Sowjetische Verwaltung Königsberg 1947

Liebe Listenmitglieder,

durch eine Auskunft des DRK-Suchdienstes (einschließlich Kopie der
sowjetischen Kriegsgefangenenakte meines Großvaters mit vielen
wertvollen Informationen) bin ich über einen vermeintlichen toten Punkt
meiner Forschungen nach vielen Jahren endlich hinweggekommen. In
diesem Zusammenhang stellt sich mir nun eine Frage, auf die ich hier eine
Antwort zu erhalten hoffe:

Wurden nach dem Zusammenbruch der deutschen Verwaltung in
Ostpreußen, speziell in Königsberg, irgendwann von Seiten der
sowjetischen Besatzungsbehörden wieder Personenstandsregister oder
etwas Vergleichbares geführt?

Konkreter gefragt: Besteht die Möglichkeit, dass die Geburt eines deutschen
Kindes in einem Königsberger Krankenhaus im August 1947 irgendwo
registriert worden ist?

Herzliche Grüße

Raphael (Dammer)

Date: Thu, 24 May 2012 19:18:04 +0200
Subject: [OWP] Sowjetische Verwaltung K�nigsberg 1947
From: "Raphael Dammer" <raphael.dammer@rub.de>
To: ow-preussen-l@genealogy.net

Liebe Listenmitglieder,

...

Wurden nach dem Zusammenbruch der deutschen Verwaltung in
Ostpreu�en, speziell in K�nigsberg, irgendwann von Seiten der
sowjetischen Besatzungsbeh�rden wieder Personenstandsregister oder
etwas Vergleichbares gef�hrt?

Konkreter gefragt: Besteht die M�glichkeit, dass die Geburt eines
deutschen Kindes in einem K�nigsberger Krankenhaus im August 1947
irgendwo registriert worden ist?

Lieber Raphael,

von meiner Seite aus und meinen bisherigen Forschungen f�r diesen
Zeitraum z. B. in Polen, muss ich Dich jetzt entt�uschen !

Meine langj�hrigen Erfahrungen in den Forschungen vom Zeitraum ab M�rz
1945 bis Ende 1947 zeigen ein klares Bild:

Schon im M�rz 1945 (und sogar Monate fr�her), nach dem Einmarsch der
Roten Armee z. B. in Pommern, wurden "normalerweise" keine
StA-Eintragungen mehr erfasst. Da war schon der Chaos innerhalb der
deutschen Restbev�lkerung ausgebrochen. Ich habe eine Chronik
geschrieben und die Zeitzeugen berichteten ! Auch die "meist"
verbliebenen "Pfarrersfrauen" �bernahmen die Gesch�fte ihres Ehemannes
(die waren sogar eingesetzt in der Front) soweit das m�glich war.
Trauungen gab es nicht mehr, Taufen manchmal, aber viele Sterbende �ber
die keinerlei Eintragungen mehr gemacht wurden ! Erst in den
katholischen Eintragungen tauchen erstmals wieder sporadisch
Eintragungen ab ca. Mitte 1945 auf, aber nicht von der deutschen,
evangelischen Restbev�lkerung. Nur die, die rechtzeitig ins Polnische
konvertiert haben !

Wenigstens die sind erfasst !

Ich bin fest �berzeugt, dass es in den sowjetisch besetzten Gebiete (z.
B. K�nigsberg) �ber die deutsche Restbev�lkerung
gar nichts existiert !!!

In diesem Sinne

Sch�nen Gru� aus Pforzheim

Fritz Schulz

Lieber Fritz,

   hab Dank f�r deine Antwort. Dass von deutscher Seite dort nichts mehr
   aufgezeichnet wurde, war mir klar; meine Frage zielte deshalb auch
   darauf ab, ob von sowjetischer Seite irgendwann Register gef�hrt wurden
   - immerhin war auch das ein hoch b�rokratisierter Staat. Ich ging
   bisher auch immer davon aus, dass wenig oder nichts zu finden sei, aber
   wirklich nachgeforscht hatte ich noch nie und will es jetzt eben
   genauer wissen. Ich fand z.B. auf der Seite des Deutschen
   Generalkonsulats in Kaliningrad den Hinweis, das dortige Archiv verf�ge
   "ab dem 17.06.1946 �ber Aufzeichnungen von Geburts- und Sterbef�llen".
   Ich habe dorthin geschrieben mit der Bitte um n�here Informationen,
   warte aber noch auf eine Antwort. Die werde ich dann auch in der Liste
   ver�ffentlichen.

   Herzliche Gr��e

   Raphael (Dammer)

   > Lieber Raphael,

   >

   > von meiner Seite aus und meinen bisherigen Forschungen f�r diesen

   > Zeitraum z. B. in Polen, muss ich Dich jetzt entt�uschen !

   >

   > Meine langj�hrigen Erfahrungen in den Forschungen vom Zeitraum ab
   M�rz

   > 1945 bis Ende 1947 zeigen ein klares Bild:

   >

   > Schon im M�rz 1945 (und sogar Monate fr�her), nach dem Einmarsch der

   > Roten Armee z. B. in Pommern, wurden "normalerweise" keine

   > StA-Eintragungen mehr erfasst. Da war schon der Chaos innerhalb der

   > deutschen Restbev�lkerung ausgebrochen. Ich habe eine Chronik

   > geschrieben und die Zeitzeugen berichteten ! Auch die "meist"

   > verbliebenen "Pfarrersfrauen" �bernahmen die Gesch�fte ihres
   Ehemannes

   > (die waren sogar eingesetzt in der Front) soweit das m�glich war.

   > Trauungen gab es nicht mehr, Taufen manchmal, aber viele Sterbende
   ï¿½ber

   > die keinerlei Eintragungen mehr gemacht wurden ! Erst in den

   > katholischen Eintragungen tauchen erstmals wieder sporadisch

   > Eintragungen ab ca. Mitte 1945 auf, aber nicht von der deutschen,

   > evangelischen Restbev�lkerung. Nur die, die rechtzeitig ins Polnische

   > konvertiert haben !

   >

   > Wenigstens die sind erfasst !

   >

   > Ich bin fest �berzeugt, dass es in den sowjetisch besetzten Gebiete
   (z.

Liebe Listenmitglieder,

   auf der Seite des Deutschen Generalkonsulats in Kaliningrad findet man
   den Hinweis, das dortige Archiv verf�ge "ab dem 17.06.1946 �ber
   Aufzeichnungen von Geburts- und Sterbef�llen". Ich habe deshalb bei
   meiner Recherche zu einer Geburt in K�nigsberg im Jahre 1947 das Archiv
   auf Englisch und Deutsch per E-Mail angeschrieben (gako@baltnet.ru) und
   heute (ebenfalls per E-Mail) eine Antwort auf Russisch und Deutsch
   erhalten. Daraus geht hervor, dass das Archiv selber keine solchen
   Unterlagen vorliegen hat. Man habe meine Anfrage aber an das Archiv des
   Standesamtes des Kaliningrader Gebietes weitergeleitet.

   Nun warte ich also auf eine Antwort vom Kaliningrader Standesamt.
   Sobald ich sie habe, werde ich sie hier mitteilen.

   Herzliche Gr��e

   Raphael (Dammer)