Re: DNA-Datenbank bei Geneanet: in Europa, nach DSGVO

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Hallo Uli,

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Auf Ahnenforschung.net stehen einige Beiträge über Erfahrungen mit
solchen Geschäftsfeldern. Und wie die erste Rechnung die folgenden nach
sich zieht.
Für uns Familienforscher ist es schmerzlich erkennen zu müssen, daß
irgendwo in der Vergangenheit plausible Unterlagen aufhören. Also auf
ins DNA-Geschäft. Und dann kommt: Wo Wissen aufhört fängt der Glaube an.
Hier in Europa erfährt der Bezahler meist, daß "er indoeuropäische
Vorfahren hat". ...und dann gehts mit Fremdworten die mit x oder y
verbunden werden weiter zum nächsten kostenpflichtigen Tool.

Viele Grüße

Reiner

Moin,

eigentlich ist es müssig darüber zu diskutieren. Die Personen mit ihrer unerschütterlichen Meinung zum Thema kann man so oder so nicht erreichen. Argumenten ist man auch nicht zugänglich - so kommt es mir vor.

Ich kann dazu nur sagen:

- Die Herkunftsanalyse ist ein Party-Gag - mehr nicht. Und um diese geht es einem ernsthaft an DNA Forschung interessierten auch überhaupt nicht. Ich verstehe nicht warum das immer und immer wieder herausgekramt ist. Wahrscheinlich weil das so simpel ist das jeder meint mitreden zu können? Und das Chromosomen-Matching ist so kompliziert - das fällt dann gerne mal unter den Tisch? Ich verstehs nicht....

- Es geht bei der DNA Forschung um Matching von Chromosomen Segmenten mit anderen die sich auch haben testen lassen. Nun kann man natürlich sagen "was soll mir das bringen, in meinem Stammbaum ist alles glasklar!" - dann ists doch auch schön! In meinem Stammbaum ist leider so vieles nicht glasklar und auch nicht mehr durch Bücher belegbar. Und genau für diese Personen kann das halt interessant sein!

Ein Beispiel (erfundene Vornamen)....

Einer meiner Vorfahren ist ein unehelich geborener Peter Schultz. Mutter wird bei der Taufe und später bei der Ehe des Sohnes als Marianne Schultz, später verehelichte Schoettler angegeben.

Leider ist eine Marianne Schultz nirgends aufzutreiben.

Es gibt jedoch im Kirchenbuch eine Marianne Nickel, welche 5 Jahre nach der unehelichen Geburt einen Herrn Schoettler ehelicht und mit diesem auch Kinder bekommt. Der Herr Schoettler kommt von woanders, und im gesamten Kirchenbuch gibt es den Namen sonst nicht.

Ob Nun Marianne Nickel und Marianne Schultz die gleichen Personen sind? Ich werde es nicht erfahren....

Habe ich aber! Ich habe zufällig einen Match, mit einem Nachkommen des Paares Schoettler oo Nickel, welches von der Länge des Segments auch genau zu dem Verwandschaftsgrad passt (Nachfahre des Halbgeschwisters meines Vorfahren).

So - und wie hätte ich das nun mit klassischer Forschung rausfinden können wenn es sonst keinerlei Hinweise im Kirchenbuch gibt?

Natürlich kann man nun sagen - "dann lebe halt mit dem toten Ende!" - kann man - wenn es aber auch anders geht - warum sollte ich?

Das muss halt jeder für sich entscheiden. Das aber alles zu verteufeln weil man für sich keinen Nutzen sieht, oder den nicht versteht halte ich für falsch.

Bzgl. dem ct Artikel hat sich hier jemand inhaltlich mal damit auseinander gesetzt:

Beste Grüße,
Oliver

Es muss jeder für sich selbst das Für und Wider der Thematik entscheiden. Ich begann damit vor Jahren und hatte am Anfang keine Ahnung was man mit den Möglichkeiten der DNA Genealogie alles machen kann. Glücklicherweise gibt es inzwischen Plattformen bei denen man sich schnell Rat und Hinweise holen kann.

