[OWP] (Stolp-Liste) TRAEDER, TREDER Namenserklärung

"Karin Bongards" <kbongards@gmx.de> schrieb:
Hallo Heinz,

Du hast die Tage in der Stolp-Liste einer Mitforscherin so tolle Auskünfte zur Bedeutung eines Familiennamens gegeben - ich erlaube mir, Dich mit einer Frage nach der Bedeutung des Namens TREDER (evtl. zuerst auch TRAEDER geschrieben) anzuschreiben.

(ich habe jede Menge Treder's in Stadt und Kreis Köslin)

Hallo Karin,

TRAEDER oder TREDER/TRETER ist ein sogenannter Berufsname (vielleicht auch Wohnstättenname).
Die Verbreitung des Namens kann man bei

http://christoph.stoepel.net/geogen/v3/

sehen. Die niederdeutsche Schreibweise mit d oder dd ist fast nur im Norden (Niederdeutschland) und die oberdeutsche Schreibweise mit t oder tt fast nur im Süden (Oberdeutschland) verbreitet.

Er leitet sich also von einem Beruf des ersten Namensträgers ab. Dr. K. Linnartz schreibt dazu im Buch "Unsere Familiennamen" Zehntausend Berufsnamen im Abc erklärt:

REDER = TRETER

TRETER, TRETTER, TRETTNER =
1. Keltertreter, Trotter, zu Trete Weinpresse,
2. Bälgetreter bei der Orgel,
3. Tänzer, mittelhochdeutsch treten tanzen.

Im DUDEN "Familiennamen" heißt es:

TREDE:
1. Wohnstättenname zu mittelniederdeutsch trede >Tritt, Stufe, Ausgang des Hauses, Weg<.
2. Übername zu mittelniederdeutsch trede >Tritt, Schritt, Tanzschritt< für einen Menschen
   mit einer auffälligen Gangart oder für einen leidenschaftlichen Tänzer.

TREDER:
1. Wohnstättenname, Ableitung auf -er von >Trede (1.).
2. Übername zu mittelniederdeutsch treden >treten, gehen, schreiten<, den reien treden > den
   Reigen tanzen<, vgl. >Trede (2.).
3. Berufsname zu mittelniederdeutsch treder >Bälgetreter (bei der Orgel)<. Heyne TREDER ist
   a. 1436 in Duderstadt/Niedersachsen bezeugt.

Bahlow "Deutsches Namenlexikon" gibt folgende Erklärung:

TRÄDE(R) s. TREDE(R)!

TREDE (Hamburg oft): niederdeutsch = >Tritt, Stufe, Pfad<,
TREDER (niederdeutsch oft) = oberdeutsch TRETER (auch Tänzer, zu mittelhochdeutsch treten
       >tanzen<: >nach der gigen treten<). Vgl. BLUMEN-, ROSENTREDER; KLÜTENTREDER und
       SCHOLLENTRETER (Spottname für Ackerleute). Vereinzelt wohl auch >Bälgetreter<,
       Kalkant. TREDUP (niderdeutsch) = >tritt auf!< TREDENAP (Strals.) >tritt in den Napf<.

Hans Bahlow "Niederdeutsches Namenbuch":

TREDER (Hamburg oft, Hannover, Hildesheim): wie mittelhochdeutsch treter "Tänzer, Gaukler", aber auch "Bälgetreter"; Heyne TREDER 1436 Duderstadt. Henneke TOTREDER "Zertreter" 14. Jh. Rostock, 1443 Danzig Eler BRUGGENTREDER 1377 Danzig, 1268 Rostock, 1318 Lübeck (Pflasterer), Rosentrder (Gärtner).

Gottschald "Deutsche Namenkunde" hat noch eine andere Erklärung:

TRADER TRÄDER: Ortsname Tradfo, Kamenz.

Aber auch:

TRED-: siehe treten

(treten): TRETT, niederdeutsch Trede "Tritt, Stufe, Weg" (vgl. Tratt). Dazu TREDER (oder = "Bälgetreter"), Rosen-tret(t)er, -tritt, LEISENTRITT, BLUM(EN)TRITT, trat (oder zu mittelhochdeutsch treten >tanzen<?). Satzname TREDUP(P) "tritt auf", verhochdeutscht TRETOPF; TRETROP ("darauf").

