Niederschlesien August 2001

In einer eMail vom 30.08.01 22:12:44 (MEZ) - Mitteleurop. Sommerzeit schreibt
Leistritz.Leipzig@t-online.de:

So konnten wir wohtuend feststellen, dass nicht in jeder Ecke eine
Döner-Bude steht oder in Grenznähe hunderte Meter lange Stände aufgebaut
sind an denen Vietnamesen ihren Krimskrams verkaufen. Auch vermissen die
Polen nicht, die bei uns in jeder Kleinstadt betriebenen Gaststätten aus
aller Herren Länder. Sie müssen sich auch nicht Einwanderer von
fruchtbareren Völkern ins Land holen.

Hallo Wolfgang,
obwohl ich Ihren Reisebericht informativ fand und mir sein Bemühen um
Verständnis gegenüber den Polen gefiel, stoßen die oben zitierten galligen
ausländerfeindlichen Bemerkungen sehr unangenehm auf. Man fragt sich dann
unwillkürlich, ob nicht vielleicht das ganze Verständnis noch auf sehr dünnem
Eis steht. Ist Ihnen z.B. bekannt, dass das erste Kaffeehaus in Wien während
der türkischen Belagerung von einem griechischen Flüchtling eröffnet wurde?
Oder dass die Famile Goethe in Frankfurt enge Beziehungen zu italienischen
Kaufmannsfamilien pflegte, zu denen auch die Jugendfreundin Johann Wolfgangs,
Maximiliane Brentano gehörte? Oder dass die preußisch-deutschen Dichter
Theodor Fontane und Friedrich de la Motte Fouqué u.v.a. von
französisch-hugenottischen Flüchtlingen abstammten?

Fällt ihnen nicht auf, dass Ihre - sicher mit großer Erbitterung formulierten
- Bemerkungen beleidigen? Und zwar nicht nur die angesprochenen Türken,
Vietnamesen und ausländischen Gastwirte allgemein, sondern auch einen großen
Teil der Listenmitglieder? (Ich nehme an, dass Ihnen deutsche Gaststätten in
Polen nicht missfallen hätten.)

In der Liste wurde das leidige Thema der Ausländerfeindschaft schon zur
Genüge ausgebreitet und diskutiert, und jedesmal haben sich wertvolle
Mitglieder wütend verabschiedet. Das ist Ihnen (keinem ganz Neuen mehr, dem
man vielleicht noch einige Rempelei durchgehen ließe) sicher nicht entgangen.
Nehmen Sie also bitte zur Kenntnis, dass Ergüsse der erwähnten Art in der
Schlesien-Liste nicht erwünscht sind.

Grüße aus Hilden,
Günther Böhm

Lieber G�nther B�hm,

Ihren Bemerkungen zum Reisebericht kann ich mich voll und ganz anschliessen.
Ich finde es unertr�glich unter einem Deckm�ntelchen von Pluralismus und dem
"Zugest�ndnis" nationaler Identit�ten platte, ausl�nderfeindliche und
beleidigende �u�erungen in diesem Forum zu verbreiten.

Ich finde es auch richtig, wie Sie darauf hinzuweisen das hier
diskriminierende �usserungen gemacht worden sind, obwohl mein erster
Gedanke, nicht *schon wieder* eine Diskussion auszul�sen, die nichts mit
Genealogie zu tun hat den Impuls verdr�ngte, auf diese f�r mich
unversch�mten S�tze spontan zu reagieren. Ich h�tte wohl doch meiner
Emp�rung schneller Ausdruck verleihen sollen.

mfg

Thomas Daroszewski