Sterberituale

In einer eMail vom 07.06.2007 17:01:27 Westeuropäische Sommerzeit schreibt
_martin.adloff@arcor.de_ (mailto:martin.adloff@arcor.de) :

Guten Tag,

ein entfernter Verwandter von mir berichtet über den Tod seiner Großmutter
(Hufenwirt-Witwe) im Jahre 1932 auf einem Bauernhof in Schönfeld Krs.
Preußisch Holland. Als die Dame auf ihrem Altenteil gestorben war, wurde im
Sterbezimmer die Uhr angehalten. Am nächsten Tag wurde die Leiche im Haus aufgebahrt,
dabei wurde der Spiegel zugehängt.

Waren diese Gepflogenheiten damals in Ostpreußen üblich ? Worauf gehen die
Bräuche zurück ?

Für Informationen wäre ich dankbar.

MfG
Martin Adloff <<
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Meine Mutter berichtete von der Beerdigung ihrer Großeltern in den 30/40er
Jahren das Gleiche. Die Toten wurde im Haus im offenen Sarg aufgebahrt, die
Spiegel wurden verhängt, die Uhr angehalten. Am Tag vor der Beerdigung kamen
alle Nachbarn zusammen und sangen bis Mitternacht. Als die Leute
auseinandergingen, wurden die Kerzen neben dem Sarg gelöscht. Der Aberglaube ging um, daß
derjenige, der die Kerzen löscht, der Nächste aus der Familie sei, der sterben
wird. So löschte die Großmutter die Kerzen aus, als ihr Mann beerdigt wurde.
Und sie war dann auch die Nächste in der Familie, die ihm folgte. (Samland,
Kurisches Haff)

Leider kann ich nichts fundiertes beitragen zu den Hintergründen, warum man
so verfuhr, was man sich dabei dachte und vorstellte. Meine Mutter kann auch
nur noch spekulieren über das Warum. Sie war damals noch Kind. Sie meinte,
das Spiegelverhängen sei Sitte gewesen, damit sich der Verstorbene nicht
erschrecke, wenn er denn als nichtkörperliche Erscheinung kein Spiegelbild mehr
habe...

Grüße aus Berlin
Viktor