Diese Diskussion finde ich hier sehr spannend - über die "variablen" Nachnamen im Westfälischen habe ich mir in einigen Zweigen meiner Vorfahren heftig den Kopf zerbrochen. Das "...meyer" ist jetzt für mich nicht unbedingt ein starkes Indiz, dass auf eine bestimmte Hofgröße schließen lässt. Zudem haben die vom Hof abgehenden Söhne und Töchter den Familiennamen mitgenommen - und manche kommen dann in ihrer Existenz oder ihre Nachkommen nicht über den Stand des Tagelöhners hinaus.
Die Idee, dass diese Namensendung stets auf den Träger einer bäuerliche Stätte (in Westfalen) einer bestimmten Größe zuordnen zu wollen muss meiner Ansicht nach scheitern.
Als viel wichtiger erachte ich das sehr, sehr gründliche Studium der vorhandenen Quellen bei Dörfern im Westfälischen. Also nicht nur im Kirchenbuch nach dem vertrauten Namen suchen, sondern auch dort sich langsam an die verschiedenen Höfe heran tasten. Dazu wenn vorhanden, Steuerlisten, Brautschätze, Eheberedungen studieren, damit Fehler bei der Zuordnung vermieden werden können. (Denn häufig genug taucht ein Familienname auf 3 oder 4 Höfen auf und es ist manchmal sehr anstrengend das auseinander zu "knoten". (Und wenn ein neuer Pastor von außerhalb kam, gibt es manche Verwirrung in den Büchern...)
Ein Beispiel, für das ich sehr lange gebraucht habe - bewusst ein Beispiel ohne die Namensändung ...meyer.
Es gab einen Kuhlmann auf Kuhlmanns Stätte - ein freier Juncker und Vollspänner stand dazu im Kirchenbuch von Lerbeck (nahe Minden)
Als seine Tochter (Anerbin) einen Pape heiratete, behielt die Tochter den Namen und der Name des Vaters wurde von Pape, zu Pape auf Kuhlmanns Stätte bis hin zu Kuhlmann...
In der nächsten Generation heiratete einer der Söhne, der den Namen Kuhlmann führte zu einer Stohlmann auf Blekens Stätte... Im Kirchenbuch tauchten alle möglichen Namensvarianten auf - Kuhlmann verschwand quasi.
ABER - durch einen Erbfall zog die Familie ins Schaumburgische - und plötzlich hieß die ganze Familie "Kuhlmann" - was dann auch so blieb - natürlich in vielen Varianten, mal mit "C", mal mit einem "m", mal mit "mm"...
Vielleicht ist diese Publikation hilfreich - gibt es über Fernleihe:
Äcker, Wirte, Gaben: Ländlicher Bodenmarkt und liberale Eigentumsordnung im Westfalen des 19. Jahrhunderts von Georg Freitag. (Gibt auch ein paar Leseproben bei Google Books)
Mit herzlichen Grüßen
Corinna (Linsner)