Hallo Frank,
nachfolgend aus
"Ursprung und Bedeutung der Ortsnamen im
Stadt- und Landkreise Breslau"
von Paul Hefftner.
Mit einem Stadtplan und einer Kreiskarte
Ferdinand Hirt
Königliche Universitäts- und Verlagsbuchhandlung
Breslauer, Königsplatz 1
1910
2 Hinweise zu Jäschkittel:
S. 89:
Jäschgüttel,
1155 Jascotele, 1281 Jaschoczel, 1282 Jeschkotel und der Besitzer
Jeschko Qualis (zu chwalić loben, ehren) 2), 1292 Jaschotel, 1317
Yeskytil, 1318 Jeskutil und Yeskotyl, 1353 Jaskutel, 1354 Jäsch-
küttel, 1360 Jeschkütil, 1367 Fleischoern, 1369 Jeschketil oder
zum Fleischauern, 1506 und '69 die Güter Poln. Gandau und
Jeschkittel, Rep. Frob. Jeschkozell, Lib. f. Jescoczil, 1630 Jetsch-
kittel, 1678 Jaschkittel. Das durch deutschen Einfluß zu Jänsch
2) 1272 begegnet der Pn Chwalisiua, 1277 Yesco gen. Queliz, öfter
Jasco Jesco und 1331 Domherr Heinr. v. Jescotil.
S. 90:
umgelautete Jasch ist ein Kosename zu Jan, Johann, Hans; das
angehängte -güttel ist aus cotel, kutel, kütel, kuttel (Eingeweide
der Schlachttiere) hervorgegangen. Es beweist, daß mit oder bald
nach Anlegung des O die einer Schlächterei erfolgte (Kuttelhof ==
Schlachthof) und erklärt zugleich die N Fleischoern und Fleischauern
als Fleichbänke (Erläuterung unter Blankenau).
Mit der nach deutschem Sprachgebrauch üblichen Nachstellung
des Grundwortes hinter das Bestimmungswort würde hier der N
Kutteljasch oder -hans zum On geworden sein. Durch slawische
Einwirkung wurde das Grundwort Jasch vor- und das Bestimmungs-
wort kuttel nachgestellt. So entstand Jaschkutel, das nach viel-
fachen Veränderungen zu der jetzt amtlich gültigen Schreibung
gelangt ist. Im Strehlener Kreis gibt es ein Jäschkittel (1428
Jesketel), dessen N ebenso zu erklären sein wird, wie unser J.,
oder durch Kittel = faltiges Obergewand, nach deutschem Sprach-
gebrauch also Kittelhans. Andere On derselben Art: Kuttel Kr.
Glatz, Kuttlau Kr. Glogau, Kuttelberg in Österr.-Schlesien. Die
Pn Wo-, Woh-, und Wogkittel zeigen eine ähnliche Zusammen-
setzung wie unser On; ihre Bedeutung ist unsicher.
Vgl. die folgenden N.
Abkürzungen.
ahd. = althochdeutsch.
ags. = angelsächsisch
altn. = altnordisch
asl. = altslawisch
Bzh. Bhptm. = Bezirkshauptmannschaft (in Österreich)
bulg. = bulgarisch
č. čech. = tschechisch
d. = deutsch
germ. = germanisch
got. = gotisch
Gouv. = Gouvernement (in Rußland)
gr. = griechisch
kelt. = keltisch
klr. = kleinrussisch
Krh. Khp. = Kreishauptmannschaft (im Königr. Sachsen)
kroat. = kroatisch
Landb. = Landbuch des Fürstentums Breslau (etwa vom Jahre 1360)
lib. f. = liber fundationis episcopatus Wratislaviensis,
14. Band des Codex diplomaticus Silesiae
lit. = litauisch
magy. = magyarisch
mhd. = mittelhochdeutsch
mnd. = mittelniederdeutsch
Mikl. = Miklosich
mlat. = mittellateinisch
N = Name
nd. = niederdeutsch
nhd. = neuhochdeutsch
nld. = niederländisch
ngr. = neugriechisch
nord. = nordisch
nsl. = neuslowenisch (in Krain pp.)
nsorb. osorb. = wendisch in der Nieder- und Oberlausitz
O, Ö u. On = Ort, Örter und Ortsnamen
Pn = Personennamen
polab. = polabisch, elbslawisch
p. poln. = polnisch
Rep. Frob. = Repertorium Frobenii, Inhaltsverzeichnis in 2
geschriebenen Foliobänden zu den Landbüchern des
Fürstentums Breslau aus dem 16. Jahrhundert
(vgl. unter Literatur)
Reg. = Regesten, Sammlung von Urkunden
Rgb. = Regierungsbezirk (in Preußen und Bayern)
russ. = russisch
sc. scil. = scilicet, nämlich
scr. skr. = Sanskrit
serb. = serbisch
slov. = slovakisch (im nördlichen Ungarn)
wend. = wendisch.
MfG
Andreas