Da die nun schon eine Weile wieder zuhause in Rom sind wundere ich mich über
dekadische Kalendereinträge im Mirchbuch von 1809.
Statt
Sebtember steht 7be
Oktober steht da 8be
etc bis
Xbe für Dezember. Gab es dafür Gründe?
Sicher gab es dafür Gründe, auch wenn es Dir schwerfallen wird, den Grund zu
akzeptieren. Bis weit in die 1700er lag Sylvester auf dem 24. März eines
jeden Jahres und Neujahr auf dem 25. März. Deswegen gehen bei alten Kirch-
büchern die Datumszählungen
21. März 1698
22. März 1698
23. März 1698
24. März 1698
25. März 1699
26. März 1699 .... und NEIN, da fehlt nix. Damals zählte man so. Und der
MÄRZ war mithin der erste Monat eines Jahres, und zugleich auch der letzte.
So, und jetzt zähl mal auf Römisch:
Alter römischer Name .... Moderner auch römischer Name
Unember ................. März
Dumber .................. April
Trimber ................. Mai
Quartober ............... Juni
Quintober ............... Juli
Hexember ................ August
September ............... September
October ................. Oktober
November ................ November
December ................ Dezember
Undecemqueber ........... Januar
Duodecemqueber .......... Februar
"Jessas Maria! Was für Zungenbrecher!", sagte sich Julius Caesar. Und
überhaupt, so fragte er sich, bin ich ich nicht das Große Licht am Fir-
namente Roms? Und steht mir nicht zu, daß auf alle Ewigkeit mein Name ...
So wurde denn aus dem Quintober der Julius (Juli). Wem jetzt Kim Il Sung,
Großes Licht der Menschheit aus Nordkorea, etc. pp., in den Sinn kommt:
er hat bloß bei Julius Caesar und Augustus Caesar geklaut.
Was dem Julius Caesar Recht, das war dem Augustus Caesar bloß billig.
Und natürlich mußte es ebenfalls ein warmer Monat sein, damit die unter-
thanen cives in den kühleren Provinzen seinen Namen mit angenehmen Tem-
peraturen, Sommerferien und Strandbad assoziieren würden. Und wenn dem
Julius ein Monat mit 31 Tagen Recht, dann konnte dem Augustus das nur bil-
lig sein... tcha, und so wurde dann dem Hexember ein Tag drauf geschlagen
und der Monat fürderhin Augustus genannt.
Aber die Priester Roms warnten, daß das den Göttern im Olymp ... warte
mal, das ist jetzt irgendwie die verkehrte Seite ... nicht gefällen werde,
und man müßte insbesondere die Verdrossenheit eines Mars fürchten. Das
Kriegsglück werde sich gegen Rom wenden, es sei denn man gestehe dem Kriegs-
gott einen Monat zu. Und bitte, nicht unter 31 Tagen, sonst würde Graus-
liches geschehen. So wurde aus dem Unember der Mars (März).
Da waren noch andere Gottheiten, die man auch nicht erst ärgern sollte, denn
wenn die mal verschnupft waren, dann bedeutete das für Rom Grippe. Außerdem
boten solche Gottheiten eine Gelegenheit, Wortungetüme wie Undecemqueber und
Duodecemqueber los zu werden, nachdem sich Stadtschreiber und Fiskus ---
ebenfalls ein römisches Wort -- beschwert und der römische Rechnungshof dann
auch ermittelt hatte, daß die Kosten für die von der Imprimaturia Urbis &
Orbis (Stadt- und Reichsschreiberei) verbrauchten Tontafeln um 1.8% sinken
würden, wenn man auf Monatsnamen von mehr als acht Buchstaben verzichten
würde. So flogen dann der EinsZehnUndber und der ZweiZehnUndber schnell aus
Roms Kalender raus.
Man hatte nach und nach acht der zwölf Monate Gottheiten oder Schönheiten
gewidmet, als das Christentum Einzug hielt und die Auswahl der für diesen
Zweck verfügbaren und allgemein akzeptierten Gottheiten plötzlich stark
schrumpfte. Es gab zwar Überlegungen, die verbliebenen Monate nach Jüngern
Jesu zu benennen. Aber da setzte ein fürchterlicher Streit ein. Zwölf Jünger
und bloß vier Monate. Der Vorschlag, jedem der vier Monate ein aus drei
Jünger-Namen komponiertes Kunstwort als Namen zu geben, der wurde verworfen.
Ein Johalukamatthober, etwa? Das klang eher nach einem Alpenjodler als nach
einem Kalendermonat. Und deshalb: Nein, Danke, nicht mit uns.
Es soll in der DDR Versuche gegeben haben, den Weihnachtsmann durch ein
Väterchen Frost zu ersetzen, und den Dezember durch einen Stalinember, dem
dann zu angemessener Zeit ein Ulbrichtober folgen sollte. Doch diese Ver-
suche sollen dem Vernehmen nach schon in der Phase I //römisch Eins//, der
Abschaffung des Weihnachtsmannes, gescheitert sein.
Schöne Grüße