Mühlen bei Waischenfeld um 1816

Mühlen im Rentamtsbezirk Waischenfeld

(1816)
Von Johann Bernhardt Haversath

...in den Steuerakten des Rentamtsbezirks Waischenfeld 161) sind die Mühlen
an der Wiesent (von Freienfels bis Rabeneck), an der oberen Aufseß (von der
Quelle bis Aufseß), am Aßbach/Ailsbach (von der Schweinsmühle bis zur
Oberailsfelder Mühle) und je eine Mühle an der Leinleiter (Heroldsmühle) und
Lochau (Mühle Schönfeld) beschrieben.

Auf den ersten Blick erkennt man, daß die Kapazitätsauslastung und die
Mühlendichte hier im wesentlichen mit dem Bereich des Rentamtsbezirks
Ebermannstadt übereinstimmt. Dennoch gibt es bedeutende Abweichungen. Bei
allen Mühlen an der Aufseß wird mit Ausnahme der Holzmühle in Kotzendorf in
den Rentamtsakten auf den Wassermangel dieser Betriebe hingewiesen:
Christoph Reiss zu Unteraufseß könne von seinen beiden Mahlgängen kaum einen
wegen Wassermangel nutzen; Georg Brand auf der oberen Mühle in Aufseß habe
nur auf einem Gang Wasser-, Philipp Woracks Witwe zu Neuhaus habe kaum auf
einem Gang Wasser-, Johann Georg Knorr zu Sachsendorf habe ebenso wie Peter
Hartmann zu Drosendorf und Johann Schleupnez zu Königsfeld nur auf einem
Gang Wasser-, Wolfgang Griebels Betrieb auf der Mittelmühle Kotzendorf sei
wegen Wassermangel sehr gering). Die Aufseß war demnach infolge geringer
Wasserführung kaum imstande, das Jahr über gleichbleibend Mühlräder
anzutreiben.

Diese Erscheinung hängt mit der Verkarstung der Fränkischen Schweiz
ursächlich zusammen. Der anstehende Kalk löst sich unter dem Einfluß von
Kohlensäure, die bei der Verbindung von Wasser mit Kohlendioxid entsteht-,
dieser Lösungsprozeß (Korrosion) führt zur Karst- oder Höhlenbildung, so daß
oberirdisch fließende Gewässer in einem verkarsteten Gebiet zunehmend in
unterirdische Höhlen verlegt werden. An Stellen, die aufgrund einer
wasserundurchlässigen Sperrschicht den Höhlenfluß beenden, entstehen sog.
Karstquellen; weil hier ein Höhlenfluß austritt, schütten solche Quellen in
der Regel viel Wasser, unterliegen allerdings auch großen Schwankungen. Die
erwähnten Mühlen an der Aufseß spiegeln damit die unregelmäßige
Wasserführung dieses Flusses. Wenn die Betriebe trotzdem auf ein teilweise
hohes Alter zurückblicken - die Obere Mühle in Aufseß wird schon 1215
erwähnt, so kann daraus gefolgert werden, daß diese trotz einer ungünstigen
Energiebasis zur Versorgung der örtlichen Bevölkerung bestanden. Die Obere
Mühle in Aufseß gehörte so jahrhundertelang zur Burg Aufseß, bis sie 1698
als Schneide- und Mahlmühle mit vier Rädern und dazugehörigen Ställen,
Feldern, Wiesen und Wäldern durch Friedrich von Aufseß für 5 00 Gulden und
100 Gulden Handlohn an den Müller Gregor Brand aus Etzelskirchen verkauft
wurde.

