Re: [Sudeten.bms-l] Geld?

Hallo Forscherfreunde,

ein Wertvergleich zu anderen Zeiten oder Gegenden wird fast unm�glich sein.
Trotzdem ein paar Preise.

Man zahlte 1377 in Schweidnitz (Schlesien) f�r:

1 Scheffel Weizen 4 1/2 Groschen
1 Scheffel Roggen 3 1/1 Groschen
1 Scheffel Gerste 2 1/2 Groschen
1 Scheffel Hafer 1 1/2 Groschen
1 Ochsen 1 Mark
1 Pferd 7 Mark
1 Kalb 5 Groschen
1 Schwein 8 Groschen
4 Schock Schindeln 3 Vierdung
1/4 Bier 1 Vierdung
1 Paar Handschuhe 5 Groschen
1 Axt 4 1/2 Groschen
1 Wagenrad 4 Groschen

Zu Karls IV. Zeiten schlug man aus der Mark 68 Groschen,
deren Wert auf etwa 26,64 deutscher Reichsmark heutiger
Waehrung (1930) geschaetzt werden kann.
Quelle: Forschungen zur Geschichte des Waldenburger Berglandes...
Ludwig Haeufler, 1930
http://www.boehm-chronik.com/grundherrschaft/massemuenzen.htm

Sicherlich auch interessant
'Eine wohlhabende Bauernwirtschaft im Jahre 1615'
http://www.boehm-chronik.com/bauern1615.htm

Herzliche Gruesse aus Upstate New York,
Guenter Boehm (*1939 Friedland, Kreis Waldenburg in Schlesien)

Liebe Kolegen,

ein wichtiger Faktor, der einzubeziehen w�re, ist das Einkommen. Auch hier
gibt es zeitliche, geographische und standesm��ige gewaltige Unterschiede.

Auch die Relationen der einzeln Gebrauchsg�ter und Lebensmittel zueinander
verschieben sich in zeitlichem Ablauf und in r�umlichen Strukturen. Zu
Beginn des 20. Jhdts war etwa Fleisch im Vergleich zu Bohnen extrem teuer.
Heuer bekomme ich recht gutes Rindfleich um 7 Euro/kg, gute Bohnen kosten 3
Euro. Semmeln kosten beim Diskonter 7 Cent, beim B�cker 50 Cent und im
Kaffeehaus 1 Euro. F�r ein Kilo Fleisch mu� ich 1/2 Stunde arbeiten, ein
B�roangestellter vor 100 Jahren wohl viel l�nger.

oder nehmen wir das Beispiel von unten:
1 Scheffel Weizen, 1 Kalb, 1 Paar Handschuhe, 1 Axt und 1 Wagenrad waren
gegeneinander etwa 1:1 konvertierbar. Grob gesch�tzt bekomme ich heute f�r
1 Kalb 6 Scheffel Weizen (Wobei ich nicht nachgeschaut habe, welcher
Scheffel mit welchem Volumen 1377 in Schlesien g�ltig war, mea culpa).

                      1377 2004
1 Scheffel Weizen 4,5 Groschen 5 Euro (125 Euro/t)
1 Kalb 5 Groschen 30 Euro (ab Schlachthof)
1 Paar Handschuhe 5 Groschen 50 Euro (Leder)
1 Axt 4,5 Groschen 7 Euro
1 Wagenrad 4 Groschen 70 Euro (gebraucht, 70cm)

Und es ist sehr schwierig, Preise in Relation zum Einkommen einer Person
oder Familie zu setzen.
Wieviele K�he brauchte eine 6k�pfige Bauernfamilie zum �berleben? Wieviele
braucht sie heute? Wieviel sind zur Erreichung eines gewissen Wohlstands
notwendig? was bedeutet Wohlstand??? Was verdiente ein Knecht? Was ein
Handwerker? Was ein Gutsbesitzer? Was ein Regierungsbeamter?

Oft hilft es doch, den Gold- bzw. Silbergehalt der entsprechenden M�nzen zu
ermitteln.
Nat�rlich gabs Zeiten der M�nzverschlechterung, Zeiten des �berangebots oder
der Verknappung von Gold oder Silber, aber im gro�en und ganzen blieb der
Wert der Edelmetalle �ber l�ngere Zeiten stabil. Extreme Ausnahmen war zum
Beispiel Dawson City um 1880, 3$ f�r ein Dutzend Eier, nach heutigem Geld
etwa 45 Euro, aber die waren da grad im Goldrausch....)

Die gleichen Probleme haben wir ja, wenn wir den Geldwert verschiedener
heutiger L�nder vergleichen. Ist jemand, der in einem afrikanischen Land 100
Euro j�hrlich verdient, in Relation zu der �brigen Bev�lkerung seines Landes
arm oder reich? Ist er im Vergleich zu einem �sterreichischen
Mindestrentner arm oder reich?

Liebe Mailfreunde,

ich danke allen sehr herzlich, die ihre Meinung über "Geld???" in die Liste gestellt haben.

Herr Schroefl hat einige Sätze geschrieben, die das Problem für mich überschaubar machen. Er sagte:

Wieviele Kühe brauchte eine 6köpfige Bauernfamilie zum Überleben? Wieviele braucht sie heute? Wieviel sind zur Erreichung eines gewissen Wohlstands notwendig? Was bedeutet Wohlstand???

Im Grunde ist es das, was mich interessiert. Aber jeder sieht das natürlich anders.

Vielleicht lässt es sich sogar an der Anbaufläche festmachen, was eine 6köpfige Bauernfamilie zum Überleben braucht. Dann braucht man nicht die Haustiere gegen einander aufzurechen (3 Ziegen = 1 Kuh?). Natürlich spielen die Qualität des Bodens, das Klima, die Entfernung zu einem städtischen Markt und manches andere mehr eine Rolle.

Ich will mir nach Ihren Meinungsäußerungen nun eine Tabelle erarbeiten, aus der ersichtlich sein soll, welche Grundstücksgröße im Laufe der Zeit einer sechsköpfigen Familie das Überleben sicherte. Am Anfang steht dabei eine Übersicht der Flächenmaße.

Allen, die Ihre Meinung gesagt haben, danke ich nochmals herzlich.

                        Freundliche Grüße
                           Erich Reichl