Ostpreußenblatt, September 1955, Folge 36, Teil 1

Folge 36 vom 03.09.1955

Seite 1 Vor dem Leuchtturm von Pillau. Mit Foto von Horst Sack
Pillau, was bedeutet dieser Name nicht alles für uns Ostpreußen! Man glaubt die kräftige Seeluft zu spüren, das Bild der gischtenden Brecher an den Molenköpfen steigt vor uns auf, zu Pillau gehören auch das geschäftige Leben an den Bollwerken, die „weißen Schwäne“ des Seedienstes Ostpreußen, der Mastenwald der Schiffe und die gemütlichen Seemanskneipen. Pillau, das ist aber auch Fluchtstation für viele Zehntausende beim Zusammenbruch 1945, ist Not und Elend und unermessliches Leid, ist Grab auch für Tausende. Pillau, das ist wiederum auch Trost und Hoffnung; über Pillau kamen einst Tausende von Salzburgern nach Ostpreußen, über Pillau fuhren 1920 unzählige Landsleute, um bei der Abstimmung ein Bekenntnis für ihre Heimat abzulegen, Pillau so hoffen wir, wird einmal auch das Tor für unsere Heimkehr sein. Es ist ein schöner Gedanke, dass nun eine schleswig-holstinische Ostseestadt, Eckernförde, am 11. September 1955 die Patenschaft über Pillau übernehmen wird. An diesem Tage wird dort auch ein Denkmal des Großen Kurfürsten wieder aufgestellt werden. Unser Bild zeigt es an seinem früheren Standort in Pillau; hinter ihm steigt, weiß und schlank, der Leuchtturm empor. Der Turm diente der Seefart, der Gegenwart, das Standbild des Großen Kurfürsten aber wies darauf hin, dass dieser Herrscher einst in schweren Kämpfen die Souveränität des Landes wieder errungen hat.

Seite 4 Bürgermeister Dr. Winkler. Er wird am 7. September 1955, achtzig Jahre alt
Am 7. September 1955 wird Bürgermeister Dr. h. c. Max Winkler, jetzt in Düsseldorf, Grünstraße 24, achtzig Jahre alt. Der breiten Öffentlichkeit der Ostpreußen ist er zwar kaum bekannt, aber um so mehr vielen, die in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen die Aufgabe hatten, das Deutschtum in den abgetrennten oder gefährdeten Gebieten zu stützen und zu stärken. Hier war Dr. Winkler einer der stärksten Kräfte, und gerade weil er damals von seinem Wirken kein Aufhebens machte, ist es heute um so mehr am Platze, von ihm und seiner Arbeit zu sprechen.
‚Geboren im Kreis Rosenberg in Westpreußen, wurde er während des Ersten Weltkrieges Stadtrat und bald darauf Bürgermeister in Graudenz. Bei dem Zusammenbruch 1918/1919 wählte ihn die neugegründete Deutsche Demokratische Partei in die Verfassunggebende Landesversammlung. Nachdem im Januar 1920 Graudenz an Polen übergeben werden musste, zog er nach Berlin. Hier wurde er bei der Reichsregierung und der Preußischen Regierung vorstellig, in den abgetrennten Gebieten seiner Heimat die Presse, das Schulwesen und die Kirchen zu unterstützen. Die Regierungen gingen darauf ein, und Bürgermeister Winkler wurde mit der Durchführung beauftragt. Unter der Regierung Stresemanns wurden diese Maßnahmen durch wirtschaftliche Unterstützung von landwirtschaftlichen und gewerblichen Groß- und Kleinbetrieben noch erweitert. So wuchs er als Sachverständiger für Minderheits- und wirtschaftspolitische Fragen in eine Beraterstellung der jeweiligen Regierungen hinein. Zu der Betreuung seines Heimatgebiets kamen dann ähnliche Aufgaben in den anderen östlichen Gebieten, in denen Deutsche wohnten, angefangen vom Memelgebiet und vom Baltikum bis zum Banat und Siebenbürgen und auch in den vom Versailler Vertrag betroffenen Stellen an den anderen Grenzen, so auch im Saargebiet bis zur Abstimmung von 1935. Auch während der Rhein-Ruhr-Besetzung stützte sich die damalige Regierung auf Winklers Mitarbeit, besonders auf dem Gebiet der Presse. 1929 schon verlieh ihm die Technische Hochschule Danzig in Anerkennung seiner Verdienste um seine Heimat den Doktor ehrenhalber.
Der plötzliche Wechsel von der Weimarer Zeit zum Naziregime brachte Dr. Winkler in schwierigste Lagen. Er wurde wiederholt von Parteistellen vernommen und schließlich nach der Reichstagswahl im März 1933 offiziell gefragt, ob er bereit sei, dass er der Parteil fernstehe und die Finanzierung der Wahl von Hindenburg durchgeführt habe, wurde ihm erklärt, dass die Regierung davon Kenntnis habe, dass sie aber trotzdem auf die Fortführung der bisherigen Tätigkeit Wert lege. Winkler erklärte sich bereit, im bisherigen Rahmen weiterzuarbeiten. Er hatte damit die Möglichkeit, Verfolgungen von einem großen Personenkreis abzuwenden und dem deutschen Volkssturm in den abgetrennten Gebieten und im Ausland weiter eine Stütze zu bleiben.

Nach dem Zusammenbruch 1945 ist Bürgermeister Winkler den Leidensweg vieler in der Öffentlichkeit stehender Persönlichkeiten gegangen; er hat Internierungslager, Gefängnis und Nürnberg durchgemacht. Nach einem langen, gründlichen Entnazifizierungsverfahren wurde er 1949 in Gruppe V eingestuft.

