Einen schönen guten Abend
Klaus, Günther Böhm, Ursula, Almuth, Jens, Alexander
und alle interessierten Kenner und Listenleser,
Klaus schrieb:
ich bin nicht ganz sicher, aber Du meinst vermutlich das polnische
Stammwappen Prus III:
http://genealog.home.pl/g.pl?kd=4&hb=0081
Wobei diese Familien sich nicht von Wetzsteinhändlern ableiten, sondern
vom Stamm der Prussen - 'zu den baltischen Völkern gehörend'.
Ich kann Dir die Wappengeschichten von Prus I bis III kopieren. Zernicki
hat diese vermutlich von Paprocki (1584) oder Okolski (1641-45)
abgeschrieben.
Klaus, da sagst Du was ! Das habe ich - auf Grund eines vagen Hinweises aus Polen - schon lange
vermutet und nie geprüft und Du triffst nun (wieder einmal, danke !) den Nagel auf den Kopf: PRAUS(S)E
= PRUßE = Alt-/Stamm-PREUßE ??. Könnte das eine plausible Hypothese sein, oder liege ich
da vollkommen falsch ?
Jetzt hätte ich allzu gerne darüber noch die Meinung unseres in linguistischen und 'ethnologischen'
Fragen auch so gut bewanderten
Listenfreundes Günther Böhm (vielen Dank im voraus, ich bin
gespannt darauf) erfahren, und vielleicht auch die weiterer belesener Listenteilnehmer.
Mein Grosser Brockhaus, nicht mehr der Jüngste, 1956
dafür heiss geliebt und heftig abgegriffen,
hat folgende Meinung dazu:
Prußen:
"Altpreußen, balt. Volksstämme östl. der unteren Weichsel bis etwa zur Memelmündung, gehörten
zum balt. Sprachzweig des Indogermanischen (-> Altpreußisch). TACITUS nennt die Bewohner
dieses Gebietes, die im Röm. Reich durch den Bernsteinhandel bekannt waren, 'Aestii' und rechnet
sie zu den Germanen. Zum ersten Male werden sie von dem 'Bairischen Geographen' (nach 845)
'Bruzi' genannt, dann im Reisebericht des jüd. Kaufmanns Ibrahim ibn Ja'qub aus Spanien (10. Jh.)
'Brus'. In den Quellen des MA heissen sie 'Pruzzen' (z = s), daher das u lang gesprochen). Sie selbst
nannten sich 'Prusai'. Die Überlieferung kennt 12 pruß. Landschaften: Kulmer Land mit der Löbau,
Pomesanien, Pogesanien, Warmien (Ermland), Sassen, Barten, Natangen, Nadrauen, Samland,
Schalauen, Galinden und Sudauen. Das pruß. Siedlungsgebiet reichte mit Sassen und Alinden im
S weit in das heutige Polen hinein; Sudauen erstreckte sich bis an die mittlere Memel.
Die P. waren Viehzüchter, Ackerbauer, Jäger, Fischer und Waldbienenzüchter; ihre Siedlungen
lagen inmitten der ausgedehnten Waldungen. Eine einheitliche polit. Zusammenfassung fehlte, es
gab nur kleinere Gau- und Stammesverbände mit einem auf bäuerl. Grundlage erwachsenen Herrenstande.
Dem Christentum leisteten sie zunächst zähen Widerstand. Die ersten Missionare, Adalbert von
Prag (+ 997) und Brun von Querfurt (+ 1009), wurden von ihnen getötet. Vom -> Deutschen Orden
wurden die P. in langen Kämpfen unerworfen und bekehrt (1231 - 83) und in den Ordensstaat eingefügt.
Zugleich begann die Kolonisierung des Landes durch dt. Bauern und Bürger. Die P. verschmolzen dann
kampflos im Laufe der nächsten Jahrhunderte mit den Neusiedlern. Ihr Name ging als Preußen auf alle
Landesbewohner, nach 1701 auf den Staat Preußen über."
Altpreußisch, Prußisch:
der westliche Zweig der Familie der -> baltischen Sprachen des indogerman. Sprachstammes, die
Sprache der im 17. Jahrh. endgültig im Deutschen aufgegangenen Alt- (Stamm-) Preußen oder Prußen.
Zu den wenigen literar. Denkmälern der A. Sprache, meist aus dem 16. Jahrh. (nur das handschriftl.
Elbinger deutsch-pruß. Vokabular stammt vielleicht aus den Anfang des 14. Jahrh.), treten viele Orts-,
Personen- und Familiennamen, z. B. Gaerte, Perband usw."
Dürfte man, unter Vorbehalt des Beweises, nun annehmen, dass des Ritter PRUSSes Patronymikum
und vielleicht auch die Ortsnamen Prauß und Prause (gibt's auch im Erlitzgebiet, wo auch der
Familienname sehr häufig auftrat) von den Prußen (Pruzzen, phonet. pruusen; Eigenname Prusai)
abgeleitet sein *könnten* ?
Ach ja, Klaus, und Prus I bis III hätte ich sehr gerne, wenn es keine Mühe macht.
Viele Grüsse aus Paris in alle Himmelsrichtungen,
Susanna (Prause)