Sehr geehrter Herr Rump,
- Ein EHRENMANN macht nicht die Worte eines Menschen ver�chtlich ("die
ersten Zeilen gen�gten mir und weg war er"), der sich dagegen zur Wehr setzt, da�
seine Person zerpfl�ckt wird. Dies ist n�mlich ein Tabubruch, den niemand
dulden mu�.
- Ein EHRENMANN verwechselt nicht T�ter und Opfer. Insofern fordert ein
Ehrenmann nicht das Opfer auf, sich beim T�ter zu entschuldigen, sondern vielmehr
umgekehrt.
- Ein EHRENMANN sagt nicht, da� man die Worte eines anderen mi�achten und
einfach nicht darauf reagieren soll. Dies ist nicht nur eine Beleidigung,
sondern auch ein Boykott-Aufruf. Solche Aufrufe sind Kennzeichen einer
undemokratischen Gesinnung und einer faschistischen oder stalinistischen Diktatur, die
die Menschenw�rde mi�achtet. Sie wissen von den Boykott-Aufrufen gegen die
Juden im NS-Staat. Meinen Sie, es ist an der Zeit, solches wiederzubeleben? Die
Juden und die slawischen Untermenschen hatten es doch verdient,
stigmatisiert, boykottiert und ausgegrenzt zu werden, denn sie waren doch nicht gesund,
Herr Rump, oder? Dies meinte Herr Perbandt auch von meinen Worten ("nicht
gesund"). Herr Naujocks, der bekennende Freund des Erpressers, fragte mich - als
Heckensch�tze, da er das Licht der Listen�ffentlichkeit scheut - in einer Mail
direkt an meine Mail-Adresse: "Leiden Sie an Krankheiten?" Zudem teilte mir
der 18-j�hrige mit, ich sei "zutiefst zu bedauern" und meine Sprache sei ein
"Proleten-Gassenjargon". Freut Sie dies, Herr Rump?
- Ein EHRENMANN verfolgt nicht einen bedr�ngten und ausgegrenzten Menschen,
sondern steht ihm mit menschlicher und kollegialer Solidarit�t bei. Ein
Ehrenmann st�tzt die Opfer, nicht aber die T�ter, denen er entgegentritt.
- Ein EHRENMANN l��t sich nicht erpressen - nach dem Motto "ich trete aus
Deiner Liste aus, wenn Du meiner Erpressung nicht folgst". Wer sich einmal
erpressen l��t, bleibt bekanntlich auch in Zukunft erpressbar.
- Ein EHRENMANN ignoriert einen Hintermann, der ihn dirigieren will, und
verachtet ihn wegen seiner Zumutungen.
- Ein EHRENMANN verh�ngt keine Zensur �ber andere und schneidet ihnen damit
nicht das Wort ab. Daran �ndert es auch nichts, da� er die Zensur
euphemistisch als "Moderation" oder - wie der Erpresser - als "Funkdisziplin"
umschrieben wird. "Disziplin" war eines der gr��ten Postulate im NS-Staat. �ber den KZs
stand sogar die Inschrift "Arbeit macht frei". Eine Zensur verst��t gegen
die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland und gegen die Verfassung anderer
zivilisierter freiheitlich-demokratischer Nationen. Sie ist also verboten, so
da� Sie und Ihr Erpresser verfassungsfeindliche Ziele verfolgen. Diese
untergraben die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik
Deutschland und wohl auch die der USA. Es gibt keine rechtsfreien R�ume, wie Sie
vielleicht meinen. Zur Zensur greifen nur Diktatoren. Nur Leute, die mit der
Freiheit nichts am Hut haben, sie nicht vertragen oder etwas zu verbergen haben,
greifen feige zur Zensur.
- Ein EHRENMANN behauptet nicht wider besseres Wissen, er habe in den vielen
Jahren noch nie jemand den Mund verboten. Zumindest hat er es zugelassen,
da� sein Hintermann dies getan hat.
- Ein EHRENMANN glaubt nicht im Ernst, da� ein rechtsstaatlich gesonnener
Mensch unter einer Zensur Texte (Mails) verfa�t. Glauben Sie, da� Juden
freiwillig ins KZ gingen und von dort Gru�postkarten verschickten?