Wohl jeder, der mit Bürgermeister Winkler in nähere Berührung kam, wird gespürt haben, dass hier der richtige Mann am richtigen Platz stand. Anders wäre auch nicht der außerordentlich starke Einfluss zu erklären, den er im Rahmen des von ihm selbst geschaffenen sehr ausgedehnten Arbeitsgebiets besaß. Er hatte die seltene Gabe, die große Linie unbeirrt zu verfolgen und darüber doch die Menschen nicht zu übersehen und zu vergessen. Er traf mit sicherem Blick wohl immer die richtigen Entscheidungen, und er hatte schließlich den Ruf eines Finanzgenies, dem man auch die schwierigsten Aufgaben anvertrauen könne. Über die Verbundenheit hinaus, die durch die Arbeit geschaffen wurde, gewann ihm auch seine sehr menschliche und liebenswürdige Art viele Freunde.

Alle, die Bürgermeister Winkler aus jener Zeit schätzen gelernt haben, werden sich freuen zu hören, dass er seine schon immer erstaunliche Arbeitskraft behalten hat und dass es ihm gelungen ist, wieder eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Und es ist wohl ganz in seinem Sinne, wenn seine Freunde ihm nun nicht etwa nur gute Gesundheit und einen geruhsamen Lebensabend wünschen, sondern in erster Linie weiterhin eine unverminderte Arbeitsfreudigkeit.

Seite 6 Amtliche Bekanntmachungen
Fräulein Gertrud Pfeffer, Buchhalterin, jetzt Rentnerin in Reutlingen, Gustav-Werner-Straße 6a, hat die Todeserklärung nachstehender Personen beantragt:
a) Ihrer Schwester: Therese Kolberg, geb. Pfeffer, geb. am 22.05.1892 in Löwenhagen, Kreis Königsberg Pr., zueltzt wohnhaft in Königsberg Pr., Roonstraße 12
b) Ihrer Schwester: Lisbeth Lubbe, geb. Pfeffer, geb. am 29.11.1890 in Löwenhagen, Kreis Königsberg Pr., zuletzt wohnhaft in Königsberg Pr., Maraunenhof, Caubstraße 7
c) Ihres Schwagers: Ewald Lubbe, kaufm. Angestellter, geb. am 09.12.1884 in Königsberg Pr., zuletzt wohnhaft in Königsberg Pr., Maraunenhof, Caubstraße 7, bei Dröse
für tot zu erklären.
Es wird vermutet, dass alle 3 genannten Personen nach Besetzung der Stadt Königsberg durch die Russen daselbst umgekommen sind.
Wer Genaueres über das Schicksal der genannten Personen weiß, wird um Mitteilung an das Amtsgericht Reutlingen bis 09.11.1955 zu 3 GR 227-29/55 gebeten. Amtsgericht Reutlingen

II 19/55 Beschluss
1. Auf Antrag der Helene Wünschmann, Witwe, Bayreuth, Nürnberger Straße 24, wird deren Sohn, Paul August Gerhard Wünschmann, geb. am 17. Oktober 1925 in Königsberg Pr., ledig, Schüler, zuletzt wohnhaft gewesen in Königsberg Pr., Nachtigallensteig 6a, Grenadier der Einheit Feldpostnr. 16 686 E, vermisst seit 17.03.1944 bei Romanowka, östlich Tarnopol, Russland, für tot erklärt.
2. Als Zeitpunkt des Todes wird der 31. Dezember 1945, 24 Uhr, festgestellt.
3. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Nachlass zur Last.
Bayreuth, den 20. August 1955. Amtsgericht

Aufgebot
Die erichtliche Todeserklärung der nachstehend bezeichneten vermissten Person ist beantragt worden. Die bezeichnete Person wird hiermit aufgefordert, sich zu melden, widrigenfalls sie für tot erklärt werden kann. Alle, die Auskunft über die bezeichnete Person geben können, werden hiermit aufgefordert, bis zum Ende der Aufgebotsfrist bei dem unterzeichneten Amtsgericht Anzeige zu machen.
Die Buchstaben bedeuten: a) Anschrift am letzten bekannten Wohnsitz, b) letzte bekannte Truppenanschrift, c) zuständiges Amtsgericht und dessen Aktenzeichen, d) Ende der Aufgebotsfrist, e) Name und Anschrift des Antragstellers.
Anna Krutzki, geb. Eggert, 20.08.1908, Packerau, Kreis Pr.-Eylau, Ostpreußen, Ehefrau, a) Packerau, Kreis Pr.-Eylau, Ostpreußen, c) Amtsgericht Walsrode. 1 II 82/55, d) 15. Oktober 1955, e) Ehefrau Else Vogel, geb. Tobies, Dorfmark, Kreis Fallingbostel

Aufgebot
Es haben beantragt, für tot zu erklären
1. der Bauingenieur Fritz Neumann in Hildesheim, Steingrube Nr. 32
a) den verschollenen Bauunternehmer Gustav Neumann, geboren am 22. Juli 1891 zu Burgkampen, Ostpreußen
b) dessen Ehefrau Helene Neumann, geb. Girod, geboren am 16. Dezember 1887 zu Gerwen, Kreis Gumbinnen, beide zuletzt wohnhaft in Gerwen

2. die Hannelore Jankowski, vertreten durch ihren Vormund Dipl.-Ing. Erich Brodowski in Hildesheim, Humboldtstraße Nr. 3
a) den Zahnarzt Dr. Ernst Jankowski, geboren am 1. September 1885 zu Kampen, Kreis Lötzen
b) dessen Ehefrau Else Jankowski, geb. Kuhn, geboren am 10. November 1895 in Ostpreußen (Ort unbekannt), beide zuletzt wohnhaft in Königsberg Pr., Steindamm Nr. 144
c) die Witwe Emma Kuhn, geb. Goerke, geboren am 24. April 1873 zu Königsberg Pr., zuletzt wohnhaft in Königsberg-Juditten, Lehwaldtstraße Nr. 13
- sämtliche Zivilisten –
Die bezeichneten Verschollenen werden aufgefordert, sich bis zum 3. Dezember 1955 bei dem Amtsgericht Hildesheim, Bahnhofsallee Nr. 11, Zimmer Nr. 9 zu melden, widrigenfalls die Todeserklärung erfolgen kann.
An alle, die Auskunft über Leben und Tod der Verschollenen geben können, ergeht die Aufforderung, dem Gericht bis zu dem angegebenen Zeitpunkt Anzeige zu machen.
Amtsgericht Hildesheim, 23. August 1955
- 14 II 36-37/55, 128-130/55 –

Durch Gerichtsbeschluss ist der Tod und der Zeitpunkt des Todes der nachstehend bezeichneten Person festgestellt worden:
Die mit Buchstaben bezeichneten Angaben bedeuten: a) Anschrift am letzten bekannten Wohnsitz, b) letzte bekannte Truppenanschrift, c) zuständiges Amtsgericht und dessen Aktenzeichen, d) Tag des Beschlusses, e) Zeitpunkt des Todes.
Elisabeth Remp, 26.04.1885, Gr.-Stangenwald, Kreis Gumbinnen, Ostpreußen, ohne Beruf, a) Gr.-Stangenwald, Kreis Gumbinnen, Ostpreußen, c) Amtsgericht Walsrode, 1 II 14/55, d) 13.08.1955, e) 31.12.1945, 24 Uhr.
Amtsgericht Walsrode, 26.08.1955

II 9/55 Aufgebot
Der Bücherrevisor Willi Dangel in M.-Gladbach, Steinmetzstraße Nr. 54, hat die Todeserklärung seines Bruders, des am 21. Juli 1898 in Freudenberg, Kreis Rastenburg, Ostpreußen, geborenen und zuletzt daselbst wohnhaft gewesenen Landwirts Robert Dangel beantragt.
Der Verschollene wird aufgefordert sich bis zum 15. September 1955 zu melden, widrigenfalls seine Todeserklärung erfolgt. Gleichzeitig ergeht an alle, die über den Verschollenen Auskunft geben können, die Aufforderung, dies dem Gericht bis zum oben genannten Zeitpunkt mitzuteilen.
M.-Gladbach, den 14. Juni 1955. Das Amtsgericht

Seite 7 Verschiedenes
Wer hat in den Jahren 1935/1940 in Königsberg Pr. eine Metzgerei betrieben? Da es sich um eine Hinterlassenschaft handelt, wird um umgehende Nachricht gebeten unter Nr. 56 529 Das Ostpreußenblatt

Ich bitte frühere Mitarbeiter der Preußischen Zeitung in Königsberg Pr., die Auskunft geben können über den viele Jahre in der Pr. Zeitung beschäftigt gewesenen Georg Blümel, geb. 20.07.1891 in Königsberg, sich zu melden bei Frau Elfriede Blümel, Bodenteich, Kreis Uelzen, Forstweg 5

Seite 7 Suchanzeigen
Heinrich Rohmann, 56 Jahre, zuletzt Lebensmittelgeschäft im Kreis Lötzen, bitte melden! Wer kennt jetzigen Wohnort? Nachricht erb. Willi Brett, Hildesheim, Wiesenstraße 47

Ehem. Res.-Gren.-Regt. Nr. 1. In welchem Raum stand dieses Regiment im Januar 1945? Wer kann Auskunft geben über den Gefreiten Herbert Jagst, von der Nachr.-Komp. des Regiments? Nachricht erb. Dipl.-Ing. Jagst, Hildesheim, Yorckstraße 12 (früher: Jugnaten, Kreis Heydekrug)

Erbitte Auskunft über Horst Krüger, geb. 12.05.1922, aus Fürstenau bei Drengfurt, Kreis Rastenburg, Ostpreußen. Nachricht erb. Frau Annemarie Preuß, geb, Kubelke, Lehrte, Feldstraße 13 oder 18

Wer kann Auskunft geben über Kurt Springer, Oberfunkmeister der 2. Div.-Nachr.-Abtlg. 205. Feldpostnr. 15 905, Zivilberuf Schneider, aus Heiligenbeil, Ostpreußen? Er soll jetzt in Bad.-Württbg. Wohnhaft sein. Nachricht erb. Hans Weitmann, Stuttgart-Zuffenhausen, Hohensteinstraße 17

Seite 8 Familienanzeigen
Gabriele Schulze, geb. Laxy und Hans Helmut Schulze, sind glücklich über ihren gesunden Jungen, Hans Peter, 09.08.1955. Hannover, Lehmforder Straße 6. Früher: Radzionkau, O/S und früher: Sensburg, Ostpreußen, Werder 5

Dagmar Christina. Unsere Astrid hat ein gesundes Schwesterchen bekommen. In dankbarer Freude: Elisabeth Jestrzemski, geb. Schnarkowski und Erich Jestrzemski. Passenheim, Kreis Ortelsburg, Kaspersguth, Kreis Ortelsburg. Jetzt: Wedel, Holstein, Goethestraße 30, am 03.07.1955

Axel, 15.08.1955. Die glückliche Geburt unseres zweiten Sohnes zeigen wir in dankbarer Freude an. Annelore Siemering, geb. von Schulzen und Gerd Siemering, Bauingenieur. Früher: Gradtken, Kreis Allenstein, jetzt: Wunstorf, Hannover, Georgstraße 9

Die Geburt unseres zweiten Töchterchens geben wir hiermit bekannt. Sybille Koch, geb. Robert-Tornow und Horst Koch-Birkenfeld. Farm Grünental P.M.B. Windhock, Südwest-Afrika, am 26. Juli 1955

Ihre Vermählung geben bekannt. Rudolf Heß und Edith Heß, geb. Girnuweit. Essen, Lennestraße 19. Früher: Grünweiden, Kreis Gumbinnen

Ihre Vermählung geben bekannt. Hans Munzert, Dipl.-Ing. und Gerda Munzert, geb. Loch. Hof, Saale, den 25. August 1955, Jahnstraße 26. Früher: Allenstein, Ostpreußen, Immelmannstraße 8

Lothar Brzezinski und Elfriede Brzezinski, geb. Zachrau. Vermählte. Hegeberg, Kreis Samland und Königsberg-Goldschmiede. Jetzt: Holzminden, Schratweg 2. 29. August 1955

Die Vermählung unserer Tochter Marianne mit Herrn Diplom-Volkswirt Hermann J. Gundlach geben bekannt. Georg Behnkost und Frau Elisabeth, geb. Keymel. Johannisburg, Ostpreußen. Jetzt: Frankfurt a/M., Rehstraße 46, den 3. September 1955

Ihre Vermählung geben bekannt. Georg Lorenzen und Helene Lorenzen, geb. Skerstupp. Flensburg, Teichstraße 42 und Elchwerder, Kreis Labiau, Ostpreußen

Kurt Maleike und Agnes Maleike, geb. Putzer. Vermählte. Domhardtfelde, Kreis Labiau, Ostpreußen und Rosenberg, Kreis Heiligenbeil, Ostpreußen. Jetzt: Mülheim, Ruhr – Saarn Eschenbruch 105

Meinem lieben Mann, unserem Vater, Schwiegervater und Großvater, Reichsbahnobersekretär i. R. Julius Turowski, früher: Wartenburg Ostpreußen, Bahnhof, jetzt: Wolfsburg, Fontanenhof 7, zum 70. Geburtstag am 3. September 1955, die allerherzlichsten Glückwünsche. Frau Maria Turowski. Kinder und Kindeskinder

Wir haben uns verlobt. Christel Kadagies, Tilsit, Am Rennplatz 4, jetzt: Krefeld-Oppum, Haverkamp 6 und Karl-Heinz Cremer, Krefeld, Dießemer Bruch 55. 28. August 1955

Die Vermählung unserer Tochter, Christel Erika mit Herrn Robert David Bridgman, geben bekannt, Gustav Pekrull und Frau Elise, geb. Hollstein, Löcknick, Kreis Gerdauen. Jetzt: Guissen über Ahlen, Westfalen

Wir geben unsere Vermählung bekannt. Robert David Bridgman und Christel Erika Bridgman, geb. Pekrull. Birmingham 13, England, Wake Green Road – Moseley, den 3. September 1955

Die Vermählung ihrer jüngsten Tochter Käte mit dem Ingenieur Herrn Wolfgang Steinfath, Hamburg, geben bekannt: Hauptlehrer i. R. Alfred Kulz und Frau Alice, geb. Reinhold. Rodental, Kreis Lötzen. Jetzt: Reinfeld in Holstein, Bischhofsteicher Weg 85

Wolfgang Steinfath und Käte Steinfath, geb. Kulz. Vermählte. Hamburg. Zur Zeit auf Reisen.

Ihre Vermählung geben bekannt. Artur Schnoege und Adelheid Schnoege, geb. Dietze. Goslar, Harz, Springerstraße 2a. 10.09.1955

Wir haben am 27. August 1955 geheiratet. Manfred Heinrich, Labiau, Ostpreußen, Unter den linden 55 und Erika Heinrich, geb. Hannemann, Hohenstein bei Danzig. Jetzt: Reutlingen, Württemberg, Tübinger Straße 60

Meinem lieben, einzigen Sohn, Fleischermeister, Herr Julius Arnold Bruder, gratuliere ich nachträglich zu seinem 35. Geburtstage am 26. August 1955. Seine Mutter, Witwe Minna Bruder, geb. Backschat. Früher: Eydtkuhnen, Ostpreußen, Wiesenstraße 3. Jetzt: Wuppertal-Elberfeld, Nevigeser Straße 95

Am 6. September 1955 feiern wir unsere Silberhochzeit. Willy Betschowa und Frau Herta, geb. Unterspann. Königsberg Pr., Hagenstraße 52. Jetzt: Freiburg (Br.), Bauhöferstraße 30

Nach Gottes heiligem Willen entschlief am 23. August 1955, nach kurzem, schwerem Krankenlager, mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, Schwiegervater und Opa, Karl Schöttke, im Alter von 66 Jahren. In tiefer Trauer: Hedwig Schöttke, geb. Riemann und Kinder. Früher: Widitten, Kreis Samland. Jetzt: Nordseebad Büsum, Chaussee

Am 7. August 1955 entschlief nach langer, schwerer Krankheit, meine liebe Mutter und Schwiegermutter, Frau Marie Balzer, geb. Szentuleit. In stiller Trauer: Horst Balzer und Frau Johanna, geb. Morgenthum (13a) Alexanderhütte, Ofr. Früher: Tilsit, Stolbecker Straße 45

Am 9. August 1955 entschlief sanft, nach schwerer Krankheit, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Oma, Frau Marie Schmuck, geb. Kohn, im Alter von 54 Jahren. In stiller Trauer: Ernst Schmuck, Kinder, ein Enkelsohn. Landsberg, Ostpreußen. Jetzt: Gomaringen, den 25. August 1955. Die Beerdigung hat in aller Stille stattgefunden

In Wehmut und Ehrfurcht senke ich mein Haupt vor der Toten, meiner lieben, unvergesslichen Frau, Margarete Jakob, geb. Wolf, die am 7. September 1955, ihren 60. Geburtstag, begehen würde. Sie ist vor zehn Jahren in Königsberg an Hungertyphus verstorben. In Liebe und innigem Gedenken: Alfred Jakob, früher langjähriger Vertreter der Firma Tietz & Kranz. Früher: Königsberg Pr., Korinthendamm 6 – 7. Jetzt: Pirmasens, Steinstraße 63

In Liebe und Dankbarkeit gedenken wir des zehnten Todestages meiner lieben Frau, unserer unvergesslichen Mutter, Frau Minna Pusch, geb. Fuhrmann, aus Schirwindt, Ostpreußen, gestorben am 30.08.1945. Sie ruht in Heimaterde. Karl Pusch, sowj. bes. Zone. Im Namen der Kinder: Emma Jentges, geb. Pusch. Anrath, Rheinland, Zu den Tannen 13

Nach langer Krankheit entschlief am 14. August 1955, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante, Martha Bartlewski, aus Bischofsburg, Ostpreußen, im 75. Lebensjahre. Im Namen aller Angehörigen: Hedwig Bartlewski. Hamburg-Osdorf, Am Eichenplatz 17

Danksagung. Für die Beweise treuen Gedenkens zum Heimgange unserer lieben Entschlafenen, Maria Klewer, aus Tilsit, sage ich allen meinen innigen Dank. Eva Weiß, geb. Klewer. Flensburg, Waldstraße 40

Seite 9 Die Seestadt Pillau, von Dr. Konrad Haberland. Mit Fotos
Foto: Seestadt Pillau, Gesamtansicht. Diese Aufnahme gibt einen umfassenden Überblick über den Stadtkern von Pillau; der Leuchtturm (links im Bild) ist ein guter Orientierungspunkt. Rechts, hinter dem Leuchtturm, der Ausgang zur See.

Der heute in Kiel lebende Finanzpräsident a. D. Dr. Konrad Haberland ist der Verfasser des nachstehenden Beitrags. Als einstiger Bürgermeister von Pillau war er maßgebend an der Entwicklung der Stadt beteiligt. (Er hielt übrigens die Festrede bei der Enthüllung des Denkmals des Großen Kurfürsten 1913) Aus seiner Feder stammen mehrere Bücher und Schriften über die Geschichte Pillaus.

Wer einst mit den schönen, weißen Schiffen des Seedienstes Ostpreußen sich der Bernsteinküste näherte, war angenehm überrascht, wenn nach der langen Seefahrt von Kiel oder Swinemünde her die Seestadt Pillau in der freundlichen Umrahmung von Meer, Haff und Wald den ersten Gruß des Vorpostens im Osten bot.
Majestätisch rollen die Wogen durch das vierhundert Meter breite Seetief, das die Verbindung zwischen Haff und See darstellt und für Königsberg und die Städte am Haff den Zugang zum Meer bildet. An ihm liegt neben der alten Zitadelle die eigentliche Stadt Pillau, einst Sitz zahlreicher Behörden, besonders des Wasserstraßenamts mit über tausend Beamten, Angestellten und Arbeitern. In die alte Stadt waren sechs einst selbständige Orte eingemeindet, als siebenter sollte nach dem Kriege das Seebad Neuhäuser folgen.

1626, im Schwedisch-polnischen Krieg, besetzte König Gustav Adolf von Schweden Pillau und ließ am Seetief den Bau der Festung beginnen. Marketender und andere Gewerbetreibende ließen sich nieder; so entstand die Stadt.

Pillau erlebte dann drei Epochen, die ihm eine hoffnungsvolle Zukunft zu versprechen schienen; unter dem Großen Kurfürsten, im 19. Jahrhundert nach dem Bau der Eisenbahn und der großartigen Hafenanlagen und schließlich als es, militärisch immer wichtiger, Marinegarnison, Flotten- und Luftwaffenstützpunkt wurde und die Einwohnerzahl 1945 auf 25 000 Personen stieg. Aber stets folgte bald der Rückschlag.

Wiege der deutschen Flotte
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, machte Pillau zum Ausgangspunkt seiner weitschauenden Pläne. Unter seiner Regierung wurde die Festung vollendet, sie war die stärkste des Landes. 1679 ging der Kurfürst mit Hilfe des Holländers Benjamin Raule an den Aufbau einer Flotte, die Kriegs- und Handelszwecken dienen sollte, mit Pillau als Hafen und Garnisonort. Damit ist Pillau die Wiege der deutschen Flotte geworden. Schon im nächsten Jahr lief von Pillau eine Flotte von sieben Schiffen mit fünfhundert Matrosen und einhundertachtzig Soldaten der Garnison aus, die bei ihrem Erscheinen ein „großes Aufsehen, Bedenken und allerlei Diskurse erregte; Dinge, die wir aus den verflossenen Jahrzehnten genügend kennen. Gleichzeitig betrieb der Kurfürst seine Kolonialpläne. 1680 liefen zwei Schiffe von Pillau nach Guinea (Westafrika) aus; dort wurde die Festung Groß-Friedrichsburg gegründet, von der drei Kanonen, die 1912 zurückgebracht wurden, neben dem Kurfürstendenkmal ihren Platz fanden.
Die Hoffnungen, zu denen sich Pillau so berechtigt glauben konnte, wurden schon 1683 jäh gestört. Der Haupthafen der Marine und der Sitz der „Afrikanischen Compagnie“ wurden nach Emden verlegt. Grund waren die abseitige Lage von Pillau und das geringe Interesse der Königsberger Kaufmannschft.
Die Siedlung am Tief entwickelte sich allmählich von einer öden Sandbank zu einem Hafenplatz und Marktflecken. Als König Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1718 zum ersten Male Pillau besuchte, nannte er es sein „Klein-Amsterdam“; er verlieh ihm 1725 Stadtrechte. Das damals eingeführte Stadtsiegel zeigt das noch heute geführte Krone. In dieser Zeit fallen allerlei Bauten, so der des Zeughauses von 1707, der Kommandantur von 1739 und des Rathauses von 1746.

Treue in Notzeiten des Staates
Bald kamen schwere Zeiten. Im Siebenjährigen Krieg hielten die Russen Pillau fünf Jahre lang besetzt. Sie legten zum Schutze des Hafens den „Russischen Damm“ an. Die Einwohner hielten jedoch treu zum König, wie es auch die „Pillauer Verschwörung“ beweist. Der Postmeister Wagner und zwei andere wurden zum Tode durch Vierteilen verurteilt, aber zur Verbannung nach Sibirien begnadigt. Nach fünf Jahren kehrten sie aus Turuchansk zurück.
Ebenso schlimm war es, als 1807 die Franzosen heranrückten und die Festung zur Übergabe aufforderten. Aber Oberst von Herrmann, ein Veteran des Siebenjährigen Krieges, lehnte ab; er ließ die Besatzung an seinem Sarge schwören, unerschütterlichen Widerstand zu leisten: „Preußen oder der Tod!“ Der Waffenstillstand beendete die Feindseligkeiten. (Zeitgenössische Zeichnung. Der Schwur des Obersten von Herrmann. Während der Belagerung Pillaus 1807 durch eine französische Übermacht ließ der Kommandant, Oberst von Herrmann, die Garnison im Hof der Festung antreten. Er stellte sich vor seinen Sarg und hielt dann die folgende Ansprache: „Kameraden, lebendig übergebe ich die Festung nicht, hier ist mein Sarg. Wer mich überlebt, wird die Reste seines Befehlshabers, hoffe ich, darin einsenken. Hier vor aller Augen erneuer ich den Schwur, den ich bei Beginn meiner militärischen Laufbahn meinem Monarchen und dem Staat geleistet. Wer ein braver Kerl ist, wiederhole ihn mit mir: Preußen oder der Tod!“

Im 19. Jahrhundert leitete das Jahr 1865 eine neue Epoche für Pillau ein; es erhielt Eisenbahnverbindung mit Königsberg. Der Hafen gewann damit eine Bedeutung, die er bis dahin nie gehabt hatte. Durch die Eisenbahn mit ihrem Anschluss an das russische Netz erhöhte sich der Verkehr derart, dass sich die Hafenanlagen als ganz unzulänglich erwiesen. Sie wurden großzügig umgestaltet. Die Molen am Seetief wurden verlängert, ein Vorhafen von 25 Hektar in das Haff vorgeschoben und ein Kai von 1500 Meter Länge mit Bahnanschluss geschaffen. 1887 war das Werk vollendet; Pillau war ein moderner Hafen geworden, in dem namentlich im Winter Hochbetrieb herrschte. Aber schon nahte wieder das Unglück (Pillau: Diese Aufnahme gibt einen umfassenden Überblick über den Stadtkern von Pillau; der Leuchtturm (links im Bild) ist ein guter Orientierungspunkt. Rechts, hinter dem Leuchtturm, der Ausgang zur See)

Umstellung nach dem Bau des Seekanals

1901 wurde der Seekanal von Pillau nach Königsberg in Betrieb genommen. Er ist 32 Kilometer lang und acht Meter tief; auch große Schiffe können daher Königsberg erreichen, ohne in Pillau zu leichtern oder auch nur anzulegen. Mit Hilfe von Eisbrechern ist er auch im Winter befahrbar. Er bedeutete eine schwere Schädigung von Pillau, das in eine Notlage geriet. Große Bauten (Amtsgericht, drei Schulen, Katholische Kirche, Kasernen für Infanterie und Artillerie usw.) milderten den Niedergang. Es war geboten, nach anderen Verdienstmöglichkeiten Ausschau zu halten. Es entstanden und vergrößerten sich Industriebetriebe, wie die Seefischereigesellschaft „Germania“, das Dock der Firma F. Schichau-Elbing für die Probefahrten der von ihr für deutsche und ausländische Besteller gebauten Torpedoboote, ein Kalksandsteinwerk und manches andere. Die Fischerei stellte sich auf Motorkutter um, es gab deren etwa fünfzig, für den Fang von Lachsen und Sprotten; Fischkonservenfabriken verarbeiteten die Fänge.

Im Sommer war Pillau das Ziel zahlreicher Ausflügler aus der nahen Großstadt Königsberg, auch Badegäste fanden sich in steigender Zahl ein. Die Pillauer Woche, seit 1911, mit Segelregatten, namentlich des Segelklubs „Rhe“, des ältesten Deutschlands, dem großartigen Hafenfest mit Korsofahrt phantastisch geschmückter Boote, Wettrudern, Strandfest sowie Veranstaltungen lockte in steigendem Maße Fremde an. In diesem Rahmen wurde auch 1913 das vom Kaiser der Stadt geschenkte Denkmal des Großen Kurfürsten eingeweiht.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Pillau durch die Abtrennung des Memelgebietes der einzige Seehafen Ostpreußens, und die Stadt gewann damit an Bedeutung. Sie wurde deshalb 1921 Marinestandort, auch wurde der Seedienst Ostpreußen geschaffen, der jährlich weit über hunderttausend Passagiere beförderte. Für die Jugendwanderer sorgte eine moderne Jugendherberge.
Pillau, durch die frühere Notlage auf manchen Gebieten etwas rückständig, holte auf und schuf moderne Einrichtungen. Es erhielt Wasserleitung und Kanalisation, neben der vorhandenen Gasanstalt elektrischen Strom, ein großes modernes Hotel am Hafen, gute Straßen, Autobusverbindung mit Neuhäuser, auch einen neuen Seedienstbahnhof. (An der Nordermole. Die Aufnahme rechts zeigt die Nordermole von Pillau. Handelsschiffe streben dem Tief zu, dessen Eingänge von der Norder- und der Südermole gesichert werden. Jede der Molen ist 1100 Meter lang, die Entfernung zwischen ihren Köpfen beträgt 350 Meter. Die Aufnahme links: am Kanal, ein Bild aus dem Pillauer Hafen.)
Dazu entstanden in der Plantage und nach Camstigal zu mehrere große moderne Siedlungen. So blühte Pillau sichtbar auf, aber das Unglück war wieder nicht fern!

Die Pillauer Garnison
Kurz vor Kriegsbeginn konnte Pillau 1936 ein seltenes Jubiläum feiern: Seit dreihundert Jahren war es Standort von Truppenteilen der alten Armee. So war das älteste Regiment des preußischen Heeres, das Grenadierregiment Nr. 4 in Rastenburg, aus der Besatzung von Pillau hervorgegangen. 1914 gehörten zur Garnison Nr. 43 und des Fußartillerie-Regimentes Nr. 17, mit denen die Bürgerschaft eng verbunden war. 1920 erhielt Pillau die V. Marine-Artillerie-Abteilung als Garnison, dazu von 1933 die I. Minen-Suchflottille, womit es zum ersten Male seit der Zeit des Großen Kurfürsten wieder Heimathafen eines Flottenverbandes geworden war.

Soviel über die Entwicklung von Pillau bis in unsere Zeit. Den alten Pillauern ist vieles nicht neu. Ihnen ist das Bild ihrer Stadt ins Herz geschrieben. Sie denken an den Meeresstrand mit Promenade und Strandhalle, an die schattigen Alleen der Plantage, die zum Schützenhaus führten, an den abendlichen „Schlag ums Meer“ längs des Hafens auf dem Bollwerk, an dessen Ende die berühmte „Ilskefalle“ lag, an den Blick auf den regen Schiffsverkehr im Seetief. Mancher höft vielleicht mal im Traum das schauerliche Heulen des Nebelhorns auf der Nordermole.

Ähnlich denken die einstigen Bewohner von Alt-Pillau oder Camstigall an ihre mehr ländlichen Verhältnisse, die Fischer an ihren wohlbesetzten Hafen. Wir wollen schließen mit einem Hymnus den ein Freund von Pillau, ein Ermländer einst sang:
„Pillau, du freundliche Hüterin des Seetiefs, wie fesselte mich deine unwiderstehliche Schönheit in glücklicher Friedenszeit! Du brauchst keinen liebenden Freund, der für Deine reizvolle Vereinigung von idyllischer Romantik und militärischer Stärke, von gemütlicher Krähwinkelei und internationaler Gechäftigkeit werben müsste. Die Fremdenscharen, die alljährlich am Meeresstrand und Dünensand Dir ihre ehrliche Huldigung darbringen, sprechen deutlicher als Wort und Schrift für Deine große, treue Verehrergemeinde!“

Seite 10 Rettung über Pillau. Die Seestadt im Unglücksjahr 1945/Von Hugo Kaftan
Für die Bevölkerung der sieben ostpreußischen Grenzkreise wurde am 19. Januar 1945 die sofortige Räumung angeordnet. Von diesem Zeitpunkt ab bewegten sich gewaltige Flüchtlingsmassen nach Pillau, um auf die Frische Nehrung übergesetzt oder auf dem Wasserwege in Sicherheit gebracht zu werden. Um den 22. Januar herum warteten etwa 60 000 verzweifelte menschen auf ihren Abtransport. Alle Eisenbahnzüge waren überfüllt. Sieben Lazarettzüge mit Schwerverwundeten standen tagelang bei starkem Frost auf den Bahngleisen, bis dann am 25. Januar die ersten „größeren“ Schiffstransporte einsetzten.
Die Explosion des Munitionslagers im Fort Stiehle war der Anfang des Unterganges der Seestadt Pillau. Schwere Bombenangriffe folten dem ersten am 5. Februar 1945. Pausenloser Artilleriebeschuss, besonders nach dem Fall von Heiligenbeil-Balga, Gotenhafen, Danzig und Königsberg (9. April). Es folgten die Kämpfe um das Samland und die Seefestung Pillau. Der Hafen und vor allem das Seetief lagen unter stärkstem Feuer. Flüchtlinge und die restliche Wohnbevölkerung konnten nur während der Nachtstunden mit Prähmen auf die Nehrung übergesetzt werden.
Vom 20. April ab war die Hölle los. Die Burg Lochstädt ging in Flammen auf, und eine Batteriestellung nach der anderen wurde nach hartem Kampf überwältigt oder wegen Mangel an Munition aufgegeben. Am 24. April stand der Russe bereits in der Festungsplantage. In der Nacht wurden 12 200 Soldaten nach der Nehrung übergesetzt und weiter 7000, zum größten Teil Verwundete, gleich nach der Halbinsel Hela, dem letzten Stützpunkt, abtransportiert. In den Morgenstunden des 25. April fielen nach hartem Kampf Stadt und Zitadelle und eine große Zahl der deutschen Verteidiger in die Hand des Feindes. Es folgte der Angriff auf Neutief. Nach Trommelfeuer und heftigem Luftbombardement landete der Russe vom Haff her mit Sturmbooten auf dem Flugplatz Neutief, schlug über das Seetief eine Pontonbrücke und setzte im Laufe des Tages eine ganze Panzerarmee über. Um Mitternacht erfolgte ein starker Frontalangriff unter gleichzeitiger Landung russischer Panzerabwehrkanonen und Infantrie mit etwa fünfzig Schnellbooten von See her und Sturmbooten von der Haffseite. Während die Batterie Mövenhaken ihre Munition bereits am Nachmittag verschossen hatte, konnte die von allen Seiten umstellte Batterie Kaddig, von deren vier Geschützen nur noch ein klar und gefechtsbereit war, erst im Nahkampf, Mann gegen Mann, überwunden werden. Nur wenige Soldaten haben sich der Gefangenschaft entziehen können.

Die Flucht über die Ostsee
Für den größten Teil der ostpreußischen Bevölkerung war eine Rettung aus dem höllischen Inferno, das über sie hereingebrochen war, nur noch über den Seehafen Pillau möglich.
Wenn ich auf die Flucht über die Ostsee zu sprechen komme, liegt mir keineswegs an einer Schilderung von Angst und Panik oder der Gewalt des Elends; ich will versuchen, eine zahlenmäßige Übersicht über das gigantische Rettungswerk von Kriegs- und Handelsmarine und unserer überaus tapferen Seeleute zu geben. Ich nehme vorweg, dass nach amtlicher Verlautbarung über Pillau rund 650 000 Frauen und Kinder mit Schiffen abtransportiert worden sind. Nach den Lagemeldungen des Marineoberkommandos Ost, die mir für meine Arbeit zur Verfügung standen, sind in der Zeit vom 23. Januar bis 29. April von Pillau und dem Osten (Danzig-Gotenhafen-Hela) nach dem Westen und Dänemark insgesamt 467 167 Verwundete, 132 045 Soldaten und 1 359 233 Flüchtlinge auf Schiffen abtransportiert worden. Ganz zuverlässig sind diese Zahlen nicht; mancher Flüchtling wird doppelt, sehr viele aber werden überhaupt nicht gezählt worden sein. Für die Zeit vom 30. April bis 8. Mai fehlen die Lagemeldungen. Wenn ich aber die Unterlagen der Kopenhagener Flüchtlingsverwaltung und die russische Meldung vom 8. Mai 1945, wonach „nordostwärts von Bornholm von etwa dreißig Schiffen mit deutschen Soldaten und Flüchtlingen an Bord, fünfzehn Schiffe mit rund 30 000 Mann versenkt wurden“ berücksichtige, komme ich zu folgenden wirklichkeitsnahen Beförderungszahlen für die ganze Zeit: 503 000 Verwundete, 148 600 Soldaten, 1 409 400 Flüchtlinge, insgesamt 2 061 000 Menschen.

Noch einige Zeilen über den Einsatz der Schiffe seien hier als Anhalt gegeben. Eingesetzt waren vom 23. Januar bis 22. Februar insgesamt 528 Kriegsfahrzeuge und 340 Handelsschiffe mit 1 134 121 BRT. In der Folgezeit sind verschiedene Schiffe ausgefallen, dafür kamen andere zum Einsatz; denn bei der Zuspitzung der Katastrophe wurde, wie der Seemann sagt, auf jeden „fahrbaren Untersatz“ zurückgegriffen. Wie viel Fahrten die einzelnen Schiffe gemacht haben, ich weiß es nicht. Aber als ich am 28. April von Hela aus mit dem Dampfer „Hestia“ zusammen mit dreitausend Leidensgefährten nach Kopenhagen verfrachtet wurde, machte dieses Schiff, wie mir der Kapitän sagte, seine „vierzehnte Fahrt“.

Viele Flüchtlinge, Männer, wie auch Frauen und Kinder, wurden in Pillau mit der „Seeschlange“, Prähmen oder Fähren auf die Frische Nehrung übergesetzt und marschierten die neunzig Kilometer lange vollständig zerfahrene Nehrungsstraße bis Nickelswalde, um dann nach Hela zum Weitertransport befördert werden. Es waren mehr als zweihunderttausend.

Seite 10 Das Pillauer Lied
Von Dr. Hans Parlow, geboren Pillau 1856, gestorben Granada 1928

Es liegt eine Stadt
Am Baltischen Meer,
Die führt im Wappen
Den silbernen Stör.

Ein Schwedenkönig
Hat sie gepflanzt,
ein Preußenkönig
hat sie verschanzt.

Bei Sturm aus Nordwest
Treibt der Bernstein herbei,
und auf ihren Dünen
blüht Seemannstreu.

Ihre Dächer sind rot,
ihre Linden sind grün,
und weiß sind die Möwen,
die über ihr ziehn.

Hoch auf dem Rathaus
Dreht sich der Stör,
und leuchtet hinaus
auf das Baltische Meer.

Seite 13 Ortelsburg, Suchdienst
Frau Elma Kunz, früher Ortelsbug, Lehmaner Weg 3, sucht ihren Mann, Herbert Kunz, geb. am 23.06.1903. Herbert Kunz war während des Krieges Forstbeamter im polnisch besetzten Gebiet, jedoch immer in Ortelsburg gemeldet. Landsleute, die über Herbert Kunz Auskunft geben können, bitte ich, direkt an Frau Elma Kunz (21a) Vreden-Gr.-Mast, Kreis Arhaus, Westf., Bezirk Münster, Mitteilung zu machen.