TRETT(N)ER: s. TRAT

TRATT: bair. "Viehtrieb, Brache" (zu "treten"), tirol. Hofname TRATER, TRATT-ER, -NER,
-LER, -MANN; HOLZTRAT(T)NER; TRÄTNER, TRETT(NER), DRETER, AN-TRETT, (ON. Rosenheim),
-TRITTER (ON. Miesbach). DRAHT-(MANN), GEDRAHT (DRATNER> TROTTEN-ER, -OW KS).

Auch Josef Karlmann Brechenmacher "Deutsche Sippennamen" hat eine andere Erklärung:

TRÄDER,
1. siehe TRADEMANN,
2. zu mittelniederdeutsch trade = Weg, der durch vieles Gehen gemacht ist.

TRADEMANN, Berufsname < mittelniederdeutsch trademan = der Trade herstellt, d. h. Lehm mit Stroh vermengt, als Baustoff.

TRED(T), TREDE(R), siehe TRÄDER, zu mittelniederdeutsch trede = Weg. Mittelniederdeutsch treder auch = Bälgetreter.

TRET(T)ER, Berufsname < mittelhochdeutsch treter =
1. Tänzer, Gaukler,
2. = Bälgetreter,
3. siehe TREDT.

Selbst im Buch von Ernst Mucke "Abhandlungen und Beiträge zur sorbischen Namenkunde" gibt es eine Erklärung:

TRADAR, ra (dial. F. st. Tsadar; Beiname >Entbehrer<, von tradas, entbehren)

TRADER, TRADDER, TRÄDER.

Erklärung aus DUDEN "Das Herkunftswörterbuch":

treten: Das westgermanische Verb (jüngere Neubildung) mittelhochdeutsch treten, althochdeutsch tretan, niederländisch treden, englisch to tread steht neben gleichbedeutend gotisch trudan und altisländisch troda. Die Herkunft dieser Wortgruppe ist unbekannt.

Da der Name im Bereich Köslin häufig war, ist eine Ableitung vom Ortsnamen Treten, Kreis Rummelsburg, auch möglich. Siehe dazu

Friedrich Lorentz "Slawische Namen Hinterpommerns" (POMORZE ZACHODNIE) Seite 126:

TRETTEN, Kr. Rummelsburg, urk. Tretten 1628.

Welche Erklärung trifft zu?

Es ist sehr schwer bestimmte Namen zu erklären. Zuerst muß das erste Auftreten des Namens gesucht werden, natürlich möglichst mit einer Urkunde belegt. Hat man nun eine Quelle, kommt eine Erklärung aus dem nahen Umfeld in Betracht. Hier sind es die frühen heidnischen Personennamen. Dann kamen die christlichen Personennamen dazu. Zur Unterscheidung gab es schon früh Beinamen, die dann beim Festwerden der Familiennamen, als solche auftraten. Hierher gehören die Familiennamen der: Herkunft, Wohnstätte, Adelsnamen, Häusernamen usw.
Berücksichtigt werden muß auch die Änderung der Namen durch Latinisierung und später durch Französierung, Polonisierung und noch andere Namenänderungen der Neuzeit.

Die meisten Namenbücher geben eine allgemeine Einführung in die Namenkunde.

Welches Buch ist das richtige?

Hier gibt es sicher keine ausreichende Antwort, da ja Bücher zu den verschiedensten Bereichen erschienen sind. Wer hat nur Vorfahren mit Berufs-, oder von Vor-, Heiligen-, Orts-, Tier-, Pflanzen-, Flußnamen oder vom Aussehen der Person abgeleitete Familiennamen.
Ich habe bereits über 100 Namenbücher, wöchentlich kommt mindestens ein neues (altes) Buch dazu und trotzdem gibt es immer wieder Namen die ich in meinen Büchern nicht finde. Es gibt wohl auch nicht für alle weit über 1 Million deutschen Familiennamen eine Erklärung.
Zusätzlich nutze ich Wörterbücher der verschiedensten Sprachen und natürlich den DUDEN "Das Herkunftswörterbuch", sowie Kluge "Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache".

Im Internet gibt es bereits sehr umfangreiche Daten, nicht zu vergessen, diese Listen, die durch die Mitglieder eine unerschöpfliche Quelle an Wissen und Hilfe bereitstellen.

Ziemlich ausführliche Erklärungen zur Namenkunde findet man im

dtv-Atlas
Namenkunde
Deutsche Vor- und
Familiennamen
von
Konrad Kunze

mit sechs Seiten Literaturverzeichnis.

Siehe auch oben die Bücher zu meinen Erklärungen.

Viele Grüße

Heinz (Muhsal)