Pastoren an der Grenze zu Polen

Hallo, liebe Listen-Teilnehmer,
ich forsche im Moment in dem Film 0752782 der Mormonen (Rawitsch 1700 - 1801).
Mir fällt dabei auf, dass man in dieser Zeit das S wohl wie ein Sch
aussprach; deshalb Sierakowe (heute Stadtteil von Rawitsch) oder Schirakowe,
desgl. der Name Kasunke oder Kaschunke u.a.
Ich habe wohl bereits ca. 50 Filme aus Schlesien inspiziert (alle meine
Vorfahren kommen von dort), aber der o. g. Film enthält etwas Besonderes: Am
Ende stehen Aufzeichnungen eines Pastors, und zwar über die gesamte
Geschichte dieser ev. Kirche in Rawitsch. Den Anfang habe ich mitgeschrieben,
nachher wurde es mir zu
viel und auch zu schwierig. Hier der Anfang:
Auszug aus den alten und neuen vom Zustande der ev. luth. Kirchen im
Königreich Polen berichtenden Nachrichten, mitgeteilt von C.S. Thomas 1750,
General Senior der evang. Kirchen von Groß-Polen und Pastor in Lissa.
Rawicz an der schlesischen Grenze gegen Trachenberg und Herrnstadt hat schöne
Privilegien, von Wadislaw IV erteilt und von vielen Magnaten 1638, den 24.
März unterschrieben". Es folgt, dass die K. 1639 erbaut, später zerstört und
1725 wieder aufgebaut wurde. Es werden alle Pastoren, die dort wirkten,
beschrieben.
Ich halte es für wichtig zu erwähnen, dass sämtliche dieser Geistlichen aus
dem Schlesischen gekommen waren. Man kann demnach diese Grenzstädte wirklich
nicht außen vor lassen, meine Vorfahren vermischten sich nach beiden Seiten.
Nächsten Mittwoch werde ich den Film noch einmal einsehen. Wer Vorfahren
vermutet, kann mir die Namen mitteilen. Es gibt einen deutlich geschriebenen
Namensindex in dem Film.
Ein schönes Wochenende wünscht
Anita Rogge geb. Baum.
Übrigens suche ich in Brieg (Baum und Zimmermann), in Schweidnitz (Blaschke
und Streubig) und in Reichenbach (Werner und Schmidt).

Hallo Anita,

vielleicht m�chtest Du diese "BLASCHKE" auch mit in Deine Sammlung
einreihen?

Aus: Kath.KB Giersdorf Krs.Hirschberg
Geburten:
Seite; Taufe; Vater; Mutter; Kind; Geb.Tag;
44;10.10.1830;Heller Ferdinand; Blaschke Rosalia; Anna Rosalia; 29.10.1830
64;02.04.1835;Heller Ferdinand; Blaschke
Rosalia;AdamGottfriedFerdinand;06.03.1835
33;05.07.1828;Heller Ferdinand; Blaschke Rosalie;Carl Joseph
Ferdinand;23.06.1828
39;26.07.1829;Heller Ferdinand; Blaschke Rosalie;Maria Johanna
Rosalia;14.07.1829
39; Zwilling: Karl Joseph Heinrich;14.07.1829

Hallo,
ich h�tte auch noch eine BLASCHKE zu bieten:

BLASCHKE, Irmesin, Bergseite/Leutmannsdorf Kr. Schweidnitz, rk, Witwe
Ehemann: HERRMANN, Karl +, Arbeiter
zeigt die Geburt ihres Enkels HERRMANN (KLOMSDORF), Heinrich Robert,
rk, unehelich, *25.08.1888 an.

Gru� Monika (Nicolaus)
monika@w-nicolaus.de

Hallo,

Ich halte es f�r wichtig zu erw�hnen, dass s�mtliche dieser
Geistlichen aus
dem Schlesischen gekommen waren. Man kann demnach diese Grenzst�dte
wirklich nicht au�en vor lassen, meine Vorfahren vermischten sich nach
beiden Seiten. N�chsten Mittwoch werde ich den Film noch einmal

