[OWP] Re: Herrn Szemkus Lieblingsgeschichtsklitterungen

Herr Albers - falls Sie noch da sind - das war wohl ein Beispiel f�r
Tunnelblick.
Das was Sie als Geschichtsklitterei bezeichnen - Pilsudski's
Pr�ventivkriegspl�ne - die ja nur im Gedanken "pr�ventiv" sind, werden sie
ausgef�hrt, ist es ein Agressionskrieg, sind jedem Polen bekannt und er wird das
auch zugeben - nur halt aus anderer Perspektive, n�mlich der von heute, und die
halte ich f�r bedenklich, man mu� die Vorgeschichte des 2. Weltkriegs aus der
damaligen Sicht betrachten. Das tut Schultze-Rhonhof in seinem Buch. Die billige
linke Masche ist ja die Kritik der Vergangenheit mit dem Wissen und dem
moralisierenden Gehabe der Gegenwart.

Damit Sie �berzeugt sind, hier die Antwort eines Polen, mit dem gerade die
gleiche Diskussion gef�hrt wird:

"You are completely correct about Pilsudski's idea of prevention war against
Germany, but still - Soviet was in the 1930s a larger threat than Germany. As
you cited: Germany was still not militarised . When France denied to take part
in this campaign against Germany, Pilsudski decided to sign a pact of
non-agression with Hitler. He made the same, later, with Soviet, too. But he
said: "We (Poles) are sitting on two chairs, and we will soon fall down from
both of them. So the only thing we can do is to try to guess from which one we
will fall down FIRST."
Clever guy. Pity that he died in 1936. Some historians are sure that WW II would
never have happened if he was still alive 1939."

MfG
Lutz Szemkus

Irgendetwas beabsichtigt Herr Szemkus sicherlich.

1. Moeglichkeit: Da der Buchtitlel heisst: "Der Krieg der viele Vaeter
hatte", soll Pilsudski mit seinen Kriegsplaenen wohl einer der Vaeter sein.
Deutschland und Hitler waeren dann fuer den Krieg nicht allein
verantwortlich. Eine derartige These laesst sich hinsichtlich des 1.
Weltkrieges sicherlich vertreten. Bezueglich des 2. Weltkrieges waere das
etwas Neues. Deutschlands Angriff auf Polen waere dann entweder so etwas
wie ein Praeventivkrieg gewesen, oder gerechtfertig unter dem Prinzip, was
dem einen billig ist, soll dem anderen recht sein. Die Polen haben sich ihr
Problem also selber eingebrockt, haben es verdient.
2. Moeglichkeit: Waere schoen gewesen, wenn Polen tatsaechlich die
Deutschen schon 1933 erfolgreich angegriffen haette, dann ware dem
Naziwahnsinn frueh ein Ende gesetzt worden. Dass hiesse also, dass
Deutschland 1933 einen Krieg verdient haette.

Wenn jetzt Albers kommt und sich von links ueber die 1. Moeglichkeit
beklagt, dann kann ihm Herr Szemkus mit Moeglichkeit 2 kommen, und ihn links
ueberholen.

Wo Szemkus selber steht, bleibt dabei verborgen, und sein
Schluepfrigkeitsspielraum bleibt ihm bewahrt.

Die ganze Sache hat etwas Unserioeses an sich.

Szemkus schreibt: "Die billige
linke Masche ist ja die Kritik der Vergangenheit mit dem Wissen und dem
moralisierenden Gehabe der Gegenwart."

Was an dieser Aussage falsch ist ist folgendes:

Es wird stillschweigend angenommen, dass in der Vergangenheit weder das
Wissen noch die Moral vorhanden waren, aus denen Alternativen zur
tatsaechlichen Vergangenheit haetten entwickelt werden koennen. Was
geschah, haette dann also nie anders sein koennen, da weder Wissen noch
Moral damals zur Hand lagen. Tatsache ist, bezueglich des 1000-jaehrigen
Reiches, dass es Gegner gab, die sowohl das Wissen als auch die Moral parat
hatten um aufzuzeigen, dass der Weg, den die Mehrheit verfolgen wollte,
falsch war. Es lag also an dem Willen der Mehrheit, die diese Warnungen und
Minderheiten unterdrueckte, verdraengte, drangsalierte, daemonisierte, dass
Entscheidungen getroffen wurden, die sich dann tatsaechlich, wie
vorausgesagt, als falsch erwiesen.

Laut Szemkus waren die Deutschen also sowohl zu dumm (kein Wissen) als auch
zu unerfahren, unschuldig, naiv, oder anderweitig moralisch unfaehig, das
Aufkommen der Nazis zui kritisieren. Die Nazis als unwiderstehliches
Naturphaenomen.

Herr Szemkus will uns hier ein verkorkstes Welt-und Geschichtsbild
verkaufen. Um solchen Unsinn nicht auch weiterhin durch Anhoeren und
Antwort aufzuwerten, ist es durchaus verstaendlich, dass sich Albers
abmeldet. Wie Szemkus schon mal schrieb, kann er sich darin sicher wiegen,
dass der Listenmoderator ein Amerikaner ist, der vielleicht meint, dass sich
Unsinn und Sinn spontan und von alleine aussortieren, und das es sich bei
diesen Diskussionen mehr ums Luftablassen dreht, als um wichtige politische
Vorgaenge.

Knut W. Barde

Aufh�ren!
Es ist endlich genug!

Kurt Willutzki