Hallo,
am vergangenen Wochenende habe ich das Buch „Namborner Kirchenbücher
1769-1893, Edition und Bestandsaufnahme“ erhalten, das jüngst von Claudia E.
Schmitt aus Eisweiler verfaßt wurde.
Es ist kein Ortsfamilienbuch, wie sie allgemein jetzt bei uns
herausgegeben werden, sondern tatsächlich „nur“ eine chronologische Abschrift der
Kirchenbücher der katholischen Pfarrei Namborn, die Mitte des 18ten
Jahrhunderts von der Pfarrei Bliesen losgelöst wurde.
Frau Schmitt hat die Personendaten aus den lateinischen Einträgen
entnommen und ihrer Entstehung nach gelistet. Zwar hat sie das originäre Latein
übersetzt - z.B. aus filius legitimus „Jacobi Seiler et Catharinae Wagner“
wurde „S.v. Jakob Seiler und Katharina Wagner“ -, aber die Nachnamen hat sie
- so ich das erkennen kann - in der vorhandenen Schreibweise belassen. Ich
habe es an der Müllerfamilie „Thienes“ ausprobiert, die im Buch als „
Thienes“ und „Thinnes“, „Thines“ und „Thinnis“ sowie „Tines“ und „Tinnes“
vorkommt. D.h. der Suchende tut gut daran, auch Namensvariationen in
Betracht zu ziehen. Am Ende des Buches gibt es zwei Register - eins für Orts-, das
andere für Nachnamen.
Das Buch gliedert sich in die Kapitel „Einführung“, worin Frau Schmitt
auf Ihre Quellen eingeht (Seite 1 bis 18), gefolgt von der eigentlichen „
Edition“, untergliedert in die „Erstkommunion“, „Firmungen“, „Taufen“, „
Heiraten“ und „Sterbefälle“ (Seite 19 bis 640). Die Statistiken im Folgenden
(Seite 641-654) sind recht interessant, vor allem eine Grafik, die die
Altersverteilung bei den Sterbefällen nach Jahren zeigt. Am höchsten zeigt sie
die Sterblichkeit bei Kindern von 1-12 Monaten und 1-6 Jahren. Dann geht
sie drastig zurück (niedrigste bei 17-20 Jahren), um ab den 21-30jährigen bis
71-80jährigen im Durchschnitt auf gleicher Höhe zu bleiben. Gerade vor
kurzem habe ich noch in einem Vortrag den uralten Mist gehört, „daß die Leute
ja früher nicht so alt wurden und schon mit 50 uralt waren und 60 selten
erlebten, und dann die üblichen bitterbösen Blicke geerntet, als ich zu
widersprechen wagte.
Das letzte Kapitel widmet sich der Geschichte der Pfarrei Namborn, und ein
Anhang u.a. mit Quellenangaben und den beiden genannten Verzeichnissen
schließt das Buch auf Seite 713.
Als ich das Buch zum erstenmal in die Hand nahm und kurz reinschaute,
dachte ich: Ojeh, das sind nur Abschriften resp. Übersetzungen der
Originaleinträge, da mußt Du Dir ja alles raussuchen. Aber jetzt, wo ich ein paar
Stunden damit gearbeitet habe, glaube ich, daß das gar nicht mal so schlecht
ist. Die meisten Ortsfamilienbücher kranken m.E. nicht an der Übernahme der
Daten aus den Quellen, sondern an deren Verarbeitung. D. h. der Zuordnung von
Kindern zu Eltern, von Ehepartnern untereinander usw. Da wird gern passend
gemacht, was nicht wirklich paßt bzw. was vermutlich passen könnte.
Dieses Problem umgeht die Autorin in diesem Buch, in dem sie die
Originaldaten „nur“ ins Deutsche übersetzt und es dem Suchenden überläßt, was er
damit macht. Es kostet also immer noch Zeit und Mühe, die Daten heraus zu
suchen.
Und das ist nicht schlecht. Denn damit bekommen all die anderen, die
bisher nur mal schnell in das fertige Familienbuch reingeschaut und ihre
gesuchten Daten dort entnommen haben, eine Idee, wie das ist, vor einem solchen
Schinken zu sitzen und sich die Daten zusammen suchen zu müssen.
Mir haben schon manchmal meine Quellen leid getan, die auf die reinen
Daten reduziert werden. Im Heiratsregister im Pfarrarchi St. Wendel gibt es um
1700 ellenlange Texte in Deutsch, in denen lang und breit erklärt wird, was
da vor sich geht, statt einfach zu schreiben: der da heiratet die da. Wir
sind stellenweise etwas bequem geworden und tendieren dazu, einfach von
anderen abzuschreiben, und den schönen altmodischen Suchvorgang jemand anderem
zu überlassen.
Die Edition eines Kirchenregisters hat natürlich den entscheidenen
Nachteil, daß die enthaltenen Daten sich nur auf eine Gruppe von Menschen
beziehen, nämlich Katholiken. Gerade im 19ten Jahrhundert wohnten aber in dem
Bereich, den damals und heute die Pfarrei Namborn umfaßte, auch Protestanten und
Juden. Und die bleiben in diesem Falle ungenannt. Dabei haben wir Quellen,
die ihre Daten enthalten: die Standesamtsakten, die im Falle von Namborn
bis ins Jahr 1800 zurückreichen. Sie sind reichhaltiger, exakter und
vollständiger. Denn als im Juli 1874 aufgrund der sog. Namborner Krawalle während
des Preußischen Kulturkampfes der Namborner Pfarrer Isbert nach Saarbrücken
ins Gefängnis kam, verzichtete die Pfarrei Namborn auf die Einsetzung
eines Pfarrers, der durch die Obrigkeit benannt worden wäre. Damit blieb die
Stelle 10 Jahre lang vakant, d.h. es gibt keine Aufzeichnungen aus der Zeit
dieser 10 Jahre. Trotzdem wurden Kinder geboren, heirateten Paare und
starben Menschen.
Und dann die Daten z.B. bei vielen Sterbefällen zwischen 1834 und 1842.
Was nutzt es mir, wenn da steht: „Maria Thienes, Albach, + 22.12.1837“?
Woher soll ich wissen, wer das ist, wenn ich zu allen fünf „Maria Thienes“,
die ich habe, weiß, daß sie von der Mühle im Albach stammen und zu allen fünf
schon Sterbedaten habe, die von diesem abweichen?
Was mache ich also: ich nehme dieses Datum und schaue im
Standesamtsregister nach, denn dort stehen die Eltern und das Alter der Gestorbenen dabei.
Insgesamt hat mich die Herausgabe dieser Arbeit sehr gefreut, denn gerade
hier oben im Raum Namborn gibt es in dieser Hinsicht bisher überhaupt noch
nichts. Somit wird nicht etwa eine Lücke geschlossen, sondern ein neues
Feld eröffnet. In einer vielleicht „altmodisch“ anmutenden, weil kaum noch
gebräuchlichen, aber m.E. doch interessanten und den Benutzer durchaus
fordernden Weise.
Starke Sache.
„Namborner Kirchenbücher 1769-1893
Edition und Bestandsaufnahme“
von Claudia E. Schmitt
ces-verlag@gmx.de
CES-Verlag, 2015
ISBN 978-3-930771-99-8
Preis 29,90 Euro
plus 4,50 Euro Porto und Verpackung.
Mit freundlichem Gruß
Roland Geiger