Die schlechte wirtschaftliche Lage der Mühlen an der Aufseß kann daher mit
den ungünstigen natürlichen Bedingungen in Zusammenhang gebracht werden.
Allein die Holzmühle in Kotzendorf konnte neben dem Wasser der Aufseß noch 3
Quellen aus einem nahe gelegenen Berghang nutzen und damit die zeitweilige
Wasserknappheit eindämmen. Durch alle diese Neuregelungen wurde das
Hauptproblem nicht gelöst, aber es war gewissermaßen eingefroren. Die
Produktion wurde dem tatsächlichen Bedarf des Marktes angepaßt. Das große
Mühlensterben war abgestoppt. jeder Müller hatte, wenn auch in beschränktem
Rahmen, seine Existenzmöglichkeit. Endlich schien nach langer, langer Zeit
in der Müllerei alles in Ordnung zu kommen.

Im Untersuchungsgebiet ist in der Zeitspanne von 1920 bis 1940 mit 11 % eine
wachsende Schrumpfungsrate festzustellen, die mit der allgemeinen
Entwicklung nicht in Einklang zu bringen ist. Von 1920 bis 1945 wurden
insgesamt 18 Mühlen stillgelegt. Die Ursachen hierfür sind unterschiedlich:
In zwei Fällen waren der Tod des Müllers (Kunzenmühle Wadendorf an der
Wiesent, Mittelmühle Kotzendorf an der Aufseß) oder die Einberufung zum
Militärdienst (Lindenmühle Zedersitz an der Kainach, Obere Mühle in Aufseß)
auslösende Faktoren. Die Baumfurter Mühle im Wiesenttal wurde 1921 im
Zusammenhang mit dem Bahnbau von Ebermannstadt nach Behringersmühle
abgerissen, die wiesentaufwärts gelegene Sternpfermühle 1924 zur
Wassversorgung Gößweinsteins umgebaut. Weitere 12 Mühlen stellten aus
Rentabilitätsgründen oder aufgrund der veralteten Einrichtung den Betrieb
ein: die Rabenecker Mühle, die Plötzmühle im Kainachtal....

Wiesentabwärts folgt die (Waischenfelder) Hammermühle mit drei
unterschlächtigen Rädern. Die Getreide- und Sägemühle sind baulich
voneinander getrennt und wurden auch bis 1915 als jeweils eigenständige
Betriebe (Obere und Untere Hammermühle) geführt. Von ca. 1780 bis 1800
gehörten diese Mühlen zu Rabenstein, eine Angabe am Haus bezeichnet das Jahr
1696. Es gibt keine zuverlässigen Hinweise dafür, daß die Mühle als
Eisenhammer gedient hat. Zwar ist Eisengewinnung aus Raseneisenerzen im Jura
nicht ungewöhnlich, und neben den Flurnamen "Hammermühle", "Hammerberg" und
"Hammerleite" deuten auch "Kalkofen" und "Ökeritz" (Ockerabbau im
Eisensandstein) auf bergbauliche Aktivitäten hin, für die Hammermühle läßt
sich aber nur die Funktion als Getreide- und Sägemühle nachweisen.

Unterhalb der Burg Rabeneck liegt die Rabenecker Mühle mit ebenfalls drei
Rädern. Für 1782 ist auf einer Inschrift aus Stein am Haus der Müllermeister
Hans Hubmann belegt. Warum aber die Pulvermühle in beiden Karten des
Ahorntals nicht eingetragen ist, bleibt unklar. (Auszüge aus: J.B.
Haversath, Die Mühlen der Fränkischen Schweiz)

Unsere Pulvermühle
von Dr. Hellmut Kunstmann
Betrübt verlassen wir Waischenfeld. Es hat sich dort in den letzten Jahren
viel geändert. Verschwunden ist der Kastenhof, ein Wahrzeichen der Stadt,
der von keinem geringeren als Leonhard Dinzenhofer zwischen 1694 und 1696
erbaut wurde, verschwunden ist auch der anheimelnde Gasthof "Zur Alten
Post", und was steht heute dort? Waischenfeld mit seiner früheren
Stadtbefestigung hätte ein kleines Rothenburg bleiben können, und so wandern
wir flußabwärts zur Pulvermühle, diesem lauschigen Plätzchen am Fuß des
Schlüsselberges, auf dem vormals die namengebende Stammburg der Edelherrn
von Schlüsselberg stand. Ein eigenartiger Zauber liegt über der Pulvermühle.
Man fühlt sich hier heimisch und ist angetan von der Gastlichkeit seiner
Besitzer.