Für meine Frau verwalte ich den Test und sie hat zu immerhin 25 % genealogische Vorfahren aus Niederschlesien, ich nur ein paar Randhüpfer. Bei meiner Frau konnte ich interessanterweise über ihren italienischen 50% Anteil bereits mehr Verwandte identifizieren, als über ihre 25 % Siegerland oder 25 % Niederschlesien. Dies Auswandererraten scheinen sich in diesen Gebiete begrenzt gehalten zu haben. Und solange man diese gute Möglichkeit der Genealogie ablehnt, wird sich daran natürlich kaum was ändern. Es gab und gibt Forscher die Computer als Hilfsmittel ablehnen und lieber Papier nutzen. Auch gab/gibt es noch Forscher die das Internet ablehnen, auch hier soll jeder wie er denkt.

Aber die DNA Genealogie ist, ob man es möchte oder nicht, ein neuer integraler Bestandteil unseres Hobbys. Es lässt sich nicht mehr aufhalten.

Ich habe bei meiner mütterlichen Seite die zum größten Teil aus Brandenburger und Mecklenburger besteht, fast keine identifizierten Treffer. Ausgenommen zu typischen Auswandererregionen aus denen hier einige meiner Vorfahren nach Brandenburg kamen, daher BaWü, Westpreussen oder Pommern.

Väterlicherseits werde ich mit Treffern überhäuft. Mittelpolnische Kolonisten aus dem Elsaß, Posen, BaWü etc. Dadurch konnte ich fehlende/zerstörte KB überspringen, uneheliche Kinder identifizieren und selbst 200 Jahre später die Vaterschaft zweier unehelicher Kinder, mit genannten Vätern nachträglich bestätigen. Unsere Verwandtschaft in Übersee hat uns unsere Verantwortung auch schon lange abgenommen. Wenn ich anhand meiner DNA eine Verwandtschaft zu einem DNA Match zuordnen kann, der selbst noch gar nicht weiß wo wir verwandt sind, geht dies umgekehrt genauso.

Ob es die hier mitlesenden wollen oder nicht, eure Daten wird der Staat selbst verhökern ohne das ihr daraus einen spürbaren/greifbaren Vorteile erhaltet; ZEIT ONLINE | Lesen Sie zeit.de mit Werbung oder im PUR-Abo. Sie haben die Wahl.

An diesem Punkt ist die Sache mit sem Schutz eurer Daten sowieso irrelevant und wenn ich oder meine Frau mit jemandem von Euch verwandt sind, lassen sich die Daten spätestens über die Genealogie sowieso zu euch zurückverfolgen. Die Ethnizitätsvermutungen der Anbieter sind eine Spielerei und für uns Europäer eh nicht besonders interessant. In Übersee sieht es schon anders aus. Dort erhielt ich mehrfach die Rückmeldung wie toll es doch sei, eine "so reine europäische DNA" zu haben. 2 Drittel West/Nordeuropäisch - 1 Drittel Osteuropäisch plus 1 bis 3 kleine Prozent aus dem Baltikum. Für mich irrelevant, für andere eben der interessantere Teil.

Fest steht, ich kann allein väterlicherseits alle Ururugroßelternteile genetisch bestätigen. Ich kann damit meine Papierforschung hervorragend untermauern und bei einigen Linien, bei denen ich die Herkunft vor ihrer Einwanderung nach Posen noch nicht kannte und Friedrich der Große siedelte immerhin 60.000 Kolonisten in 900 Kolonien an, kann ich bereits stichhaltige Vermutungen anstellen, woher sie zuvor kamen.

Jeder der seinen Stammbaum auf einem digitalen Gerät mit Internetanschluss verarbeitet, darf damit rechnen das seine Daten für einen Interessierten auch zugänglich sind. Ob berechtigt oder nicht.

Grüße, Maik (Senninger)