Hallo Susanne,
hier ist eine ausf�hrliche Beschreibung �ber "Schwager":
Eine Ableitung des alten Stammes svihr (svigr) mit abgeworfenem r ist
auch d e r und d i e G e s c h w e ih, weniger gut weiblich
Geschweihin, auch wohl mit Verlust des h Geschwei, Geschweiin, schon
althochdeutsch gesu�o, mittelhochdeutsch geswige und gesw�e. Es
bedeuten diese W�rter eigentlich die Kinder der Schwiegereltern, also
Schwager und Schw�gerin, dann aber auch die Schwiegereltern selbst.
Eine andre gleichbedeutende �ltere Ableitung desselben Stammes, von der
urspr�nglicheren Form svagar, ist Schwager, althochdeutsch su�ger,
weiblich Schw�gerin, althochdeutsch suegerinne; wie leicht erkl�rlich,
bezeichnen sie aber nicht nur die Geschwister des Gatten, sondern auch
die Gatten der Geschwister und die Gatten der Geschwister des anderen
Gatten, ja alle auf gleicher Generationsstufe stehende angeheirathete
Verwandte �berhaupt. Das niederdeutsche sw�ger steht sogar f�r
Schwiegervater und Schwiegersohn, wie hochdeutsch Schw�her f�r Schwager
vorkommt. Kosende Diminutiva sind Schw�gerchen und Schw�gerlein, doch
harmoniren auch Schw�ger keineswegs immer mit einander. Zwar hei�t ein
Spruch: "Viel Schw�ger, viel Spie�e!", aber andre stellen die
zusammengeheirathete Verwandtschaft zur�ck, wie
"Ein Schwager und ein Pferd,
Wenn sie bestehn, ist�s lobenswerth!"
"Der Schw�ger Rath that nimmer gut!"
"Schw�ger sind nimmer bess�re Freund, als weit von und selten bei
einander!"
Die Schw�gerschaft, seltener Schwagerschaft, wird abstract und
collectiv gebraucht, es findet sich sogar Schw�gerinschaft f�r das
Schw�gerin=sein. Die Schw�gerschaft wird wie die Br�derschaft getrunken
und bringt h�ufig, wie diese, das Duzen mit sich; daher mag es kommen,
da� die Postillone, mit denen man an den Stationen trinkt, um sie bei
guter Laune zu erhalten und zu rascherm Fahren zu ermuntern,
vertraulich "Schwager" angeredet werden; so hei�t es von einem nach
Popularit�t Haschenden: "Er trank mit allen Lohnkutschern
Schw�gerschaft." Freilich kann Schwager in dieser Bedeutung auch eine
Verst�mmelung von Schwalger (cheval l�ger) sein, wie in s�ddeutschen
Quellen des 16. Jahrhunderts die Postillone oft genannt werden.
Scherzhaft hei�t auch der Geliebte der Frau "Schwager", und Schw�gerei
steht f�r Hahnreischaft. Endlich schwagert man auch sonst Gefreundete
und Bekannte, selbst Fremde, denen man n�her treten will, und der Tod
hei�t; wie "Gevatter" und "Freund", auch "Schwager Hain!" Das Adjectiv
schw�gerlich steht in gem�thlichem Sinne f�r freundlich, herzlich,
zuthulich gleich einem Schwager oder einer Schw�gerin, doch kann man
auch von schw�gerlichem Ha�, schw�gerlicher Feindschaft reden. Das
Zeitwort schw�gern, verschieden von schwagern, kommt selten einfach
vor, am h�ufigsten noch geschw�gert f�r "durch Heirath verbunden"; an
Compositen finden sich beschw�gern, namentlich sich mit einem
beschw�gern "durch Schw�gerschaft verbinden", und das Particip
beschw�gert; ferner einschw�gern f�r "Nepotismus �ben" (Anm. heute
Vetternwirtschaft), und verschw�gern, besonders wieder verschw�gert und
sich verschw�gern, auch von Familien unter einander; �blich ist auch
das Hauptwort Verschw�gerung. �bertragen wird der Name Schw�ger in der
Botanik gebraucht von phanerogamen Pflanzen, in deren Bl�then die
Staubbeutel, walzenf�rmig zusammengewachsen, den Stempel umgeben.
Die verwandten Sprachen bieten durchweg den germanischen Formen
entsprechende oder analoge W�rtwer dar; als indogermanische Grundform
ist f�r Schw�her svakura, f�r Schwieger svakur� (oder svakur�)
anzusetzen, sanskritisch �va�ura und �va�r�; jenes aber ist
zusammengesetzt aus sva "eigen, verwandt" und kura, sanskritisch ��ra,
"Held, erwachsener Mann" von der Wurzel ku oder kvi, sanskritisch �vi
"schwellen, wachsen, stark sein". Der Schw�her ist also "der verwandte
Erwachsene, der eigene Held", eine passende Bezeichnung, die von Neuem
auf die innige Beziehung des Schwiegersohnes zum Schwiegervater
hinweist; dem germanischen "Schwager" entspricht sanskritisch
�va�urja,der Sohn des Schwiegervaters, auch im Slavischen nachweisbar.
Aus:
Die Deutschen Verwandtschaftsnamen.
Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung nebst vergleichenden
Anmerkungen von Wilhelm Deecke Dr.
Weimar
Hermann B�hlau
1870
Viele Gr��e
Heinz (Muhsal)
Hallo Ute, Hans-Dieter und Alfred,
danke sch�n f�r Eure Antworten zu meiner "Schwager"-Frage! Ich habe
einiges dazugelernt, denn dass Schwager auch Kutscher bedeuten kann,
hatte
ich noch nie geh�rt. Auch war mir die Allegorie zum Tod bei "Hoch auf
dem
gelben Wagen" unbekannt, aber gut nachvollziehbar. Wieder etwas
gelernt!
Ich wei� aber mit Sicherheit, da� mein Urahn kein Kutscher, sondern
Archidiakon in Stolberg war
. Dann ist der "Schwager" wohl doch
"der
SchwesterMann".
Viele Gr��e,
Susanne