Pulver wird dort schon lange nicht mehr hergestellt. 130 Jahre sind darüber
vergangen. Aber nun wollen wir wissen, wie es zur Errichtung der Pulvermühle
kam und was sich vorher dort zugetragen hatte. Die erste Nachricht stammt
aus dem Jahre 1307, als Konrad von Schlüsselberg seine Burg Rabenstein
verschiedenen Angehörigen der adeligen Familie von Groß zur Betreuung
übergab und dazu gehörte auch "die Mül unterm Sluzzelberge". Im Landbuch des
Amtes Bayreuth von 1398 heißt die Mühle Schlüsselmühle". Es steht dort: "Die
liegt an der Wiesent, dazu ein hofstatt, ein Garten und ein Wiesen zu einem
Tagwerk und ist jetzo wüste". Warum sie zugrunde gegangen war, wissen wir
nicht. jedenfalls gehörte die Schlüsselmühle auch damals noch zur Burg
Rabenstein. Erst 1437 am Samstag nach Lucia, dem 14. Dezember, verlieh der
Markgraf Friedrich von Brandenburg dem Hermann und Heinz Hungerberger aus
Waischenfeld "ein FleckIein bei der Schlüsselmühle, darauf sie ein
Schleifmühl bauen sollen und wollen". Den jährlichen Zins von 5 rheinischen
Groschen sollten sie auf dem Schloß Rabenstein entrichten.

1466 finden wir als Besitzer die Brüder Hans und Kunz Hungerberger aus
Waischenfeld, wobei vermerkt ist, daß Kunz, der "ein Brister (Priester)
ist", seinen Teil seinem Bruder Hans übergeben hatte". Inzwischen war im
Fürstenkrieg in den Jahren 1460/62 die Burg Rabenstein zerstört worden und
lag in Trümmern'. 1489 erhielt der Amtmann "zum Slechten Culm", dem heutigen
Neustadt am Kulm, die Ruine von den Markgrafen Friedrich und Siegmund von
Brandenburg zu Lehen unter der Bedingung, sie wieder aufzubauen'. Konz von
Wirsberg, so hieß der Amtmann, bekam zusätzlich u. a. auch 2 Tagwerk Wiesen
unterhalb von Waischenfeld, die sogenannte Schlüsselwiese mit einem
Ackerlein und einem Gärtlein sowie zwei Schleifmühlen, wovon die eine, die
Schlüsselmühle, das Recht hatte, einen Aalkorb in die Wiesent zu setzen. Von
nun an wurde die Schlüsselmühle und ihre Ländereien nicht mehr unmittelbar
an Waischenfelder Bürger verliehen, sondern über den Burgherrn von
Rabenstein. Wir können daher auch die Besitzer der beiden Schleifmühlen
nicht näher feststellen, sondern nur die adeligen Lehensherrn, nämlich
Wilbolt von Wirsberg 1526 und 1532, Christoph Stiebar auf Rabeneck, der von
1540 bis 1557 Besitzer von Rabenstein war 7 . Er hatte die Burg 1557 an Wolf
von Rabenstein zu Kirchahorn veräußert, ihm aber die Schlüsselmühle, die ja
im gleichen Tal wie Rabeneck lag, abgekauft" und so wurde die Schlüsselmühle
und die andere Schleifmühle 1558 an Christoph Stiebar von Rabeneck verliehen
nach seinem Tode dann an seinen Sohn Endres im Jahre 1560".

