In einer eMail vom 14.07.01 16:29:08 (MEZ) - Mitteleurop. Sommerzeit schreibt
mawenzel@surfeu.de:
Hallo Manfred,
vom tschechischen Václav, das in seiner polnischen und vermutlich auch
alttschechischen Variante mit einem nasalen n vor dem c gesprochen wird bzw.
wurde, über das mönchslateinische Venceslaus (wobei das slawische "slawa" als
Stamm vorausgesetzt und richtigerweise mit lat. "laus" für dt. "Ruhm", "Lob"
übersetzt wurde - vgl. "Wratislawa" für Breslau und Pressburg, "slowo" für
dt. "Wort". Die Silbe "Wen" wird meist mit "Veneti" - "Wenden" assoziiert und
kommt auch im Namen der germanischen Vandalen vor).
Da die meisten katholischen Vornamen die von Heiligen sind, gilt dies auch
für Václav bzw. Wenzel. Der heilige Wenzel war Herzog v.Böhmen, * etwa
903/905, + 28.9.929 in Stará Boleslav [Altbunzlau] nö. von Prag, seit 925
Regent. Er wurde von seinem jüngeren Bruder Boleslav ermordet, als er in der
Altbunzlauer [Stará BOLESLAV] Kirche vor diesem Zuflucht suchte. Die
Rivalität der beiden Brüder wird in der tschechischen Geschichtsschreibung
gern als die zwischen einer deutschfreundlichen und einer deutschfeindlichen
("patriotischen") Partei dargestellt, was wohl weder der damaligen
Interessenslage noch dem Entwicklungsstand der Bevölkerung Böhmens entsprach
(ein an der "nationalen Einheit" interessiertes Bürgertum existierte
praktisch noch nicht).
Wahrscheinlicher war der Zwist durch die Rivalität zwischen den bairischen
und sächsischen Herzögen bestimmt, die zu jener Zeit um die Vormacht im Reich
und die Kaiserkrone konkurrierten (wie wir wissen, haben sich die Sachsen
unter König Heinrich I. und Kaiser Otto I. letztlich durchgesetzt). Boleslav
scheint dabei der bairischen, Václav der sächsischen Seite verpflichtet
gewesen zu sein. Wenzel wurde in der von ihm neuerrichteten und dem
sächsischen Heiligen Veit [Vitus] geweihten Kapelle auf der Prager Burg
beigesetzt, die Weihe jedoch vom Bischof von Regensburg und am Tage des
bairischen Stammesheiligen Emmeram vorgenommen. So hat man damals Kompromisse
geschlossen, denn Boleslav I. wurde Nachfolger seines Bruders. Die
Heiligsprechung Wenzels entsprach dem kaiserlichen Interesse, verkörperte er
doch sowohl die Einheit des Adels und der Bevölkerung Böhmens als auch ihre
Hinwendung zum Reich. Der Brudermord aus politischen Interessen war damals
auch beim deutschen Adel weit verbreitet. Witzigerweise wird der dem Schwert
unterlegene Wenzel auf Denkmälern immer in Rüstung und mit dem Schwert
dargestellt.
Wenzel ist seitdem der böhmische Heilige, nach dem auch Kaiser Karl IV.
[Taufname Wenzel] und sein Sohn und Erbe benannt wurden. Die Krone des
Königreichs Böhmen heißt Wenzelskrone, obwohl sie von Karl IV. stammt. Auch
der Erzbischof v.Gnesen und Primas v.Polen, Waclaw LESZCZYNSKI, * 15.8.1605,
+ 1.4.1666, trug seinen Namen.
Grüße aus Hilden,
Günther Böhm