Namensbezeichnung

Hallo liebe Listenteilnehmer,

Ich finde bei Vor- oder Nachnamen gelegentlich den Zusatz "gen." oder
"genannt". Kann mir eine sagen, was es damit auf sich hat und welche
namensrechtliche Bedeutung das hat? Ist das eventuell nur eine persönliche
Eigenheit der Person?

Gruß

Klaus

Hallo Klaus:

Ich finde bei Vor- oder Nachnamen gelegentlich den Zusatz "gen." oder
"genannt". Kann mir eine sagen, was es damit auf sich hat und welche
namensrechtliche Bedeutung das hat? Ist das eventuell nur eine persönliche
Eigenheit der Person?

Es war eine Art "Spitz- oder Rufname, die der Betreffende allerdings
wohl immer führte, möglicherweise seinen echten Nachnamen nicht kannte.
  Ich kenne einen Fall aus Oberschlesien, Kreis Beuthen, etwa 1810 ff,
wo der Betreffende unter diesem Spitz-Namen seine Kinder taufen ließ und
später sogar bei Gericht eine Gärtnerstelle kaufte. Siehe:

  www.christoph-www.de/robothgaertner-vertrag.html

Der Betreffende war ein einfaches Gemüt, unterschrieb bei Gericht mit
drei Kreuzen! Der Pfarrer allerdings schrieb an den Rand: "DUPASHECK ist
Spitzname und muss MALETZ heißen“

Schönen Gruß

Claus (Christoph)

Hallo Klaus,
als Ergänzung zu der Mitteilung von Claus habe ich Dokumente aus
viel früheren Zeiten (um 1400), in dem der Sohn mit dem gleichen
Vornamen (Witigo und Abwandlungen davon) wie der Vater hatte.
Der Sohn wurde zusätzlich nach dem Kosenamen (Witche) genannt.
Sein Sohn dann nach der Burg,
Sigismund Böheim/Beheim/Behem, genannt von Swarczenwalde

Es kommt also immer auf den Zeitraum der Erwähnung an.

Herzliche Grüsse aus Upstate New York,
Guenter (Boehm)

Ich kenne mich mit der niederschlesischen Namensgebung nicht so gut aus.
In Teilen Norddeutschlands und, wie ich neulich hörte, auch in Bayern,
wurden die Genannt-Namen anders benutzt als bisher erklärt. Ich komme
aus dem Münsterland, wo jeder Familienforscher, sofern er Bauern unter
seinen Vorfahren hat, fast ständig mit diesen Namen zu tun hat.
Es handelt sich dabei um Hofnamen - nicht selten aus dem Mittelalter -
die fast immer auf die jeweiligen Bewohner dieses Hofes übertragen
wurden. Wenn ein junger Bauer auf einem Hof einheiratete, behielt er
zwar offiziell seinen Geburtsnamen, wurde aber in der Bevölkerung nach
dem Namen des Hofes genannt. Bei der Taufe der Kinder stand dann z.B.
Schaeff gnt. Eickrodt. Die Kinder trugen dann gewöhnlich nicht den
Geburtsnamen des Vaters (hier Schaeff) sondern tauchen bei ihrer
Hochzeit dann unter dem Hofnamen auf, eine Generation später ist der
ehemalige Name des Vaters vergessen.
Es konnte also sein, dass der Name der Mutter weiter geführt wurde, wenn
diese die Hoferbin war. Genauso oft konnte es sein, dass beide
Ehepartner ursprünglich einen anderen Namen führten. Mein Beispiel,
Heidenreich Schaeff übernahm mit seiner ersten Frau, einer Margarete
Bergmann, den Hof Eickrodt, nach dem dann beide genannt wurden. Immerhin
war sie eine Nichte des ehemaligen Hofbesitzers Eickrodt. Nach ihrem Tod
heiratete Schaeff eine Frau Wilhelmine Ostenfelde, die mit den Eickrodts
nicht verwandt war, aber die gemeinsamen Kinder hießen natürlich auch
Eickrodt.
Ich schildere das deshalb so ausführlich, weil die Hofnamen und auch das
"genannt" hierzulande noch nicht völlig ausgestorben ist, obwohl der
Gebrauch 1919 abgeschafft wurde. Wer in Gegenden mit Hofnamen forscht,
darf nie davon ausgehen, dass er einfach eine Namenslinie verfolgen kann
- da könnte man ganz schnell in die Irre geraten. Ich habe unter meinen
Vorfahren etliche Familien, wo der Name von Generation zu Generation
wechselte, weil meine Vorfahren eben gerade nicht den Hof erbten,
sondern auf einen anderen Hof einheirateten. Wenn man das weiß, muss man
einfach aufpassen, wie man das sonst bei Mütterlinien ja auch muss, um
dann den jeweils richtigen Namen zu suchen.
Angesichts der neuen Patchworkfamilien vermute ich, dass die
"Genannt-Namen" wenn auch inoffiziell wieder im Kommen sind. Nachbarn
neigen dazu, eine Familie so zu nennen, wie sie den Namen einer Person
kennt. Z.B. haben mein Mann und ich unterschiedliche Namen, unsere
Kinder heißen nach mir. Folgerichtig wird mein Mann hier im Dorf von
vielen mit meinem Namen genannt. Er trägt, weil unehelich, den
Geburtsnamen seiner Mutter, was er aber als kleiner Junge gar nicht
wusste, weil er natürlich mit ihrem Ehenamen genannt wurde. Beispiele
dieser Art kennt sicher jeder. Es zeigt, wie die Genannt-Namen zustande
kamen und immer noch kommen - auch wenn es sie offiziell nicht mehr
gibt. Der Unterschied besteht dann wohl darin, dass sie sich nicht mehr
festigen können.
Viele Grüße
Rotraud

Liebe Rotraud,
diese von Dir beschriebene Namensregelung kann ich durch meine Suche in den
Kirchenbüchern von Muskau, heute Bad Muskau, für die dortige Region
bestätigen. Es war dort bis ca 1830 auch so
Gruß
Werner (Wicke)

Hallo,
hier möchte ich noch ein prom. Beispiel anführen:
Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus
Grüße
A. Beyer

Hallo,

ich weiß von einem Fall (Geburt 1915), da hat man dem Kind den
Vornamen des Paten gegeben - dieser hieß Adam. Da aber der
Vater des Kindes auch schon Adam hieß und dieser Vorname der
Familie ansonsten nicht allzu sehr gefiel, nannte man den Jungen
von Anfang an Alfred.

Im Ausweis und Reisepaß stand später: Adam genannt Alfred.
Ebenso beim Schriftverkehr mit dem Finanzamt und bei gericht-
lichen Angelegenheiten etc.

Mit freundlichen Grüßen

Ingeborg Thaufelder geb. TZSCHOPPE

Hallo Werner suchst du immer noch in den Kirchenbüchern von Bad Muskau?
Wenn ja, würde ich dich gerne Bitten auf die Namen MÖBUS, KOHL und KAHOUN zu
achten.
Über jeden Hinweis wäre ich dir sehr dankbar.
Viele Grüße
Gerd

Hallo Klaus,

da möchte ich mich der Frage anschließen, aus folgendem Grund:

Es steht dort:
1659 - 1707 Pfarrer in Bredow. Sein Nachfolger war Christian Meißner.
In der Schrift "Altpreußisches ev. Pfarrerbuch von der Reformation bis zur
Vertreibung 1945" von Friedewald Möller steht: "FEUERHERD, der aber sonst
FÜGERER heißt, Pfarrer um 1668 in Bredow

Viele Grüße

Klaus-Peter (Fitzner)