Mutter mit 15 Jahren

Sehr geehrter Herr Henschel,

um 1850 betrug die Lebenserwartung in Deutschland noch etwa 34 Jahre, so war
es darum wohl nicht "allzu ungewöhnlich", daß es sich zutrug, daß ein Mädchen
von 15 oder 16 Jahren ein Kind bekam... Es herrschte ein "eigenartige Moral"
und die Säuglingssterberate lag sehr hoch bei einem Anteil von 35 bis 40 %
aller Toten im Deutschen Reich. Unehelich Geborene gehören in den Ländern des
Deutschen Bundes der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts zur Regel. Etwa jedes
achte Kind wird unehelich geboren. Dieser Umstand ist nicht auf liederlichen
Lebenswandel zurückzuführen, sondern auf staatliche Regelungen. Die Obrigkeit
versucht, durch Heiratsbeschränkungen eine Bevölkerungsvermehrung
einzudämmen, mit dem Erfolg, dass z.B. in Bayern der Anteil der unehelich
geborenen Kinder in manchen Landesteilen 25%, in München und Nürnberg fast 50
% erreicht.
Hinzukommt erschwerend in dieser Zeit um 1850, dass die Mentalität der
bäuerlichen Gesellschaft, den werdenden Mütter nur wenig Verständnis entgegen
bringt. Männer verhielten sich gegenüber Schwangeren gleichgültig.
"Kühverrecke große Schrecke; Weibersterbe kein Verderbe" beschreibt
erschreckenderweise ein hessisches Sprichwort. "Sechs Wochen vor und
ebensoviel Wochen nach dem Fohlen von allenFrohnen befreyt gelassen werden",
das gönnt, lt. dem süddeutschen Chronisten Riehl, der Bauer seinen Stuten,
nicht aber seiner schwangeren Bäuerin. "Sie gebären gar wohl hinter den
Hecken, packen den neugeborenen Wurm auf, tragen ihn eine Stunde Wegs weit
nach Hause und stehen drei Tage später wieder an ihrer gewohnten Arbeit",
schreibt Riehl.

Ziemlich düster damals... Vielleicht hat es Ihnen etwas weitergeholfen.

Viele Grüße
Sascha Filpe

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