auf einem "Familienbogen" (Vorläufer der Einwohnermelde-Unterlagen) vom Ende des letzten Jahrhunderts
(aus einem Stadtarchiv) glaube ich zu lesen/entziffern, daß Jemand eine Zuchthausstrafe abbüßen mußte,
wegen schweren Diebstahls - und im gleichen "Atemzug" wird quasi gesagt, dass dies (scheinbar) daran
lag/liegt, dass dieser Jemand eine "bedenkliche Herkunft" hatte (nämlich, so glaube ich zu lesen, hatte
seine Mutter, die ihn unehelich zur Welt brachte, gebettelt und eine Frühgeburt gehabt) !?
Nun hatte ich ja schon mal gehört, dass das früher mal ein ganz natürlicher/zwangsläufiger Grund war, auf
die "schiefe Bahn" zu geraten, wenn man eine schlechte/schwierige Kindheit/Elternhaus hatte, dennoch
ist es doch verrückt so etwas zu lesen, so einen Zusammenhang !?
Hat eine(r)von Euch auch schon ähnliche Sachen gesehen/"erlebt" ?
auf einem "Familienbogen" (Vorläufer der Einwohnermelde-Unterlagen) vom Ende des letzten Jahrhunderts
(aus einem Stadtarchiv) glaube ich zu lesen/entziffern, daß Jemand eine Zuchthausstrafe abbüßen mußte,
wegen schweren Diebstahls - und im gleichen "Atemzug" wird quasi gesagt, dass dies (scheinbar) daran
lag/liegt, dass dieser Jemand eine "bedenkliche Herkunft" hatte (nämlich, so glaube ich zu lesen, hatte
seine Mutter, die ihn unehelich zur Welt brachte, gebettelt und eine Frühgeburt gehabt) !?
Nun hatte ich ja schon mal gehört, dass das früher mal ein ganz natürlicher/zwangsläufiger Grund war, auf
die "schiefe Bahn" zu geraten, wenn man eine schlechte/schwierige Kindheit/Elternhaus hatte, dennoch
ist es doch verrückt so etwas zu lesen, so einen Zusammenhang !?
Hat eine(r)von Euch auch schon ähnliche Sachen gesehen/"erlebt" ?
Hallo Chrisian,
Ja, ich kann auch etwas dazu beitragen. Eine Vorfahrin wurde vom Pfarrer im
Kirchenbuch von Geroda, bei Ihrer Hochzeit 1638 als "Ficklerin" tituliert.
Aber vielleicht heißt dies auch etwas ganz anderes und das Wort "Fic..." gab
es damals noch gar nicht in Franken.
Mit freundlichem Gruß,
Gerhard (Kreile)
Aus dem Inland:
Tel: 040/678 16 48
Fax: 040/43 26 65 35
Mobil: 0172/407 24 39
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Fickler war ein Taschenmacher:
=Berufsname zu mittelniederdeutsch *vicke* ('Tasche') für den Taschenmacher
oder Übername zu mittelhochdeutsch *ficken* ('reiben') für einen unruhigen
Menschen, früh aber auch schon in obszöne Bedeutung=Vicker (1358), Ficker
(1467)
Vielen Dank für Deine Nachricht. In keinem meiner zur Verfügung stehenden
Bücher hatte ich diesen Begriff gefunden. Nun habe ich eine denke ich
passende Erklärung und es wird kein Makel an dieser Person hängen bleiben.
Mit freundlichem Gruß,
Gerhard (Kreile)
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was du meintest, nannte man in einer bestimmten Zeit und Region (z.B. Konzil
in Konstanz) auch "H�bschlerin". Heute w�rde ich darunter eine
Diplom-Kosmetikerin verstehen :-). So �ndern sich die Begriffe!
Das Augsburger Tagblatt von 1868 schreibt dazu:
In gewissem Sinne mu� man zu den in fr�herer Zelt dahier bestandenen
�ffentlichen Geb�uden auch eines, das man sonst wohl ein heimliches oder
besser noch ein unheimliches Haus nennen k�nnte, z�hlen, n�mlich das
Frauenhaus. Die Stadtbewohnerschaft hat zu jeder Zeit derlei Anstalten mit
einem an Verachtung grenzenden Abscheu, ja mit Widerwillen in ihren Mauern
gesehen und Personen dieser H�user standen als Ehrlose, als auf der
niedrigsten Stufe, den Geringsten hinten an. Waren sie doch nach dem
�ltesten Stadtrecht als �fahrende Fr�ulein� der Obhut der Henker
unterstellt, wof�r ihm jede alle Samstag Nacht 2 Pfenninge entrichten mu�te,
doch ohne N�thigung, wogegen ihnen Appellation beim Stadtvogt zustand. Gewi�
die ver�chtlichste Stellung in der b�rgerlichen Gesellschaft. Und doch sah
sich die Obrigkeit veranla�t, solche Personen in ihrer Stadt der Noth wegen
zu dulden. Schon in der �ltesten Zeit finden sich Spuren von solchen
H�usern. Das �lteste Stadtbuch vom Jahr 1276 hat in seinen Statuten auch
dieses Theils der Bewohnerschaft nicht ver. gessen und gibt eine
Beschr�nkung dieser Personen bei Aus�bung ihres Gelderwerbes speciell an.
DasStatut sagt: �Man soll auch wissen, da� keine Hubslerin (H�bschlerin)
hier in der Stadt wohnen soll w�hrend der heiligen 40 Tage (hierunter ist
die Advents- und Fastenzeit zu verstehen), nachdem man Complete (zum Schlu�
der Abendgottesdienstes) l�utet. Welche man nach der Complete noch hinnen
findet in den vorgenannten Tagen, der soll man die Nase aus dem Kopfe
schneiden, und ebenso alle Samstag Nachts.�
Gleich kommt aber wieder eine Clausel dazu, denn den obigen Worten ist noch
beigef�gt: �ohne so Herren hier sind.� Fast m�chte man aus dieser Clausel
schlie�en, da� das gewi� im Ganzen so mi�- liebige Institut der vielen in
Augsburg sich je und je eingefundenen Fremden halber Duldung erhalten habe,
oder da� wenigstens die Obrigkeit diese Fremden als Blitzabeiter gegen die
von Seite einer ehrsamen B�rgerschaft und noch mehr B�rgerinnenschaft
vorgebrachte Beschuldigungen, als wenn sie eine laxe Moral beg�nstigen,
vorgesch�tzt habe. Genug, die zwei Frauenh�user bestanden bis zum Jahre
1531, in welchem sie auf Instanz mehrerer wohlgesinnten M�nner abgeschafft
wurden.
Deine Darstellung über die Hübschlerin ist sehr interessant. Ich hatte den
Begriff schon einmal gehört, aber nie etwas damit anfangen können. Dadurch
das Du Augsburg hier ins Spiel bringst, kann dies ohne Weiteres auch in
Würzburg so gewesen sein.
Mit freundlichem Gruß,
Gerhard (Kreile)
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