Date: Thu, 03 Feb 2011 11:55:51 +0100
From: rpp<pcperrey@t-online.de>
Subject: Re: [OWP] [compgend-L] Verwandtschaft im 16.Jhd.: Ergänzung
To:ow-preussen-l@genealogy.net
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Content-Type: text/plain; charset=ISO-8859-1; format=flowedZwei vielleicht interessierende Ergänzungen:
1. Auszug aus den Angaben zum Stichwort 'Schwager' im 'Etymologischen
Wörterbuch des Deutschen', Bd. Q-Z, Deutsche Akademie der
Wissenschaften, (Ost-) Berlin 1989:
"[...] Vom 16. Jh. an begegnet der Ausdruck vielfach als vertrauliche
Anrede, in der Studentensprache bes[onders] Anrede des Nichtakademmikers
(18. Jh) und wird in diesem Sinne üblich für den Kutscher, den
Postillion. [...]"Hinweis: "Hoch auf dem gelben Wagen sitz ich beim Schwager vorn" hat mit
dem Tod nichts zu tun.
Das ist nicht ganz richtig.. Die Gleichsetzung des "Schwagers" (= Kutschers) auf dem Postwagen mit dem Tod stammt zwar ursprünglich aus Goethes Gedicht "An Schwager Kronos", wo es in der Schlußstrophe heißt:
"Töne, Schwager, ins Horn,
Raßle den schallenden Trab
Dass der Orkus vernehme: wir kommen.
Dass gleich an der Türe
Der Wirt uns freundlich empfange. ".
Aber bei Goethes Gleichsetzung hat sich dann ein weit weniger bedeutender Autor bedient, nämlich Rudolf Baumbach in seinem populär gewordenen Gedicht "Hoch auf dem gelben Wagen sitz ich beim Schwager vorn" (verfaßt 1879). Dort hört sie sich ja - ebenfalls in der Schlußstrophe - so an:
"Sitzt einmal ein Gerippe
Hoch auf dem Wagen vorn,
Trägt statt Peitsche die Hippe,
Stundenglas statt Horn --
Ruf' ich: "Ade ihr Lieben,
Die ihr noch bleiben wollt;
Gern wär' ich selbst noch geblieben,
Aber der Wagen rollt."
Man sieht hier, daß das "Wortfeld" von "Schwager" ziemlich umfangreich ist - wie ja diese ganze Diskussion schon deutlich gemacht hat.
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Lehmbruch