Namensänderungen

Hallo Listies,

viele von Euch werden sicherlich auf Namens�nderungen gesto�en sein....als unter Hitler polnischst�mmige Familiennamen abgelegt werden sollten/ mussten.
Hat jemand von Euch den Originaltext der stets auf Urkunden vermerkten Verordnung und weitere Details dazu? Wieviel Druck wurde in dieser Angelegenheit gemacht?

In diesem Zusammenhang habe ich an die Familienforscher nachfolgender Generationen gedacht, die nicht mehr das Gl�ck haben durch die Erz�hlungen der Gro�eltern von solchen Namens�nderungen zu erfahren. Ob es nicht Sinn machen w�rde eine Datenbank anzulegen, um Namens�nderungen aus dieser Zeit zu erfassen? Wenn unsere Generation nicht fix mit einer solchen Sammlung beginnt- wer sonst? Wenn man schaut wieviel Verwirrung die Hausnamen in einigen Regionen stiften oder die ostfriesische Namensgebung- um wieviel schwerer ist dann eine solche H�rde, wenn sich die Familien einen beliebigen neuen Namen aussuchten konnten ohne Bezug zu Vorgenerationen oder Wohnorten? Wer nicht die Original Standesamtsurkunden finden kann wird nie erfahren, unter welchem Namen die Familie vor dem Krieg lebte....was f�r eine H�rde!
Es k�nnte in der Form geschehen: urspr�nglicher Name der Familie, Wohnort, neu gew�hlter Name.

Was w�rdet Ihr davon halten bzw. gibt es so etwas schon irgendwo?

Liebe Gr��e
Doris (Reuter)

Liebe Doris,

das mit den Namensänderungen ist keine einfache Angelegenheit.
Sie geschahen und geschehen nicht nur aufgrund politischer Begebenheiten,
sondern auch aus "sozialen" Gründen. Dazu kommen Momente, dass z.B.
Standesbeamte, Kirchenmänner Namen falsch verstanden und sie falsch
aufschrieben. Man darf auch nicht unberücksichtigt lassen, dass es Analphabeten gab,
die ihren eigenen Namen auch nur vom "Hörensagen" kannten. Dazu kommt, dass
Menschen ihre Namen an das jeweilige Immigrationsland anpassten.
so wurde aus ALEXANDER - ALEX aber auch SANDER, SAUNDERS,
SANDERSON, SANDERSEN und eben auch SANDERS. :wink:
Bei REUTER kommen Namen wie RETTER, RÄUTER, RÄUTLER, REITER in
Betracht.
Hitler (klein geschrieben) hieß ursprünglich HÜTTELER (o.s.ä.) und er war nicht unbedingt
"der Faktor", der zwang, polnisch-stämmige Familiennamen abzulegen. Polnische FN wurden
bereits vor dem II. WK abgelegt - und nicht nur in Deutschland, sondern auch allen anderen
Immigrationsländern - ebenso wie englische u.a. entweder verdeutscht oder deutsche verenglischt
wurden.
Einen sehr guten Hinweis gibt das "Lexikon der Familiennamen polnischer Herkunft im Ruhrgebiet",
Hrsg.: Rymut, Kazimierz und Hoffmann, Johannes, Krakow 2006 (Band I und II), das zumindest
für dieses Gebiet die Problematik aufgearbeitet hat. Wie es in anderen Bereichen aussieht, entzieht sich
meiner Kenntnis.
Viele polnische Einwanderer in Nordamerika z.B. haben ihren Namen beibehalten, viele haben ihn
verenglischt oder nahmen ganz andere Namen an. Da eine Zusammenstellung zu errichten, ist
schier unmöglich. Das wäre keine Lebens-Aufgabe, das wäre eine Jahrhundert-Aufgabe.

Da Du "Hausnamen", auch "Beinamen" genannt, erwähnst, kommt dieser schwierige Umstand ebenfalls
hinzu. In allen Regionen wurden oftmals Namen der Hausbesitzer oder früheren Hausbesitzer,
die einen völlig anderen Namen hatten (!), übernommen. Viele Menschen übernahmen Namen ihres
Herkunftortes, oder erhielten Namen nach Charakter (SÜHNENICHT), Aussehen WEISSHAUPT),
Stand innerhalb der Gemeinschaft (KÖNIG, HAUPT), etc.
Wo könnte man da anfangen und wo würde man enden ?
Noch ein kleines Beispiel zum Schmunzeln : Liz Taylor wird liebevoll Lischen Schneider in Deutschland
genannt - und Michael Jackson - Michael, der Sohn von Jakob ?... :wink:

Liebe Grüße --- Gisela

Hallo Doris,

es ist richtig, dass es w�hrend des "12j�hrigen Reiches" Namens�nderungen der beschriebenen Art gegeben hat, die slawisch (nicht nur polnisch!) klingende Namen betrafen. Solche �nderungen wurden durchaus nicht immer zwangsweise durchgef�hrt, insofern gibt es da keine Systematik. Interessant mag sein, dass es Anpassungen der Namensform an das im Lande jeweils �bliche schon lange vor der nationalsozialistischen Zeit gegeben hat. Man wollte sich dadurch ganz einfach zum jeweiligen Staat bekennen. Beispielsweise kam es in Masuren - wo es ja recht viele slawische Familiennamen gab - gar nicht so selten zu solchen Anpassungen.