Endres Stiebar war bereits 1572 verstorben und nun zog die Markgrafschaft
die beiden Schleifmühlen samt ihrem Grund und Boden als erledigtes Lehen
ein". Vermutlich hat die Schlüsselmühle bereits im Jahre 1605 nicht mehr
bestanden; denn der Besitzer der Hammermühle unterhalb von Waischenfeld
Georg Meyer bekam nur die Grundstücke der ehemaligen Schlüsselmühle von der
Markgrafschaft in Bayreuth als Lehen". Es handelte sich um ein Ackerlein und
ein Wiesflecklein mit einem kleinen öden Ackerlein - wohl dem früheren
Gärtchen -, die Schleifwiese genannt. Georg Meyer hatte die Grundstücke von
den Vormunden der Töchter eines Thomas Lebküchner um 200 Gulden erworben.
Gleichzeitig wurde Meyer mit der unteren Schleifmühle unterhalb der
Schlüsselmühle bei Waischenfeld an der Wiesent belehnt". Die eine Hälfte
hatte er von seinem Vater Hans Meyer geerbt, die andere aber von der
Markgrafschaft gekauft. Von der Schlüsselmühle hören wir nun nichts mehr.
Dagegen können wir die Schleifwiese, bei der die Schlüsselmühle lag, noch
weiter verfolgen.

Die Witwe des Georg Meyer wurde im Jahre 1614 mit ihren 5 Stiefkindern und
ihren zwei eigenen Kindern mit den Grundstücken bei der ehemaligen
Schlüsselmühle und mit der unteren Schleifmühle von Bayreuth belehnt14. Noch
einmal im darauffolgenden Jahr hören wir von der unteren Schleifmühle
anläßlich eines Verkaufes.

Dann schweigen die Lehenbücher bis 1655, eine Folge des verderblichen
Dreißigjährigen Krieges, dem nun auch die untere Schleifmühle zum Opfer
gefallen war. Bei der Belehnung im Jahre 1655 wird auch sie nur noch als
Lagebezeichnung für eine Wiese genannt". Von nun an werden nur die
Grundstücke der beiden Mühlen als Lehen weitergegeben. Es ist immer nur von
der Wiese bei Waischenfeld unter dem Schlüsselberg, was den einen Teil
anlangt, die Rede, oder es heißt z. B. 2/4 Tagwerk Wiese bei Waischenfeld an
der Schleifwiese unter dem Schlüsselberg, oben und unten an den
Waischenfelder Gemeindeanger, auf der einen Seite an das Wasser, die
Wiesent, auf der anderen an den Rabenecker Fußweg stoßend". Dies entnehmen
wir einer Belehnung der Brüder Nikol, Paul und Klaus Petzold aus dem Jahre
1696111, vielleicht Vorfahren der heutigen Besitzer und des Michael
Kellermann, "des Raths und Rotgerber zu Waischenfeld". Es würde zu weit
führen, wollte man nun alle Besitzer der Wiese unter dem Schlüsselberg und
der Schleifwiese bis 1799 - es ist dies die letzte nachweisbare
markgräflichbayreuthische Belehnung 17 aufführen. Sie sind in den
Lehenbüchern der Markgrafschaft Bayreuth genau verzeichnet111. Von Bedeutung
ist nur die Tatsache, daß durch den Grenztausch- und Purifikationsvertrag
zwischen Bayern und Preußen vom Jahre, 1803 - die Markgrafschaft Bayreuth
war ja seit 1792 preußisch geworden - auch die ehemals markgräflichen
Besitzungen bei Waischenfeld an Bayern kamen. Offenbar hatte die Stadt
Waischenfeld die Wiese unter dem Schlüsselberg und die Schleifwiese
erworben. jedenfalls waren sie bis 1826 im Besitz der Stadt Waischenfeld,
wie wir später hören werden, und mit diesem Jahre 1826 beginnt nun die
Geschichte unserer Pulvermühle.

Gab es auch sonst noch Pulvermühlen in unserer Gegend? Wir brauchen gar
nicht weit zu gehen. In der Fränkischen Schweiz in Oberaufseß befand sich
ebenfalls eine Pulvermühle. Nach der Fassion von Aufseß aus dem Jahre 1808
besaß Johann Konrad Birnstiel ein Haus von Holzwerk (Nr. 20, Plannr. 432 a)
und die Pulvermühle mit der darauf haftenden Gerechtigkeit und außerdem
stand ihm das Pulvermacherhandwerk zu. Er sagte aus, daß er die Konzession
von der Herrschaft - der Familie von Aufseß - erhalten hätte, welche von S.
M. dem König von Preußen dazu authorisiert worden sei.

