Hallo Biggi,
Im Januar 1945 war mein Grossvater
Gottlieb, Wilhelm Weiss, geb.14.04.1874 in Städtel
Kreis Namslau, 71 Jahre alt.
Er war rüstig und sprach vom 1.WK her gut Polnisch
und Russisch. Er sagte ich bin doch nicht verrückt,
bei -20 ° C, nachts auf dem Leiterwagen ins Unge-
wisse wegzufahren, ich bleibe zu Hause im warmen
Bett und passe auf das Haus auf.
Als wir am 1.Juni 1945 wieder zu Hause ankamen,
war das Haus als einziges im Dorf abgebrannt und
Grossvater verschwunden. Wir haben die Trümmer
einzeln umgedreht, durchgesiebt, jede Bodenver-
änderung in der näheren Umgebung des Dorfes in
Augenschein genommen, wir haben sogar die Dorf-
teiche abgelassen, aber da war nichts.
Polnische Knechte, die im Dorf geblieben waren, die
wir befragten, schwiegen beharrlich. Sie sagten nur
er hätte mit einem russ. Viehtransport mitmüssen.
Ich glaube die wollten ins Haus, er hat sie nicht rein-
gelassen, da haben sie ihn erschlagen. Auf jeden
Fall haben wir keinen Knochen von ihm gefunden.
Alle Suchdienste, wie Rotes Kreuz München oder
Vermisste in Arolsen, keine Spur.
Da solche Opfer ja nie amtlich gemeldet wurden,
oder in eine Statistik eingingen, steckt hier eine
ziemliche Dunkelziffer an Vertreibungsopfern.
Du hast Recht, bei Soldaten, selbst bei Vermissten,
war das anders, denn sein ältester Sohn Martin,
40 km vor Moskau gefallen - von ihm kennen wir den
Friedhof und die Nr. des Grabes wo er liegt.
Viele Grüsse Joachim