Namensendung … meyer bei westf. Familiennamen

Hallo Listemleser,

vielen Dank für Eure Mitteilungen. Ich denke, daß im Rheinland Meierhöfe grüßere Höfe waren, denen kleinere Höfe und Kotten angeschlosen waren. In Westfalen hingegen wurde wohl bei jeder Familie die einen Hof (klein oder groß) bewirtschaftete beim Namen die Endung „meyer“ angehängt. Hierfür spricht nach meiner Ansicht zum einen, daß es auch in kleineren Orten eine ganze Reihe von Meyerfamilien gab. Zum anderen werden meine Vorfahren in den KB tlw. als Anbauern genannt, was m.E. nicht auf die Bewirtschaftung eines größeren Hofes schließen läßt.

Bei gegenteiliger Ansicht bitte ich um Eure Mitteilung.

Viele Grüße
Werner (Weikart)

Hallo Werner ,

vielen Dank für Eure Mitteilungen. Ich denke, daß im Rheinland Meierhöfe grüßere Höfe waren, denen kleinere Höfe und Kotten angeschlosen waren.

Nein, im Rheinland haben wir das Meierrecht nicht, wohl aber Reste des Fronhofsystems. Die grossen Güter wurden in Zeitpacht verpachtet, die anderen Höfe eher in Erbpacht. Das, was du beschreibst, gab es nur noch im hofrechtlichen Sinne, in dem der Fronhofverband fortbestand.

In Westfalen hingegen wurde wohl bei jeder Familie die einen Hof (klein oder groß) bewirtschaftete beim Namen die Endung „meyer“ angehängt.

Nein, viele Gegenden in Westfalen kennen den Namen Meier nicht,

Hierfür spricht nach meiner Ansicht zum einen, daß es auch in kleineren Orten eine ganze Reihe von Meyerfamilien gab.

Du musst unterscheiden zwischen dem Beruf des Hofpächters und den reinen Familiennamen. In vielen Gegenden in Westfalen ( zB Soester Börde) gab es keine festen Familiennamen der Bauern. Sie nannten sich nach den Höfen. Daneben gab es Gegenden, wo die Hofnamen zu sogenannten Genanntnamen wurden. Das bedeutete im tägl Gebrauch dominierte zwar dieser Name, verdrängte aber d eigentl Familiennamen in offiziellen Akten nicht.

Das sog Meierrecht unterscheidet nicht die Hofgrösse, da es es ein Pachtrecht ist. Deshalb wurden in westfäl Territorien auch Höfe aller Art und Größe nach dieser besonderen Rechtsform ( Einzelheiten siehe Wikipedia etc) vergeben. Folglich tauchen in diesen Gebieten auch Familiennamen Meier, Schulte oder Varianten von ihnen -meyer, -schulte auf, die sich davon ursprünglich ableiten. Da eben dort viele Bauern ihren Hof nach Meierrecht bekamen, war klar, dass dort viele danach benannt wurden, der Meier des Schneiderhofes war der Schneidermeier, die Bauer, der Schulte hiess mit Familiennamen ( ohne noch ein Schulte zu sein) hiess auf dem Bleikenhof eben Bleikschulte. In manchen Fällen blieben sogar die Familiennamen Meier oder Schulte einfach bestehen ubd bekamen einen Genanntnamen. angehängt Schulte gt Luitnsnts, Meyer gt Aufers. Dies alles nur einmal kurz dargelegt. Die Namensgebung in den westfälischen Territorien variiert sehr stark.

Zum anderen werden meine Vorfahren in den KB tlw. als Anbauern genannt, was m.E. nicht auf die Bewirtschaftung eines größeren Hofes schließen läßt.

Richtig, das waren oft eher Kleinbauern, wobei du immer den Einzelfall untersuchen solltest. Denn ein Halbspänner/ Halbmeier war in westfäl Gegenden ein Bauer auf einem mittleren Hof. Der Namensàhnliche Halbmann im Rheinland hingegen ein Gutspächter.

Gruss
Frank Stupp

Diese Diskussion finde ich hier sehr spannend - über die "variablen" Nachnamen im Westfälischen habe ich mir in einigen Zweigen meiner Vorfahren heftig den Kopf zerbrochen. Das "...meyer" ist jetzt für mich nicht unbedingt ein starkes Indiz, dass auf eine bestimmte Hofgröße schließen lässt. Zudem haben die vom Hof abgehenden Söhne und Töchter den Familiennamen mitgenommen - und manche kommen dann in ihrer Existenz oder ihre Nachkommen nicht über den Stand des Tagelöhners hinaus.

Die Idee, dass diese Namensendung stets auf den Träger einer bäuerliche Stätte (in Westfalen) einer bestimmten Größe zuordnen zu wollen muss meiner Ansicht nach scheitern.

Als viel wichtiger erachte ich das sehr, sehr gründliche Studium der vorhandenen Quellen bei Dörfern im Westfälischen. Also nicht nur im Kirchenbuch nach dem vertrauten Namen suchen, sondern auch dort sich langsam an die verschiedenen Höfe heran tasten. Dazu wenn vorhanden, Steuerlisten, Brautschätze, Eheberedungen studieren, damit Fehler bei der Zuordnung vermieden werden können. (Denn häufig genug taucht ein Familienname auf 3 oder 4 Höfen auf und es ist manchmal sehr anstrengend das auseinander zu "knoten". (Und wenn ein neuer Pastor von außerhalb kam, gibt es manche Verwirrung in den Büchern...)

Ein Beispiel, für das ich sehr lange gebraucht habe - bewusst ein Beispiel ohne die Namensändung ...meyer.

Es gab einen Kuhlmann auf Kuhlmanns Stätte - ein freier Juncker und Vollspänner stand dazu im Kirchenbuch von Lerbeck (nahe Minden)
Als seine Tochter (Anerbin) einen Pape heiratete, behielt die Tochter den Namen und der Name des Vaters wurde von Pape, zu Pape auf Kuhlmanns Stätte bis hin zu Kuhlmann...
In der nächsten Generation heiratete einer der Söhne, der den Namen Kuhlmann führte zu einer Stohlmann auf Blekens Stätte... Im Kirchenbuch tauchten alle möglichen Namensvarianten auf - Kuhlmann verschwand quasi.

ABER - durch einen Erbfall zog die Familie ins Schaumburgische - und plötzlich hieß die ganze Familie "Kuhlmann" - was dann auch so blieb - natürlich in vielen Varianten, mal mit "C", mal mit einem "m", mal mit "mm"...

Vielleicht ist diese Publikation hilfreich - gibt es über Fernleihe:

Äcker, Wirte, Gaben: Ländlicher Bodenmarkt und liberale Eigentumsordnung im Westfalen des 19. Jahrhunderts von Georg Freitag. (Gibt auch ein paar Leseproben bei Google Books)

Mit herzlichen Grüßen
Corinna (Linsner)

Hallo Werner,

ich glaube, die Endung ..meier wurde in Ostwestfalen (Lipperland) als Namensendung bei Bauerhöfen verwendet im westlichen Westfalen wurde die Endung ..schulte verwendet.

Haltet weiterhin Abstand

Udo Niederschulte