- Ein EHRENMANN und Demokrat, der eine Mailingliste f�r ost- und
westpreu�ische Familienforscher verantwortet, verbietet nicht die Befassung mit
Kreisgemeinschaften der Landsmannschaft Ostpreu�en und mit ostpreu�ischen
genealogischen Vereinen. Diese Themen geh�ren n�mlich zu dem gro�en Thema "Ost- und
Westpreu�en". Auch Kreisgemeinschaften, die alle Landsleute vertreten wollen,
und genealogische Vereine agieren im Lichte der �ffentlichkeit und m�ssen sich
der Kritik und der Geschichtsschreibung stellen. Es geht dabei nicht um PR,
spondern um ungeschminkte Fakten. Dem Familienforscher kann es wie dem
Historiker immer nur um die Wahrheit gehen. Ein bekannter Listenadministrator
vertrat einmal die Aufassung: "Hier geh�rt hin, was die Leser und Schreiber
diskutieren m�gen", wenn es "etwas mit Ost- und Westpreu�en zu tun hat". Genealogie
sei auch die Geschichte der einzelnen Menschen und alles sei menschliche
Geschichte. Alles f�hre zu einem besseren Verst�ndnis, denn nicht jeder, der hier
lese, sei dabei gewesen. Was halten Sie von solchen richtungweisenden,
wahren und weisen Worten, Herr Rump? Der Listenowner f�gte hinzu: "Alles, was hier
besprochen wird, bleibt der Zukunft im Ged�chtnis. Das Internet vergi�t
nichts und in dieser Weise werden hier t�glich B�cher aus pers�nlicher Ansicht
und Erfahrung geschrieben." Ich verstehe: Da das Internet nichts vergi�t, mu�
man schon vorbeugend die Verbreitung unbequemer Wahrheiten verhindern. Sie mu�
abgew�rgt werden und das B�cherschreiben ist pl�tzlich obsolet. Dies f�llt
auch gar nicht auf, da ja kaum jemand auf Wahrheit und Rechtsstaatlichkeit
achtet und auf ihnen beharrt. Herr Rump, ich k�nnte mittlerweile ein wirkliches
Buch hier�ber schreiben und vielleicht tue ich es ja auch. Sicherlich f�nde
es Resonanz, wenn jemand die Untiefen eines in der breiteren �ffentlichkeit
weniger bekannten gesellschaftlichen Bereichs ausleuchtet und vielleicht h�tte
es gar einen gr��eren Stellenwert als ein Ortssippenbuch f�r ein
ostpreu�isches Kirchspiel. Beides schlie�t sich ja auch nicht aus. Herr Rump, eine
weltweit agierende Mailingliste ist keine Geheimveranstaltung einer
Geheimorgansiation. Sie selbst beriefen sich darauf, da� Ihre Liste eine "�ffentliche Liste"
sei. Umso verantwortungsbewu�ter m�ssen Sie damit umgehen. In einer
freiheitlichen Gesellschaft gibt es nichts, was sich der Kritik entzieht.
- Ein EHRENMANN wendet sich gegen Mailtexte rechtsradikalen Inhalts und
rechtsradikaler Tendenz, die das Dritte Reich und seine Verbrechen verherrlichen
oder entschuldigen. K�nnen Sie mir erkl�ren, was Sie mit dem "wir" in Ihren
Mails meinen?
- Ein EHRENMANN h�lt sein Wort, das er gegen�ber den Listenteilnehmern
gegeben hat, und zwar: nicht einzugreifen, weil sich in einer freiheitlichen
Demokratie und in einer freien Diskussion alles von selbst reguliert ("eine gute
Beschreibung, wie sich die Liste selbst vertragen sollte").
Wenn Sie dem Ansehen Ihrer Person und Ihrer Liste sowie Ihrer
Glaubw�rdigkeit nicht irreversiblen Schaden zuf�gen wollen, dann heben Sie die Zensur
umgehend auf, Herr Rump! Sie treten die Rechte auf Informations- und
Meinungsfreiheit, die Menschenrechte und die geschichtliche Wahrheit mit F��en. "Wenn es
brennt", Herr Rump, "ruft normal jemand Feuer". Wenn wir erst erfahren, da�
die Mailingliste kaputt ist, "sitzen wir alle in der Patsche. Was wir h�ren,
sind keine Kleinigkeiten." Wie wahr, Herrn Rump. �brigens, es brennt auch dann,
wenn manche oder viele das Feuer gar nicht sehen, weil sie blind sind.
Jonathan Swift sagte: "Niemand ist so blind wie die, die nicht sehen wollen." Von
Mark Twain kennen wir den Ausspruch: "Whenever you find yourself on the side
of the majority, it's time to pause and reflect." Ich fand diese wahren
Ausspruch seltsamerweise am Fu�e Ihrer Mails. Sie sollten ihn �ndern, nachdem Sie
als Zensor in Aktion getreten sind - im Interesse des Erpressers und des
lautstarken "wir", die "die Sache in voller Klarheit sehen", wie Sie betonen.
Unser Goethe gibt Aufkl�rung: "Die Menge schwankt im ungewissen Geist ("ohne
Momente der Zustimmung oder Ablehnung"), dann str�mt sie nach, wohin der Strom
sie rei�t." Dies unterstreicht nur die Bedeutung der Vorbilder von
verantwortlichen Personen, ob nun in der Politik, in einem Verein oder in einer
Mailingliste. Goethe appelliert in diesem Sinne nachdr�cklich an den Einzelnen:
"Urspr�nglich eignen Sinn la� Dir nicht rauben! Woran die Menge glaubt, ist
leicht zu glauben." Eine gro�e Aufmunterung und Hoffnung, aber wenig Trost gibt
Bert Brecht: "Vieles ist schon gewonnen, wenn nur einer aufsteht und Nein
sagt." Wie gesagt, es ist damit schon viel gewonnen, aber es reicht nicht, Herr
Rump, wie hier in Deutschland die Beispiele des NS-Staates und der
Honecker-Diktatur sowie aktuell die verst�rkten Aktivit�ten der Rechtsradikalen und
Neonazis zeigen.
Mit freundlichen Gr��en
Manfred B�ttcher
PS. Sicherlich wird meine Reaktion auf die Verh�ngung eines Maulkorbs �ber
mich unter dem Fallbeil der Zensur erschlagen. Fairness ist Zensoren ein
Fremdwort. Aber auch Sie, Herr Rump, werden einmal Bilanz ziehen m�ssen. K�nnen
Sie dies mit gutem Gewissen?
Fred Rump schrieb: