"Arthur Teschler" <ateschler@genealogy.net> schrieb:
> Hallo Uta,
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> >Bitte was ist das?
> >
> >.......Raseneisenerzgräbereien hat es dort gegeben.......
> >
>
> Raseneisenerz ist ein Mineral, daß sich unter bestimmten
> Umständen im Boden bildet. Voraussetzung dafür ist u.a.
> sandige Böden und stehende Feuchte.
Liebe Raseneisenerz-Interessierten,
Die Entwicklung von Raseneisenerzgewinnung, Eisenhämmer- und Köhlerei historisch eng aneinander gebunden. Nach einer Befragung von knapp 4000 Namenträger Schwarzer in Deutschland im Jahr 2000 nennt die Mehrzahl der mündlichen Überlieferungen einen Zusammenhang des Familiennamens SCHWARZER mit dem Beruf des Köhlers, obwohl die bisher gesichtete Namenforschung hierzu keine Aussage macht und die Angaben nicht aus der Literatur stammen können. Diesem möglichen Zusammenhang bin ich seinerzeit nachgegangen:
Von der aufgefundenen Literatur über Schlesien beschäftigt sich schon Jecht 1892 in seinem zweiten Teil über „Familiennamen“ in der Region Görlitz mit der Entstehung von Familiennamen aus Berufen. Zum Beruf des Köhlers schreibt er: „Aythener (115b, 1352, jetzt Eitner) = der Köhler oder Anwohner eines Kohlenmeilers angelsächsisch âd = Scheiterhaufen“. Bahlow 1923 beschreibt die Namenentstehung aus Berufen im Liegnitzer Raum, jedoch wird der Beruf des Köhlers nicht berücksichtigt. Da zur Entwickelung des Namens Schwarzer aus dem Beruf des Köhlers bisher keine Literatur gefunden wurde, sollten die Rahmenbedingungen der Köhlerei dargestellt werden, um abschätzen zu können, ob sich der Name zeitlich überhaupt aus dem Beruf hätte entwickeln können.
Für die Verarbeitung von Metallen wurde schon im frühen Mittelalter Holzkohle gebraucht, die von Köhlern hergestellt wurde. Diese brauchten für Ihre Arbeit Mischwälder und Wasser. Man erkannte die Vorteile der massiven Gewichtsminderung bei der Verkohlung von frischem Holz zu Holzkohle bei gleichzeitig höherer Hitzebildung der Kohlen. So beträgt das Kohlengewicht aus Buche nur noch ca. 25 % des Holzgewichtes, bei Fichte und Tanne sind es gar nur noch 20 %. Ein Festmeter Buchenholz ergibt somit etwa 270 kg Holzkohle. Dies spielte früher beim Transport, besonders im unwegsamen Gelände eine entscheidende Rolle. Vielerorts wurde bis zum späten 19. Jh. der Wald zur Herstellung von Holzkohle genutzt.
Hauptabnehmer der Holzkohle waren die weitverbreiteten Hammerwerke und Glashütten. Holzkohle wurde aber auch militärisch genutzt, da Holzkohlenfeuer rauch- und geruchlos verbrannten und daher von den gegnerischen Linien nicht erkannt werden konnten.
Da der direkte Namensnachweis Schwarzer bis in diese Zeit nicht nachzuvollziehen ist, ist zeitlich die Entstehung und die Lokalisation der Hammerwerke ein gutes Indiz als Nachweis für die Verbreitung und Lokalisation der Köhlerei.
Vor der Erfindung des Hochofens geschah die Eisenverhüttung im „direkten Verfahren“, bei dem aus den Erzen unmittelbar Schmiedeeisen und Stahl in teigigem Zustand und nur in kleinen Mengen („Luppen“) gewonnen wurden. Zur Ausschmelzung des Eisens aus den Erzen diente bis ins 18. Jh. ausschließlich die Holzkohle.
Das Eisenerz kam vor als bergmännisch zu gewinnender Teil der festen Gesteine und als Raseneisenerz, das sich in sumpfigen Niederungen als dünne Kruste unter der Bodenoberfläche immer wieder neu bildete und mit Hacke und Spaten aufgegraben werden konnte. In Oberschlesien fand sich Rasenerz überall in den nassen Sandwäldern des Nordostens. Der in diese eingeschobene Muschelkalkrücken bot besonders in seinem Ostteil um Beuthen und Tarnowitz reiche Lager von Brauneisenstein. Südlich der von allen Erzvorkommen und damit von jeder alten Industrie freien Lößzone findet sich Eisenerz dann wieder in den Sudeten, in geringerem Maß auch in den Beskiden.
