Liebe Mitforscher,
"Ostpreußisch" ist kein Dialekt, sondern beinhaltet mehrere Sprachvarianten,
wie in jedem Staat der BRD - und manchmal nur von Dorf zu Dorf - wie in
OWP. Dialekte im deutschen Sprachgebiet sind z.B. Slawisch, Ostfriesisch,
Jiddisch u.a.
Bayrisch, Sächsisch u.a. sind keine Dialekte, sondern eben Sprachvarianten
(der Gegend entsprechend).
dass "'Ostpreu�isch' kein Dialekt [ist]" haben wir hier bereits festgestellt. Das Wort 'Ostpreu�isch' ist, auf Sprache bezogen, ein laienhafter Ausdruck. Die Wendung im Betreff geht auf die Anfragerin zur�ck, die mit den Verh�ltnissen nicht so vertraut ist.
Der Begriff 'Dialekt' als solcher ist wissenschaftlich nicht genau definiert, meint aber u. a. 'landschaftlich gebundene Sprache'. Nach unterschiedlichen Kriterien lassen sich in Deutschland (und auch anderswo) Dialektgruppen feststellen, die gemeinsame Charakteristika aufweisen. So ist beispielsweise das Bairische (als wissenschaftliche Dialektbezeichnung, die sich dann noch weiter unterteilt, mit i zu schreiben, nicht mit y) ein Teil des Oberdeutschen. Wie letztere Bezeichnung schon verr�t, ist es nat�rlich auch Teil der �berdachenden Sprache Deutsch. Auch den Wortbestandteil 'S�chsisch' kennt die Dialektologie: 'Obers�chsisch' ist ein Teil des Ostmitteldeutschen und unterteilt sich weiter in Erzgebirgisch, Mei�nisch und Nordobers�chsisch, die sich jeweils weiter verfeinern lassen.
'Slawisch' ist kein deutscher Dialekt sondern die Bezeichnung f�r eine nicht-deutsche Sprachengruppe. 'Friesisch' ist eine germanische, jedoch keine deutsche Sprache. Bei dem 'Jiddischen' handelt es sich um eine Sprache mit deutschen Wurzeln. 'Niederdeutsch' (meist gleichbedeutend mit 'Plattdeutsch' benutzt) ist eine eigenen Sprache, wenn man es gegen 'Hochdeutsch' (bestehend aus 'Ober-' und 'Mitteldeutsch') absetzt. Es existiert aber nur noch in Dialekten, da es davon keine allen Dialekten gemeinsame Form und keine verbindliche Schriftsprache mehr gibt.
'Dialekt' und 'Mundart' werden im Deutschen in gleicher Bedeutung benutzt.
Wie die Verh�ltnisse speziell f�r Ostpreu�en aussehen, habe ich bereits grob dargestellt.
Was hat denn Eure Auseinandersetzung noch mit Familienforschung und/oder der urspr�nglichen Frage zu tun, fragt sich
ober/mittel/unter, ganz-unter, h�chst-ober und �berhaupt-deutsch
Welche Auseinandersetzung, Uli? Hier geht es um ostpreu�ische Kultur, zu der eine Frage gestellt wurde, die selbstverst�ndlich beantwortet wird. Ich denke mal, neben den reinen Lebensdaten unserer Ahnen, ist auch deren Lebensumfeld von Interesse, egal ob es sich um M�hlen, Dialekte, alte Berufe oder bestimmte Gebr�uche handelt.
Nur zur Information: über einen Teilaspekt der Ostpreußischen Mundarten ff.
gibt es eine Forschungsarbeit von Otto Natau "Mundart und Siedelung im
nordöstlichen Ostpreußen" - Königsberg 1937, über 300 Seiten, die drei
Kreise Stallupönen, Pillkallen und Tilsit-Ragnit betreffend. Weiter: von
Prof. Mitzka "Ostpreußisches Niederdeutsch nördlich vom Ermland". Und ich
denke, wer sucht, der kann sicher mehr zum Thema finden.
Den Otto N. habe ich hier auf CD, hatte aber noch nie Zeit, mich damit
intensiv zu beschäftigen.
Gruß - Martin