----- Weitergeleitet von Hans Pettelkau/D/WLB am 12.02.03 12:15 -----
Hallo Listenteilnehmer,
dieser Beitrag ging über die Liste PomGrif und ich möchte Euch diese Mail,
die einen - ob persönlich betroffen oder nicht- doch sehr nachdenklich
macht, zumal in der Sicht auf den bevorstehenden Irak-Krieg.
Viele Grüße
Hans (Pettelkau)
"poczta dfk" <dfkdanzig@wp.pl>
1945 - Danzig-Narwik -
-Ein Lager für Deutsche -Nach Danzigs Besetzung durch die Rote Armee richtete der Sowjetische
Stadtkommandant noch im März 1945 in Danzig ein Arbeitslager für Deutsche
ein, das den Namen NARWIK bekam und dessen Aufgabe darin bestand, die
Anlagen der Danziger und der Schichau-Werft zu demontieren, die dann in die
UdSSR abtransportiert wurden.
NARWIK bestand aus zwei Unterlagern: NARWIK I und NARWIK II. NARWIK I
befand sich zwischen dem Paul-Benecke-Weg/ul.Marynarki Polskiej (linker
Hand in Richtung Neufahrwasser) und der in Richtung Neufahrwasser
verlaufenden Bahnlinie, im Bereich Leegstrieß/ul.M. Reja, also vom
Flüsschen Strieß/Strzy¿a bis hin zur von westlicher Seite her zur
Bahnstation Danzig-Kolonie führenden Straße, die heute den Namen ul.
Narwicka trägt. Dieses große Terrain umfasste eine Fläche von über 5 ha.
Gegen Ende der 30er Jahre und zu Beginn der 40er Jahre war dort ein
Arbeitsdienstlager errichtet worden. Die niedrigen Holzbaracken boten Platz
für etwa 1000 Arbeitsdienstverpflichtete. Von der einstigen Existenz des
Lagers NARWIK I zeugen heute einzig und allein die nach ihm benannte Straße
(ul. Narwicka), die im nördlichen Teil dieses Terrains befindlichen
Schrebergärten, die noch heute auf Danziger Stadtplänen als
Kleingartenanlage "NARWIK" ausgewiesen werden sowie einige Baracken, die
die Zeiten überdauerten. Auf diesem Terrain entstanden zu heutigen Zeiten
einige Großhandels- sowie kleinere Industrieunternehmen. Nachdem das
Fassungsvermögen von NARWIK I erschöpft war, wurde umgehend das als NARWIK
II bezeichnete Lager errichtet, das sich rechter Hand des Brösener Wegs /
ul. Chrobrego (etwa in der Hälfte der Straße in Richtung Brösen) befand, wo
ebenfalls an die zwanzig große und für den Arbeitsdienst bestimmte
Holzbaracken standen. Heute befinden sich an dieser Stelle ein Bau-Markt
der deutschen Kette NOMI sowie der Bushof des Städtischen Nahverkehrs.
NARWIK I war bedeutend größer als NARWIK II. Nachdem die Rote Armee Danzig
verlassen hatte, wurden diese Lager in Aussiedlerlager für Deutsche
umgewandelt. Dort sammelte man diese vor dem endgültigen und per Bahn
erfolgten Abtransport in die deutschen Besatzungszonen. Das Lager
existierte bis 1947, als der letzte Transport von Danzig abging.
Im Danziger Staatsarchiv gibt es keinerlei Dokumentation bezüglich dieser
Lager. Das Arbeitslager stand unter der Verwaltung der Roten Armee, weshalb
wohl auch nach dessen Auflösung die gesamte Dokumentation nach Moskau
"gefahren" und im Sonderarchiv des Ministeriums für Innere Angelegenheiten
hinterlegt worden war. Es besteht darüber hinaus eine geringe Chance, dass
die Rote Armee diese Dokumentation an das damalige Danziger Amt für
Öffentliche Sicherheit (UBP) weitergeleitet hat, was bedeuten könnte, dass
sie sich möglicherweise noch im Archiv des gegenwärtigen Nachfolgers jenes
Amtes, der Agentur für Innere Sicherheit in Danzig, befindet. Leider sind
die Bestände dieses Archivs nicht zugänglich; eventuell könnten sich diese
Dokumente auch im Archiv des Instituts für Nationalgedenken befinden.