Sie scheint nur eine kurze Lebensdauer gehabt zu haben. Im Häuser- und
Rustikalsteuerkataster von 1810 ist sie noch eingetragen". 1836/37 verkaufte
der Pulvermüller sein Tropfgut, eben das Holzhaus. Die Pulvermühle wird
nicht mehr genannt. Auch im Grundsteuerkataster von 1853 ist sie nicht
eingetragen 21. Sie war eingegangen. Auch bei Memmelsdorf gab es weit früher
eine Pulvermühle. Sie ist mir vcn 1516 bis 1582 bekannt". 1517 wurde in der
dortigen Pulvermühle ein neues Rad und ein Wellbaum sowie vier "Sternpf" und
eine halbe neue Rinne eingebaut". 1543 wurde das Pulverhäuslein vor der
Pulvermühle ausgebessert". Ihre weiteren Schicksale müßten noch erforscht
werden.

Wie schon erwähnt, war das Jahr 1826 das Geburtsjahr unserer Pulvermühle bei
Waischenfeld. Damals am 29. August verkaufte die Gemeindeverwaltung
Waischenfeld dem Koloman Keller zum Behufe der Errichtung einer Pulvermühle
einen der Gemeinde Waischenfeld eigentümlich gehörigen Platz unter der
Hammermühle auf dem sogenannten Gäns- oder Schleifanger und zwar den unteren
Teil dieses Angers vom (Eichen) Birkiger Wassergraben aus bis unten an die
Wiese, jedoch ausschließlich des an dem Felde hinführenden Weges, so zwar
daß Keller nunmehr Eigentümer dieses Platzes wird. So lauten die Worte des
Kaufvertrages. Der Kaufschilling hierfür wurde auf 100 Gulden festgesetzt,
welcher bereits an den vormaligen Gemeindevorsteher Wehrl für die Kommune
Waischenfeld bezahlt worden war, also ein Jahr vor der Auswanderung des
Koloman Keller nach Waischenfeld. Koloman Keller wurde am 25. Juli 1795 in
Radstadt in Osterreich geboren und wanderte 1827 nach Waischenfeld aus".
Nach der Erwerbung des Grundstückes auf dem Schleifanger reichte er nun ein
Gesuch zur Verleihung einer Konzession für die Errichtung einer Pulvermühle
im Rabeneckertal ein, worüber das Landgericht Hollfeld an die kgl. Regierung
des Obermainkreises, Kammer des Innern, am 22. 1. 1828 berichtete".

Die Regierung des Obermainkreises sandte nun laufend Berichte an das
Staatsministerium des Innern nach München, und zwar am 17. März, 15. Mai,
24. Juli, 20. September und 14. Dezember 1828 und nochmals im Jahr 1829 am
11. April und 3. Juli unter Hinweis auf den "Vermögensverfall" des Koloman
Keller, der ja keine Einkünfte hatte und von seinem Ersparten leben mußte".
Aber erst am 20. November 1830 kam die Genehmigung aus München zur
Errichtung der Pulvermühle". Im Jahre 1831 kultivierte Keller das als
Schleifanger bezeichnete Grundstück, welches eine Größe von 3/4 Tagwerk
hatte". 1833 erbaute der Pulvermüller Koloman Keller auf dem Schleifanger
ein einstöckiges Wohnhaus von 40 Schuh Länge und 30 Schuh Breite, also nur
ein kleines und bescheidenes Häuschen. Offenbar rentierte sich die
Pulvermühle nicht recht und Keller richtete daher 1834 an das
Staatsministerium des Innern in München ein Gesuch, daß er gegen ärarische
Rechnung Pulver fabrizieren dürfte, d. h. er wollte Staatsaufträge bekommen.
Das Gesuch wurde endgültig am 30. Oktober 1839 abgelehnt, da der
Ablieferungsort München zu weit entfernt sei und Verträge mit näher
liegenden privaten Pulvermühlen vorlägen".