Schon meine masurischen Urgro�eltern (geboren um die Mitte des 19. Jahrhunderts) berichteten, dass ihre Vorfahren den masurischen Familiennamen dadurch "preu�isch" gemacht h�tten, indem sie einfach die masurisch-polnische Endung -(s)ki gestrichen h�tten. Das war ein bewusster Schritt innerhalb der Familie gewesen, um sein Preu�entum auch nach au�en hin zu demonstrieren. �brigens sprachen meine Urgro�eltern neben Deutsch auch flie�end Masurisch.

Freundliche Gr��e
Rolf-Peter

Hallo Doris,

auf einer Geburtsurkunde vom 22. Februar 1902 ist folgender Randvermerk:

"Der Familienname des nebenbei aufgef�hrten Kindes ist durch Verf�gung des Regierungspr�sidenten in Marienwerder vom 17. April 1970 (I.2 - 85/40) in "Ommler" ge�ndert worden.
Marienwerder den 2. Juli 1940
der Standesbeamte in Vertetung
//Unterschrift//"

Der urspr�ngliche Familienname war "Omieczynski".

Der Namensinhaber war Justizbeamter.

Ob der oben aufgef�hrte Text von anderen Standesbeamten gleichlautent war, ist mir nicht bekannt.

mit den besten Gr��en aus Bergisch Gladbach

Alfred (Steffens)

Hallo ich habe die Formulierung gefunden:

"Der Familienname Szczepanski ist durch Verfügung des Regierungspräsidenten
in Allenstein vom ......... (Aktenzeichen) in "Steltner" geändert worden."

LG
Uli Szepanski

Hallo Doris und Alfred,

"durch Verf�gung des Regierungspr�sidenten in Marienwerder" bedeutet nicht, dass die Namens�nderung von staatlicher Stelle veranlasst worden war. Jede Namens�nderung bedarf der Genehmigung [!] durch die Verwaltung - auch heute noch. Solche Genehmigungen werden per Verf�gung erteilt.

Gru�
Rolf-Peter

Hallo Rolf-Peter,

das ist mir klar. Ich habe nur die Frage von Doris beantwortet.

In meinem Fall war es so, dass der Namenstr�ger auf Grund seines Berufes angehalten wurde eine Namens�nderung zu beantragen.

Mit besten Gr��en

Alfred (Steffens)

Die Erl�uterungen von Gisela sind sehr gut und treffen die gesamte Thematik.
Hier noch ein paar zus�tzlich Punkte bzw. erg�nzende Erl�uterungen:

Es gab vor 1875 keine einheitliche Schreibweise der Namen, so dass sich hier viele Variationen ergeben haben.

Durch Imigration in ein anderssprachiges Land kam es auch zu Namens�nderungen.

Nach 1875 wurde per Personenstandsgesetz und der Einf�hrung der Standes�mter eine einheitliche Schreibweise angestrebt. Dies ist aber lange Zeit noch mit vielen fehlerhaften Schreibweisen der Namen begleitet worden.

Oftmals wurde die Schreibweise des Namens in der Standesamtsurkunde nachtr�glich als Zusatzvermerk eingetragen und per gesetzlicher Verf�gung und Unterschrift des Standesbeamten beglaubigt. Ein hochoffizieller Vorgang.

Desgleichen hielt es sich, wie in den vorhergehenden Antowrt-Mails gelesen, mit den Eintr�gen zu Namens�nderungen.

Sie fanden schon immer statt und auch schon sehr h�ufig nach dem 1. Weltkrieg, aber auch davor.

Die Gr�nde daf�r m�gen sehr unterschiedlich gewesen sein. Warum, steht in den Urkunden jedoch nicht mit drin.

Einen jedoch sehr interessanten Punkt finde ich, dass w�hrend des NS-Zeit bei Juden, wo aus den Vornamen nicht sofort ersichtlich war, ob man j�dischen Ursprungs war, ein zus�tzlicher Vorname (Sara oder Israel) nachtr�glich eingetragen wurde. Diese Eintr�ge habe ich des �fteren in den Allensteinschen Standesamtsunterlagen entdeckt.

Herzliche Gr��e,

     Fritz (Loseries)

Ein Umbenennungs-Gau:

"....habe einen wundersch�nen kurzen Artikel in einem alten MERIAN-Heft von 1968 von Lothringen gefunden, der so sch�n zu den Ver�nderungen bei deutsch-franz�sischen Namen passt:

"Andre Fahnen - andre Namen: 1871, die Preu�en: "Name?" - "La Garde" - "Wird �bersetzt. Sie hei�en also Wache!" 1918, die Franzosen: "Wache? Buchstabieren Sie!" - "Double v... a... c...hache...e" - "Also vache! In Zukunft hei�en Sie Vache!" 1940, die Deutschen: "Name?" - "Vache" - "Wird �bersetzt. Kuh ist also Ihr Name." 1945, die Franzosen: "Kuh?" Buchstabieren Sie!" - "K... �... hache" - "Also cu'. In Zukunft hei�en Sie Cul!" Was Wunder, dass unser guter Lothringer kein Verlangen mehr nach "denne Prei�e" hat: Das krasse G�tz-Wort im Namen?! Jamais!"

http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?p=332454

LS

Fritz, das war in der NS-Zeit staatlich so angeordnet worden und war eine amtliche Kennzeichnung aller J�dinnen und Juden. Seine Entsprechung auf anderer Ebene war der an der Kleidung zu tragende Judenstern.

Gru�
Rolf-Peter