da� betraf nicht nur die Geistlichen, sondern vor allem das einfache
Volk. Famili�re Verbindungen �ber die schlesisch-posensche gr�ne
Grenze (speziell in diesem Gebiet) hinweg wird es schon immer gegeben
haben. Die gr��te Bev�lkerungsbewegung gab es aber im 30-j�hrigen
Krieg. 1628 verlie�en 80% der Einwohner von Guhrau die Stadt, um den
kaiserlichen Truppen zu entgehen, die die Katholisierung der Stadt
durchsetzen wollten. Allein 3000 Einwohner gingen nach Lissa, vor
allem die Tuchmacher, die den wirtschaftlichen Erfolg mitnahmen,
Guhrau bis heute in die historische Unwichtigkeit entlie�en und in
Lissa (und sp�ter in Lodz) diesen Wirtschaftszweig zum Erbl�hen
brachten. Weitere etwa 1000 Einwohnen fanden Unterschlupf in den
polnischen grenznahen St�dten wie Fraustadt, Bojanowo, Reisen, Zduny,
Jutroschin, Zaborowo, Schlichtingsheim, Meseritz u.a. In den
erhaltenen evangelischen Kirchenb�cher dieser St�dte findet man
Schlesier aus dem Gebiet um Guhrau und Herrnstadt zuhauf. Von
Rawitsch und Bojanowo wei� ich das eigenen Forschungen. Noch in der
Zeit 1821 bis 1831 sind sehr viele Einwohner von der schlesischen
Seite in die Stadt Bojanowo gegangen und lie�en dort kirchliche
Amtshandlungen vornehmen. Die evang. Kirchenb�cher dieses Zeitraumes
habe ich gerade gelesen und fand viele schlesische Ortsnamen wie z.B.
K�nigsbruch, Zechen, Nieder-Sch�ttlau. Die guten Beziehungen gab es
auch noch zu Beginn des 1.Weltkrieges. So wird im Guhrauer Anzeiger
ausf�hrlich �ber die Anfang 1915 abgebrannte evang. Kirche in
Rawitsch und deren Wiederaufbau berichtet.

Es ist zwar sehr viel Arbeit, aber es lohnt sich, die verfilmten
evang. Kirchenb�cher der Grenzst�dte und -gemeinden zu Schlesien zu
durchsuchen. Manchmal sind die Namen auch in einem Index
zusammengefa�t (z.B. Bojanowo). Auch weil die meisten schlesischen
evang. Kirchenb�cher zumindest verschollen, die polnischen aber
beinahe l�ckenlos erhalten und auch verfilmt sind. Die Erhaltung
bezieht sich auch auf die 1919 an Polen abgegebene Gemeinde
Triebusch, deren evang. B�cher ab 1657 verfilmt sind. M�glicherweise
ist das in den anderen 1919 abgetretenen Gemeinden auch so (ehem. Kr.
Gr. Wartenberg).

Viel Erfolg beim Forschen w�nscht
Dirk Steindorf-Sabath

Liebe Freunde,

die Bedeutungslosigkeit oder jedenfalls nicht trennende Bedeutung der Grenze
zu Polen ist auch in der Region Neumittelwalde gegeben, wie ich es auch bei
meinen Vorfahren ganz deutlich sehe, f�r die die Grenze zwischen den Kreisen
Gro� Wartenberg und Adelnau eine Kreisgrenze und nicht mehr war, so da� auch
ich Vorfahren von beiden Seiten der Grenze habe (sowohl Kalkowski, Kottowski
bei Neumittelwalde als auch Schwarzwald, Bonikow, Adelnau in Posen). Hin und
wieder wurde die Grenze auch ausgenutzt, um g�nstige Bedingungen auf der
anderen Seite zu nutzen oder ung�nstigen Bedingungen aus dem Wege zu gehen.
Leider besteht jedoch hier folgende Problematik: W�hrend die
Standesherrschaften Gro� Wartenberg und Militsch zeitweise katholisch waren
und schon deshalb aus dieser Zeit die lutherischen Gemeinden in Polen an
diesem Teil der Grenze viele schlesische Mitglieder hatten, war die zum
F�rstentum Oels geh�rende Herrschaft Neumittelwalde durchgehend evangelisch.
Die Polen jenseits der Grenze scheinen hier im Gegenteil nach Neumittelwalde
gekommen zu sein. Dar�ber w�rde ich gerne mehr wissen. Erst 1770/1776 wurde
im Zusammenhang mit der Gr�ndung der evangelischen Gemeinde in Ostrowo das
direkt an der Grenze gelegene Dorf Schwarzwald durch die F�rsten Radziwill
nach Ostrowo eingepfarrt. Daher nehme ich bisher an, dass die Bewohner
dieses (d�nn besiedelten Sumpf- und Wald-) Gebietes, die wohl auch
urspr�nglich aus Schlesien stammten (?), jedenfalls vor 1775 in den (nicht
verfilmten, wahrscheinlich vernichteten) Kirchenb�chern von Neumittelwalde
zu finden sein m��ten. Au�erdem habe ich das Problem, dass ein Teil dieser
Vorfahren wohl erst um 1815 nach Schwarzwald gekommen ist, vielleicht auch
aus Neumittelwalde ? Ich w�rde mich �ber Kommentare, Hinweise, Meinungen
dazu freuen.

Vielen Dank und viele Gr��e von Peter Ebenfeld