Ich habe mich mit der Anfrage, ob sich nicht in den Archiven Dokumente über
die Narwik-Lager befänden, an diese beiden Institutionen gewandt.Unter den Archivalien des Danziger Stadtvorstandes stieß man auf eine
einzelne Korrespondenz bezüglich des Ausbruchs einer Typhus-Epidemie im
Lager NARWIK. Es handelt sich hierbei um den aus dem Jahre 1945 stammenden
Briefwechsel zwischen dem sowjetischen Lagerkommandanten und der
Gesundheitskommission der Danziger Stadtverwaltung, in welchem dieser sich
mit der Bitte um Hilfe bei der Bekämpfung der Epidemie an die Stadt Danzig
wandte, da dies die Möglichkeiten der in Danzig stationierenden
sowjetischen Truppen weitaus überstieg.
Nachdem sich der Danziger Stadtvorstand mit dem Ausmaß der Epidemie
vertraut gemacht hatte, gelangte man zu dem Schluss, dass die Stadt nicht
imstande sei zu helfen, da dies ebenfalls ihre Möglichkeiten überstieg. So
wandte man sich mit der dringenden Bitte um Hilfe an das
Gesundheitsministerium in Warschau, das wiederum umgehend an die zwanzig
Ärzte und Schwestern sowie die nötigen Medikamente ins Lager NARWIK
schickte.
An dieser Stelle muss betont werden, dass im Falle der im April 1945 im
Danziger Gefängnis an der Schießstange / ul. Kurkowa ausgebrochenen
Typhus-Epidemie keine derartige Hilfe geleistet wurde. Offensichtlich war
die im Lager NARWIK ausgebrochene Epidemie von weitaus schrecklicherem
Ausmaß als die im Danziger Gefängnis, welcher allein im Jahre 1945 fast
tausend Häftlinge zum Opfer gefallen waren. Wie viele mussten also im Lager
NARWIK gestorben sein und wo wurden sie begraben? Die Erinnerung an diese
Lager ist nur noch bei all denen lebendig, die sie durchlaufen und überlebt
haben. Im Bund der Deutschen Minderheit in Danzig gibt es einige Personen,
die mit diesem Lager in Berührung gekommen waren. Unser Mitglied Maria
Cie¿kowska war im Lager NARWIK und hatte an, auf dessen Territorium
vorgenommenen Leichenbestattungen teilnehmen müssen. Leider ist sie heute
nicht mehr imstande, jene Stellen zu zeigen; die alten Baracken sind
verschwunden, an ihrer Stelle entstanden neue, große Objekte - alles wurde
von Grund auf verändert. Es gibt Informationen darüber, dass die Toten auch
an einer etwas weiter vom Lager entfernten Stelle, und zwar in Richtung
Neufahrwasser, in der Gegend der dort befindlichen Müllhalde, begraben
worden waren. Was birgt wohl die Erde im Umkreis dieses ehemaligen Lagers,
auf dem Terrain der heutigen Kleingartenanlage "Narwik"? Vielleicht gibt es
jemanden, der in der Lage wäre, genau die Stelle oder auch Stellen zu
bestimmen, wo hunderte und vielleicht tausende von in diesem Lager
umgekommenen Häftlingen ihre letzte Ruhestätte fanden? Vielleicht gelingt
es, dies zu erstellen und in ähnlicher Weise wie im Falle der
Begräbnisstätte der in den Jahren 1945-46 im Danziger Gefängnis
verstorbenen Häftlinge unvergesslich zu machen.
Helmut Bluhm, Arbeiter auf einer der Danziger Werften und Vater von Egon
Bluhm (unserem Mitglied) fand sich bereits Anfang April 1945 im Lager
NARWIK I wieder. Ende April erkrankte Helmut Bluhm - wie so viele andere
Gefangene dieses Lagers - an Typhus, woraufhin man ihn in einem, im
Gebäude im Falkweg/ul.Topolowa 7 provisorisch eingerichteten
Feldkrankenhaus unterbrachte (heute befindet sich in diesem Gebäude das
bekannte Danziger Lyzeum Nr. III). Die Gefangenschaft von Deutschen im
sowjetischen Lager NARWIK hatte im Gegensatz zu deren Gefangenschaft im
polnischen Gefängnis an der Schießstange den Vorteil, dass die Sowjets
käuflich waren; man konnte ihnen vereinzelte Gefangene "abkaufen". Egon
Bluhm und dessen Mutter begaben sich, unmittelbar nachdem der Ehemann und
Vater dort eingeliefert worden war, zum, das Krankenhaus am Falkweg
leitenden sowjetischen Arzt, zahlten das "Lösegeld" und sollten sich
daraufhin am darauffolgenden Tag in der Frühe dort melden, um Helmut Bluhm
abzuholen. Am nächsten Morgen konnten sie leider nur noch in Erfahrung
bringen, dass das Krankenhaus in der Nacht aufgelöst worden und von diesem
keine Spur mehr zu sehen war. Auch Helmut Bluhm verschwand spurlos, und die
Familie hat ihn nie wieder zu Gesicht bekommen und auch niemals erfahren,
welches Schicksal ihm widerfahren ist. Es ist ungewiss, ob die Kranken in
der Nacht möglicherweise ermordet und ganz in der Nähe begraben worden
waren (Egon Bluhm und seine Mutter entdeckten an diesem Tag im
nahegelegenen Wald frisch ausgehobene Gräben) oder ob man sie in die UdSSR
abtransportiert hatte, damit sie dort all das wieder montierten, was sie
zuvor hatten demontieren müssen. Am wahrscheinlichsten ist wohl die erste
Version, da diese Kranken ohnehin nicht arbeitsfähig gewesen waren und wohl
kaum eine derart weite Reise überstanden hätten, und wenn doch, dann wäre
sicher irgendeine Spur, ein Brief oder eine Information über sie zu ihren
Familien gelangt.Auf der Liste der im Danziger Gefängnis an der Schießstange/ul. Kurkowa
verstorbenen Häftlinge figurieren auch einige Gefangene, die nach Aussagen
ihrer Familien nicht Insassen dieser Haftanstalt gewesen waren, so z.B.
