Hallo Kerstin,
Kennt sich jemand aus mit dem Begriff "der Bauer hat das Recht der ersten
Nacht"?
Hier schreibe ich mal aus Halbwissen, da ich, trotz Interesse an dem Thema,
noch keine zweifelsfreie Literatur zu dem Thema gefunden habe.
Aber in germanischen Landen soll dies kein Thema gewesen sein, das habe was
mit der 'my Home is my Castle' Tradition zu tun, bei der so gar der einfachste
Landmann, ein gewisses Schutzrecht in seinen vier Wänden hatte. In
romanischen, später in orientalischen Ländern sah dies aber deutlich anders aus, dort
hatten Adlige oftmals dieses Recht.
Als sich im Hochmittelalter der Feudalismus auch in Mitteleuropa
durchsetzte, und Adlige von ihren Kreuzzügen vielerlei orientalische Sitten mitbrachten,
kam es auch in manchen deutschen Gegenden dazu, dass die Feudalherren einen
'Stechgroschen' einführten (Bitte kein Protest von der Frauenrechtlerseite -
der Name ist nicht auf meinem Mist gewachsen). Auch wenn vordergründig die
Option bestand, statt Entrichtung des Stechgroschens, das 'freistechen' ...
also das Recht auf die erste Nacht ... an den adligen Herrn abzutreten, namen
diese ihr Recht nur in wenigen Ausnahmefällen war. Ihnen war das Geld lieber -
'Stechopfer' hatten sie wohl in jeder Hinsicht genug. Die hohen Herren von
heute haben das auch nicht nötig ... allerdings müssen die oft später auch den
einen oder anderen Stechgroschen zahlen.
Den Stechgroschen als Steuer gab es in deutschen Landen aber nur in wenigen
Gebieten, meist im süden Deutschlands und auch nur in kurzen Zeiträumen im
wilden Spätmittelalter. Öfter und mit längerer Tradition gab es aber in vielen
Landschaften, gerade auch im Osten Deutschland die Sitte (und ich sehe wieder
Freyas Unmut) das mittellose Brautleute ihren adligen Herren baten das Recht
der ersten Nacht wahrzunehmen, in der dann nicht unbegründeten Hoffnung,
dass dieser dafür dann ein ansehnlichen Stechgroschen abdrückte. Es heißt aber,
das die meisten Herren sich hier eher unwillig zeigten - was sicher nicht an
deren heren Moral, sondern mehr an deren geringen Reichtum lag. Denn anders
als man heute denkt, waren die meisten einfachen Adligen über den Großteil der
hiesigen Geschichte, selbst oft nur Bauersleute. Ihre Knochen zeigen nicht
minder Spuren von Mangel und Hunger, wie die ihrer Bauern. Und außerdem -
seien wir ehrlich - die Sache mit der 'ersten Nacht' wird doch völlig
überbewertet. Eine Erkenntnis die sicher nicht neu ist.
Oh oh, ich fürchte man wird mir das mit den 'Stech-(en)' übelnehmen -
hoffentlich findet sich noch jemand der bestätigt dass es diesen Begriff gab.
Mir fällt da gerade eine Geschichte ein, die ich mal als Kind gelesen habe
(stand in der Wochenpost - Ausgabe weiß ich nicht mehr liebe Freya), da hat
sich eine adlige Witwe in der heutigen Slowakei zur Zeit Maria Theresias das
Recht der ersten Nacht rausgenommen - allerdings hat sie dann die ganze Sache
übertrieben und die armen Mädchen tatsächlich erstochen, in der Hoffnung durch
ein Vollbad ihn ihrem Blut wieder selbst jung zu werden. Sie landete recht
fix auf dem Schafot.
Grüße Steffan