PRESSE: Empfang beim König im Schlossgarten - Vertriebene Salzburger 1732 in Potsdam

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Empfang beim K�nig im Schlossgarten*
*Vertriebene Salzburger 1732 in Potsdam
*NORBERT VON FRANSECKY

"Ihr sollt's gut haben, Kinder, ihr sollt's bei mir gut haben." Mit diesen Worten soll Friedrich Wilhelm I. vor 275 Jahren -- am 29. April 1732 -- 900 protestantische Glaubensfl�chtlinge aus Salzburg im Garten des Potsdamer Schlosses empfangen haben. Bei der Ankunft in der Stadt waren ihnen die gesamte Geistlichkeit und die Schuljungen entgegen gezogen, w�hrend die k�nigliche Familie die Ankunft erwartete. Potsdam war auf dem langen Weg der Salzburger nur eine Zwischenstation, und der Zug der 900 war nur der erste von 17 Z�gen, mit denen Tausende von Salzburgern nach Preu�en kamen, eine neben Holl�ndern, Schlesiern und Franzosen weniger bekannte Zuwanderungsgruppe.

*Verbot Leopolds erreicht das Gegenteil*

Hintergrund war die brutale Vertreibungspolitik des F�rsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmain im Erzbistum Salzburg. Bereits bei Antritt seines Amtes im Jahre 1727 hatte Firmain, der w�hrend seines Studiums in Rom engen Kontakt zu den Jesuiten gekn�pft hatte, den Vorsatz, das Luthertum in seinem Machtbereich auszurotten. Schon bald l�sst er den Besitz lutherischer Schriften verbieten und vermeintliche F�hrer der Protestanten verhaften. Er erreicht damit das Gegenteil. Die Evangelischen scharen sich um die, die noch Lutherbibeln besitzen. Dabei erkennen sie, wie zahlreich sie sind und entwickeln ein bis daher nicht vorhandenes Gemeinschaftsgef�hl. Am 13. Juni 1731 bekennen sich 18 460 Salzburger offen zu ihrem Glauben und erkl�ren gleichzeitig, ansonsten treue Staatsb�rger zu sein. Der F�rsterzbischof erkl�rt sie dennoch zu Aufr�hrern und erl�sst ausgerechnet am Reformationstag 1731 einen Erlass, der �ber 22 000 Protestanten aus dem Land vertreibt. Der Erlass wird trotz des hereinbrechenden Winters milit�risch durchgesetzt. Als Friedrich Wilhelm I. vom Elend der Fl�chtlinge erf�hrt, unterzeichnet er am 2. Februar 1732 einen Immigrationserlass, der den Fl�chtlingen Aufnahme und Reisegeld garantiert. Sein Kommissar Johann G�bel trifft den ersten Zug Anfang M�rz in Donauw�rth. �ber Halle erreicht er Potsdam und Berlin. Von dort aus geht es weiter nach Stettin und dann per Schiff nach Ostpreu�en, wo sich die Fl�chtlinge ansiedeln d�rfen.

*Welle der Hilfsbereitschaft*

Auf der Strecke schl�gt den Salzburgern eine Welle von Hilfsbereitschaft entgegen. Klug hat der K�nig daf�r gesorgt, dass die Z�ge unterschiedliche Wege nehmen und einzelne St�dte nicht �ber die Ma�e belastet werden. Ein Zug ging �stlich von Berlin �ber Forst, Guben und Frankfurt (Oder); andere westlich �ber Neuruppin, Perleberg und Pritzwalk, oder sogar �ber Frankfurt am Main, Kassel und Hannover.

Der Berliner Regierung wurde die Sache bald unheimlich. Als mehr als 6000 Salzburger auf dem Weg nach Preu�en waren, befahl sie, niemanden mehr aufzunehmen. Einen Befehl, den der K�nig sofort aufhob, indem er anordnete, so viel wie m�glich aufzunehmen.

Am Ziel der Reise in Ostpreu�en war allerdings niemand �ber die Neuank�mmlinge begeistert. Ein Viertel der Einwanderer �berlebte den ersten Winter in elenden Notunterk�nften nicht. Doch der K�nig war ein weiteres Mal behilflich. Er schickte einen Abgesandten nach Salzburg, um die brachliegenden G�ter der Fl�chtlinge zu verkaufen. 1776 H�fe sollen leer zur�ck gelassen worden sein. Der Abgesandte hatte Erfolg. Zwei Jahre sp�ter hatten fast alle der �berlebenden �ber das Land verstreut Fu� gefasst. Die meisten brachten es in der neuen Heimat zu bescheidenem Wohlstand.

M�RKISCHE ALLGEMEINE, 30. Apr. 2007
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