der Pastor Superintendent aus der Heilig-Geist-Krankenhaus-Kirche in der
Tobiasgasse - Dr. Martin Slotty, welcher Häftling im Lager NARWIK war, sich
aber unter der Nummer 35 auf der Liste der im Zeitraum vom 9. bis zum
18.8.1945 im Danziger Gefängnis Verstorbenen befindet. Es ist heute wohl
schier unmöglich, den Hergang dieser Ereignisse genau zu rekonstruieren.
Nach Aussagen von Personen, die NARWIK überlebten, hätte sich das u.a.
folgendermaßen zutragen können: einem Narwik-Häftling gelang es, während
der Arbeit zu entkommen, und da er auf dem Terrain einer der demontierten
Werften arbeitete, war es für ihn nicht schwer, sich dort in einem der
vielen Schlupfwinkel zu verbergen. Der Flüchtige konnte dann, mit
Sicherheit in der Nacht und auf dem Weg nach Hause, von der polnischen
Miliz angehalten worden sein, und so geriet er - als Deutscher ohne Papiere
- wieder in Haft; doch diesmal kam er ins polnische Gefängnis an der
Schießstange, wo er an Typhus starb und somit auf die Liste der in diesem
Gefängnis verstorbenen Häftlinge kam.Auf der Totenliste des Danziger Gefängnisses figurieren auch Personen, die
laut anderer Dokumente erwiesenermaßen vom Sicherheitsdienst (UBP) in
Danzig ermordet worden waren, weshalb die Vermutung nahe liegt, dass der
Sicherheitsdienst die Leichen der Ermordeten oder deren Personaldaten
zwecks Spurenverwischung ans Danziger Gefängnis übergeben hatte, wo sie
dann auf die Liste der angeblich an Typhus Verstorbenen gesetzt wurden.Die Geschichte des Danziger Arbeitslagers für Deutasche NARWIK sowie auch
die unmittelbare Nachkriegsgeschichte des Danziger Gefängnisses bergen noch
eine Unzahl an Geheimnissen, die wohl niemals enthüllt werden. Auch das von
Waldemar Kowalski, dem heutigen Direktor des Danziger Gefängnisses,
verfasste, die 100-jährige Geschichte jener Haftanstalt (1902 entstanden)
beschreibende und in kürze erscheinende Buch wird wohl dieses Stück
Geschichte kaum vollständig beleuchten können.Es ist höchste Zeit, der Wahrheit über das Lager NARWIK auf den Grund zu
gehen, wie das im Falle der Lager in £ambinowice, Potulice sowie
Kruszwica-£agiewniki der Fall war. Es ist Werner Schack aus Hamburg zu
verdanken, dass die finsteren Karten jenes letztgenannten Lagers aufgedeckt
werden konnten. Ebenjener Werner Schack bemüht sich derzeit auch um eine
angemessene Würdigung der Opfer dieses Lagers, in welchem schätzungsweise
von 2000 bis zu 3000 Deutsche ums Leben kamen. Sie wurden am Ufer des Sees
Gop³o begraben.
Die Geschichte des Arbeits- wie auch des Aussiedlerlagers NARWIK ist
vorläufig noch vom Mantel des Ungewissen verhüllt und wer weiß, ob es
gelingt, sie jemals aufzudecken?
Die dunkelsten Kapitel des Daseins dieses Lagers gehören zweifellos in die
Zeit, als es die Funktion eines Arbeitslagers zu erfüllen hatte, denn in
jener Zeit verschlang ist viele, ungeahnt viele Opfer.
Gerhard Olter[Non-text portions of this message have been removed]
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