Liebe Steffi, lieber Rudolf, lieber Kurt,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
ganz herzlichen Dank Für Eure Beiträge und Hinweise. Dazu passt ja ganz wunderbar, das soeben von Daniel Oswald verteilte Circular Nr. 7 unseres Vereins, der Forschergruppe Oberschwaben. Dafür auch noch besten Dank an Micha Altvater, Edda Sauter und diejenigen Kolleginnen und Kollegen, welche Beiträge geschrieben haben. Nachdem auch ich zwei Beiträge dazu geliefert habe, und zwar zu den Huldigungen in Oberschwaben und zur Schlacht bei Stockach, passt der letztere prima zu dem Thema der Napoleonischen Kriege, speziell in Oberschwaben und drumherum.
Relativ gut sind die Soldaten und Opfer des deutsch/französischen 1870/71-er Krieges und der beiden danach folgenden Weltkriege erfasst, bzw. zu erforschen. Zum Bauernkrieg um 1525, sowie dem Dreissigjährigen Krieg 1618 -1648 möchte ich bezüglich Familienforschung nicht eingehen - würde an dieser Stelle auch viel zu weit führen!
Das historisch und politisch interessante an diesem Komplex ist doch, dass die Französische Revolution 1789 und danach Napoleon die europäische Landkarte dermaßen verändert haben, wie kaum etwas anderes in der Frühen Neuzeit. Das einst rund 600 Jahre währende vorderösterreichische Oberschwaben, genauer gesagt Schwäbisch Österreich verschwand sozusagen.
War Oberschwaben vor allem während des zweiten Koalitionskriegs (1799 - 1802) zwischen Frankreich und Österreich Kriegsschauplatz, Schlachtfeld und durch wechselnde Besatzungen und Kontributionen schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, wurde es dann im dritten Koalitionskrieg 1805, im vierten 1806/07 und auch im fünften 1809, Russlandfeldzug Napoleons 1812 und den Befreiungskriegen 1813-15 (endgültige Niederlage Napoleons) noch viel schlimmer. Als Mitglied des Rheinbundes waren die Königreiche Württemberg, Bayern und das Großherzogtum Baden aus dem Verband des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ausgetreten. Streng genommen paktierten sie folglich mit einem ausländischen Staat gegen den deutschen Kaiser Franz Joseph II - ab 1806 war dieser nur noch als Kaiser Franz I. Kaiser von Österreich.
Württemberg wurde bekanntlich durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 in 1806 Königreich von Napoleons Gnaden. Für das katholische Oberschwaben war es schon schlimm genug, in Stuttgart, mit Friedrich I. von 1806-1816 einem absolutistischen evangelischen König unterworfen worden zu sein. Was aber neu bzw. ganz anders war, waren diese Konskriptionen, d. h. Rekrutierungen der wehrfähigen Männer zum Kriegsdienst (ähnlich einer allgemeinen Wehrpflicht).
1805 kamen die württembergischen Truppen ( im Krieg Frankreichs gegen Österreich und Russland, III. Koalitionskrieg) mit rd. 6.000 Mann und 800 Pferden zwar noch nicht in Feindberührung. 1806 war im IV. Koalitionskrieg ein Kontingent von 12.00 Mann und 1.500 Pferden zu stellen. In diesem zweiten Einsatz gab es auch schon Verluste - aber dann im V. Koalitionskrieg 1809 gegen Österreich waren schon 13.000 Soldaten und 2.600 Pferde in Kriegshandlungen. Im Russlandfeldzug 1812 waren dies dann schon fast 16.000 Mann und 3.500 Pferde. Letztlich, um diese schreckliche Geschichte abzukürzen, kamen in diesen Kriegen insgesamt rd. 27.000 Württemberger (schwerpunktmäßig 1812+1813) ums Leben.
Zur Erfassung der württembergischen Soldaten und der Gefallenen in diesen Kriegen, bzw. den Quellen zur Forschung bin ich Dr. Rudolf Geser mit seinen Hinweisen und Steffi Schosser (siehe unten) äußerst dankbar. Vielleicht speziell dazu ein anderes Mal mehr.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Merk
Biberach an der Riss