Liebe Mitleserinnen und -leser,
ich suche eine Stelle im Internet, wo die Herkunft typisch ostpreusßischer
Ausdrücke wie GLUMSE, LORBAS oder MARIELLCHEN erklärt wird.
Wer kann helfen??
Danke und Grüße aus Göttingen
Stefan Leykum
Liebe Mitleserinnen und -leser,
ich suche eine Stelle im Internet, wo die Herkunft typisch ostpreusßischer
Ausdrücke wie GLUMSE, LORBAS oder MARIELLCHEN erklärt wird.
Wer kann helfen??
Danke und Grüße aus Göttingen
Stefan Leykum
Hallo Stefan,
im Internet kenne ich nichts, aber im Buch "So schabberten wir to Hus" ein
ostpreußisches Wörterbuch von Rudolf K. Becker, erschienen im Verlag Gerhard
Rautenberg (gibt's vielleicht noch antiquarisch), werden folgende
Erläuterungen gegeben:
Glumse, die:
Der Quark (weißer Käse), auch für "Milch"; Schmand mit Glumse = Sahne mit
Quark ist ein beliebtes ostpreußisches Essen. Robert Budzinski schreibt
darüber in seiner 'Entdeckung Ostpreußens': "Schmand und Glumse - Diese sehr
wertvolle Erfindung gehört der Nahrungsmittelbranche an. Ein Produkt der
ostpreußischen Kuh. Die Milch wird so verarbeitet, daß sie einmal dick wird
und Glumse heißt, dann wiederum dünnflüssig und in diesem Zustand Schmand
genannt wird. Beides wird in einen Teller getan und mit dem Löffel
gegessen."
Glumsfladen, Glumskuchen und Glumstorte sind beliebte (Glums)gebäcke;
weitere Gerichte: Flumskeilchen und Glumsflinsen.
Lorbaß:
Das ostpreußische Wort "Lorbaß", weithin bekannt und überall gebraucht, kann
so viel ausdrücken, bezeichnet aber eigentlich nur einen Taugenichts oder
einen kleinen "Rumtreiber".
Margell:
(auch: Margelle, Marjell, Mergell): "Die Margell" ist ein junges Mädchen,
eine junge Magd (mergu) (schon im 17. Jahrhundert in Pfarrer M. Prätorius'
"Preußische Schaubühne"). Aus dem Litauischen (marginne), lit.: mergèlè, von
lit.-altpreuß.: mergà = Jungfrau; polnisch: mercha.
Das war's.
Gruß
Brigitte (Schymura)
Hallo Stefan,
in G�ttingen w�re es am einfachsten, in die Uni-Bibliothek/Staatsbibliothek
zu gehen und das "Preu�ische W�rterbuch" von Riemann et al. einzusehen.
Viele der ostpreu�ischen Ausdr�cke aus dem Bereich der Milchwirtschaft
stammen aus den slawischen Sprachen: GLUMSE (das ist bereits
"verhochdeutscht"; im Dialekt: Gloms) enstammt beispielsweise dem Polnischen
(glomza, glomzda). LORBAS (mit einer Reihe von Bedeutungen) - sicher
pru�ischer Herkunft - , wie auch MARGELL (aus altpreu�isch 'mergo' =
Jungfrau).
Neben dem oben genannten "Preu�ischen W�rterbuch" finden sich in den
Bibliotheken bestimmt auch seine Vorg�nger (beispielsweise das unvollendet
gebliebene von Ziesemer). Verschiedene Autoren, darunter die bereits
genannten, aber auch weitere, wie Mitzka, haben dazu noch
Einzelver�ffentlichungen und Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften
geschrieben, die sich mit der Herkunft einer Reihe von "typisch
ostpreu�ischen" W�rtern befassen.
Gr��e aus der Region Hannover
Rolf-Peter
Auszug aus dem Gedicht Ostpreußisches Marjellchen:
Doch ein Wort macht die Karriere-
auch dem Objekt gereicht`s zur Ehe-
es handelt sich auch um was Rechtes,
um die, die weiblichen Geschlkechtes,
die - sofern sie unbemannt-
bei uns M A R J E L L E N sind genannt!
Marjellchen ist ein liebes Wort, Marchellchen hier , Marjellchen dort,
Marjellchen sind kaum 18 Jahre,
das ist grad das Wunderbare;
denn Ältere man daran erkennt,
dass man sie immer "Freilein" nennt.
Marjellchen das ist Zärtlichkeit,
Marjellchen sind voll Lieblichkeit.
Marjellchen sind stets sehr adrett,
Marjellchen sind auch immer nett. Maejellchen sind ein Ideal !
Wewrs anders sagt, der ist banal!
Marjellchen gibt es groß und klein,
von zwei Jahren ab stuft man sie ein.
Ist ein blond, die Augen hell,
dann setzt man "trautste" vor Marjell.
Doch geht sie mit nem "Schmisser" aus
und kommt nicht rechtzeitig nach Haus
und läßt sich von so`m Kerl noch butschen
und sogar im Hausflur knutschen,
schimpft man "luchterne Marjell"
und schreitet zur Verlobung schnell,
denn zu frommer Klosterfrau`n
eignen sich Marjellen kaum!
Und ist so`n Mädel gut im Stand,
dann sagt man "drugglig" hierzuland.
Und ist sie sichtbar aufgeweckst
man sie als "Spirkucks" gerne neckt.
Ist sie zerfahren, sagt man schnell:
"Das is ne schoßlige Marjell."
Aus "Ostpreußisches ABC von Siegfried Saßnick
LG
Peter
Hallo Namensvetter,
hier habe ich einige Quellen gefunden:
Homepage von Siegfried Conrad: http://www.siegfried-conrad.homepage.t-online.de/
Ostdeutsches Diskussionsforum (ODF): 3000 Wörter
stadtmenschen.de - Ostpreu�en-Blog: http://ksta.stadtmenschen.de/mdsocs/mod_blogs_eintrag/blog/verein/profil/blogger_buedchen/eintrag/Ostpreussen_Platt_Mundart_Dialekt_1/ocs_ausgabe/ksta_blogs/index.html
Gru� aus Hamburg,
Stefan (Steyer)
Dazu erg�nzend:
* pru�isch "glumzi, glums" = Quark
* litauisch "glumze" = K�sequark
* lettisch "glums" = glatt, schleimig, schl�frig
* kurisch "glumzs" = Quark
* "glumzeudin" = Molke
* "glumzuoa" = dicklich werden
* polnisch "glomzda" = Quark
* pru�isch "merga, mergu, mergo, mergele" = M�dchen, Jungfrau, Magd
* "mergaut" = jungfr�ulich
* "merguze" Magd, Dienerin
* pru�isch "lorbe" = ungehobelter grober Klotz, Keil der zum St�tzen eines Ger�sts in die Erde geschlagen wird
* "lorbas" = ungeschlachter flegelhafter Mensch, ungezogener Junge, L�mmel
Beate