[S-A] Genetik im Großraum Unstrut-Saale-Gebiet

Hallo Jürgen,
hallo Henryka,

Jürgen, zunächst besten Dank für den Tipp. Meine Kennung ist jetzt XS332.
Gute Metaseite. :))

Ich persönlich würde nicht so weit gehen, die Genetik als Wissenschaft
anzuzweifeln (Die Nobelpreise dafür sind m.E. ein guter Beleg, dass nicht
alles daran falsch sein kann). Aber vielleicht ist das ja auch nur ein
Missverständnis, denn wie schon gesagt, ja, Genetik als wissenschaftliche
Methodik für die Ahnenforschung steckt auch meiner Meinung nach noch zu sehr
in den Kinderschuhen, als dass ich da wirklich etwas nutzbringendes für mich
rausziehen könnte. Wie Jürgen ja auch schon sagt, es liegen einfach noch zu
wenige Tests vor.

Viele Grüße

Ulli

Hallo Ulli,

<< Aber vielleicht ist das ja auch nur ein Missverständnis, denn wie schon gesagt, ja, Genetik als wissenschaftliche Methodik für die Ahnenforschung steckt auch meiner Meinung nach noch zu sehr in den Kinderschuhen, als dass ich da wirklich etwas nutzbringendes für mich rausziehen könnte. >>

stop - bevor es Verwechslungen und Mißverständnisse gibt!

Achtung: Genetik ist nicht gleich Genealogie!

Genetik, als Teilgebiet der Biologie, ist auf jeden Fall (!) seit vielen Jahrzehnten eine anerkannte, fundierte und absolut ernstzunehmende Wissenschaftsdiziplin!

Was hingegen Du dann als genealogische Erkenntnis aus einem wissenschaftlich einwandfreien genetischen Testergebnis ziehen könntest, ist dann eine ganz andere Sache!

Die Genetik steckt daher beileibe nicht in den Kinderschuhen, auch nicht, was den Einsatz der Genetik für Ahnenforschung oder Verwandtschaftsfindung angeht. Mit ihrer Hilfe kann immer nachgewiesen werden, ob und wie weit jemand mit einer anderen lebenden Person verwandt ist. Das aber sind auf Basis der gefundenen Analyseergebnisse rein statistische Methodiken und Auswertungen der Wahrscheinlichkeitsrechnung, die bis zu einer Wahrscheinlichkeit gegen 1 (also 99,9999... %) gehen können.

So etwas kann bspw. für den Nachweis genutzt werden, ob eine gefundene Familie gleichen (selteneren!) Namens oder anhand einer Familienüberlieferung als verwandt verzeichnete Familie (solche ganz konkret verdachtsbegründende Anhaltspunkte müssen schon gegeben sein, denn wie und wo wollte man sonst ansetzen?) mit der eigenen Familie verwandt sein könnte, ohne daß gemeinsame Ahnen bekannt sind.

Gab es innerhalb der beiden hiermit untersuchten Linien jedoch eine genetische (nicht aber soziale) Unterbrechung (z. B. durch Adoption oder ein "Kuckuckskind"), dann ist leider kein Nachweis der genetischen Verwandtschaft möglich.

Eine soziale Verwandtschaft kann aber trotzdem nach wie vor bestehen! Sie kann man dann nur durch die herkömmliche Ahnenforschung anhand der Quellen belegen.

Und stellen sich Familien an ihren Endpunkten, den Probanden, dann tatsächlich als genetisch verwandt heraus, ohne daß aber aus der bisherigen herkömmlichen Ahnenforschung ein direkter gemeinsamer Vorfahr bekannt wäre, von dem die Probanden abstammen, dann muß man auch trotz Genetik zwangsläufig wieder auf herkömmlichem Weg den Nachweis bis zum gemeinsamen Ahnen zurück durchführen.

Das aber sind für unser Hobby "Ahnenforschung" reine Sonderfälle!

"Genetische Genealogie / Ahnenforschung" hingegen (oder unter welcher Bezeichnung auch immer das Ganze von den Laborfirmen als Massendienstleistung "im Sinne und zur Unterstützung der Ahnenforschung" propagiert wird) ist jedoch insofern irreführend, als diese Laborfirmen damit nur sloganmäßig auf den seit Jahren gut laufenden Zug der Ahnenforschung aufspringen und sie das Interesse daran massiv kommerziell nutzen möchten. Reiner Kundenfang.

Noch unbekannte Ahnen kann man damit eben nicht finden. Wie auch? Die Gene verraten eben keine Namen, Berufe, Wohnsitze, usw., nach denen man dann (und wo?) suchen könnte. Sie verraten - und nur bei einem Vergleich mit anderen Genen - nur Wahrscheinlichkeiten der Ähnlichkeit. Es bleibt, siehe oben, nur die herkömmliche Ahnenforschung, vom Probanden zurück zum Vorfahren - falls man keinen Sonderfall hat, den man damit untersuchen möchte.

In anderer Hinsicht jedoch bringen einem diese Testergebnisse durchaus eine ganze Menge, wenn man mit einem ganz anderen Interessenansatz an den Test herantritt und sich wie bspw. ich für Anthroplogie bzw. anthropologische Genetik interessiert. Das ist zwar auch Ahnenforschung, aber die Vorfahren mit derselben Haplogruppe und einem bestimmten Haplotypen bleiben namenlos, lebten viele Dutzende und gar Hunderte von Generationen vor uns und weniger Familien, sondern ihre Kulturgruppen, Lebensräume und Wanderungen sind u. a. Objekte dieser Forschung. Meine Interessen erstrecken sich darüber hinaus auch auf sich ergänzende Nachbarwissenschaften, wie die Ethnologie, die Linguistik, die Paläontologie, die Archäologie und die Vor- und Frühgeschichte. Im ganzen ergeben sich dann aus vielen kleinen Mosaikergebnissen plausible, "runde Bilder". Hochinteressant!

Viele Grüße,
Jürgen