logiken von Adels-, Medien- und Verlagsgeschichte besser zu erschließen.

Sources:
https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-154346

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