Liebe Forscherkolleginnen und -kollegen,
im Begräbnisregister von 1865 der Kirchengemeinde 19300 Muchow fand ich folgenden Hinweis:
Die Verstorbene ist die geschiedene Ehefrau des Gehöfbesitzers in (13395) Wendisch-Priborn.
Meine Frage:
Gab es in Mecklenburg vor 1865 Scheidungen?
Mit freundlichen Grüßen
Dieter Junge
Hallo zusammen,
von einer Reise zurück nahm ich erst heute die obige Frage zur Kenntnis.
Aus meiner Sicht kann man sie mit "ja" beantworten. Dazu folgendes:
In der Taufurkunde neines leiblichen Großvaters Carl Heinrich Friedrich IHDE (*06.06.1843 Sülte †11.05.1926) wurde als angebl. Vater der großherzogliche Vorreiter Johann TRETZLER genannt. Weitere Recherchen ergaben, daß dieser Mann identisch war mit dem am 14.02.1817 in Suckwitz geborenen Joachim Otto Daniel TRETZEL. Im "Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinschen Staatskalender" Jahrgang 1843 ist er als Bedienter des Marstalls aufgeführt. In der Stammrolle des Großherzoglichen Marstallspersonals findet sich folgende Eintragung:
"Tretzler hat gegenwärtig die dritte Frau. Die erst Frau ist im Okrober 1850 an Cholera gestorben. Von der zweiten Frau ist er im Dezember 1851 geschieden."
Dies wird bestätigt durch eine Eintragung im Kirchenbuch der Schloßgemeinde Schwerin.
"1852 Februar 3. Der Marstallbedienstete Joachim Otto Daniel Tretzel, geboren zu Suckwitz, Parochie Kirch Kogel 1817 Feb 14 heiratete Jungfrau Louise Elisabeth Auguste Koester geboren zu Suckwitz Parochie Kirch Kogel 1820 November 8. [...] Der Bräutigam geschieden durch das Hohe Justizministerium unterm 6. Dezember1851 von seiner zweiten Ehefrau Marie Sophie Juliane Dorothee Charlotte geb. Chasté."
Die Original-Scheidungsakte konnte ich noch nicht ausfindig machen.
Mich würde interessieren, wie ein solcher Scheidungsakt damals vor sich ging. Ich habe den Eindruck, daß mein Urgroßvater aufgrund seiner Stellung am Hofe privilegiert behandelt wurde.
Schöne Grüße aus Bonn
Kurt