Holz und Holzkohle für die Eisenwerke boten die weiten, sonst wenig nutzbaren Wälder sowohl im Gebirge wie in der nordöstlichen Ebene. Dem Antrieb der Hämmer, welche die Schlacke aus den Luppen ausschmiedeten, und der Gebläse für die Schmelzöfen, dienten die Flüsse des Gebirges, aber auch jene im Waldland der Ebene hatten im Oberlauf noch das nötige Gefälle dazu.
Die Anfänge der Eisengewinnung im oberschlesischen Raum reichen weit in die Vorgeschichte zurück und wurden durch Kuhn 1954 beschrieben. Durch Wasserräder angetriebene Eisenhämmer traten schon bald, nachdem sie Mitte des 13. Jh. in den Alpen erfunden worden waren, auf der südlichen Gesenkhochfläche um Bärn auf. Der älteste Eisenhammer in Schlesien wurde 1328 in der Nähe von Freiwaldau bezeugt. Dichter wurde das Netz der Hämmer in den Sudeten im 15. Jh., in dem die aufblühende Bürgerkultur den Bedarf an Eisen gewaltig steigerte.
In der oberschlesischen Ebene reichen die ältesten Nachrichten von Eisenhämmern bis in die Mitte des 14. Jh. zurück. Sie nützten zuerst die leicht zu gewinnenden Sumpferze aus. 1361 schenke Herzog Albert von Oppeln dem Kloster Himmelwitz eine Mühle am Blottnitzfluß „an der Stelle, wo einst (Anm.: 1371 schon einst) das herzogliche Hammerwerk (fabrica) stand. Weitere Hämmer werden genannt 1374 an der Einmündung der Lißwarte in die Warte, 1382 westlich Tschenstochau, 1386 bei Woischnik, 1394 in der Heide bei Liebenau als Namensgeber für den späteren Ort Althammer westlich von Kattowitz und 1397 der Bogutzer Hammer als Vorläufer der Stadt Kattowitz. 1404 bestand das „Smedewerk von Dornseyfen“ Dürrseifen bei Engelsberg, 1416 der Hammer in Buchelsdorf bei Freiwaldau, und andere folgten wie 1477 südlich von Neisse, wo in dieser Zeit des Siedlungsrückganges die Eisenindustrie sogar in die alten Bauerndörfer eindrang.
Im 15. und 16. Jh. reihen sich an allen Flüssen des Oderstromlandes, besonders an ihren Oberläufen, die Hammerwerke. Für das 15. Jh. wurden 7 Neugründungen in Oberschlesien, 11 im angrenzenden Polen, für das 16. Jh. 20 in Oberschlesien und 9 in Polen nachgewiesen, aber auch später wurden noch neue errichtet.
Die Eisenhämmer waren nach mittelalterlichen Maßstäben industrielle Großbetriebe. Außer dem Hammermeister und den Schmieden gehörten dazu Eisensteingräber, Köhler, Kohlenschütter, Fuhrleute und andere Hilfsarbeiter. Zumindest ein Teil dieser Leute hatten Familie. Bei der Lage der meisten Hämmer abseits der alten Bauerndörfer und im Walde brauchten sie auch eigene landwirtschaftliche Betriebe. So bildeten sie selbstständige Siedlungen, in denen der Hammermeister die Stellung des Schulzen hatte.
Diese Bildung selbstständiger Siedlungen wird von ebenfalls von Kuhn 1954 beschrieben. Die Aussetzungsurkunden waren jenen für die Bauerndörfer in vielen Stücken ähnlich. Im Einzelfall ist nachgewiesen, dass der Hammermeister für den Fall, dass in späterer Zeit der Wald aufgebraucht war, und damit der Hammerbetrieb unmöglich wurde, für sich oder seine Nachkommen das Recht hatte, auf dem Hammergebiet ein Dorf zu deutschem Recht auszusetzen.
Die für damalige Verhältnisse industrielle Herstellung und Nutzung von Holzkohle und damit der Beruf des Köhlers reicht also vor die Zeit der Nachnamenführung zurück und könnte von daher für die Namenentstehung bis zum 14. Jh. prinzipiell genutzt worden sein. Dafür spräche zumindest die lokale Verbreitung des Namens Schwarzer auch in Oderniederungen, in denen kein bergwerklicher Erzabbau stattgefunden haben kann.
Mit herzlichen Grüßen aus Hameln
Christian
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