Schon vorher hatte sich die Pulvermüllerin Antonie Keller - Koloman Keller
hatte am 14. Februar 1831 geheiratet - in ihrer Verzweiflung am 16. April
1839 an den König gewandt. Aus dem Inhalt des Schreibens entnehmen wir
folgendes: Ihr Ehemann Koloman Keller hätte durch mancherlei Unglücksfälle
und widrige Umstände genötigt bei der kgl. Regierung von Oberfranken ein
Betriebskapital erbeten, das aber wegen der bei Pulvermühlen bestehenden
Gefahren abgeschlagen worden sei. Um dem Ruin zu entgehen, hätte er sich an
die kgl. Zeughaus-Hauptdirektion in München am 4. August 1838 und nochmals
am 13. Januar 1839 gewandt mit der Bitte, ihm 100 bis 200 Zentner Pulver
(wohl Salpeter) zur Fabrikation zuzuweisen, was ebenfalls abgelehnt worden
sei. "Schier der Verzweiflung nahe", so heißt es wörtlich, "lebte nun mein
Ehemann in Tiefsinn und Schwermut dahin; denn er sah für seinen Fleiß keinen
Absatz, für seine Familie - Weib, 4 Kinder mit Gesellen - kein Brot, für
seine Schuldenlast keine Abtragung. In solch tiefster und äußerster
Betrübnis, in der ich das Fürchterlichste besorgte, faßte ich am 13. Februar
1839 den Mut, mich an Ihre Majestät die Königin zu wenden, wo mir schon am
27. Februar Bescheid wurde, mein Gesuch direkt an den König zu wenden." In
dem Brief ist noch erwähnt, daß den Pulvermüllerseheleuten am 26.6. 1838
großer Schaden durch einen Wolkenbruch entstanden sei und im Februar 1839
durch Hochwasser. Außerdem wären die Pulverpreise damals so niedrig bei den
Magazinen gewesen, daß man kaum ausländischen Salpeter anschaffen konnte".

Am 4. Oktober 1839 berichtete das Landgericht Hollfeld, daß der Pulvermüller
um ein Darlehen nachgesucht hätte. Deswegen wäre er am 1. Oktober vernommen
worden. Offenbar hatte man ihm damals die Umwandlung der Pulvermühle in eine
gewöhnliche Mahlmühle vorgeschlagen. Daraufhin führte der Pulvermüller aus,
die Umwandlung in ein "fructifizierliches" Mühlengeschäft könne ihm nicht
helfen. Er hätte kein Geld für die Errichtung einer solchen Mühle und auch
nicht die dazu nötigen Kenntnisse. Dringend bräuchte er ein Kapital von 2000
Golden zur Abdeckung der gegen ihn eingeklagten Schulden und zur Bestreitung
der Betriebskosten. Er würde den Betrag in jährlichen Raten von 2 Golden
abtragen, da das Geschäft durch verschiedene Reisen jetzt besser ginge".
Auch dieses Gesuch wurde am 5. November 1839 abgeschlagen". Niemand half und
das Unglück nahm seinen Lauf. Am 15. Februar 1842 fragte das Landgericht
Hollfeld bei der Regierung in Oberfranken nach, ob das Gewerberecht des
Pulvermüllers personell, real oder radiziert sei. Diese Feststellung sei für
den beantragten Verkauf wichtig. Nach dem Gewerbekataster des Landgerichtes
Hollfeld wäre es Realrecht. Die Antwort aus Bayreuth lautete, daß das
Gewerberecht radiziert sei, d. h. es sei auf dem Grundstück als Hypothek
eingetragen laut Regierungsreskript vom 6. März 1820.

Bald darauf kam es zur Versteigerung. Laut Bescheid des Landgerichtes in
Hollfeld vom 15. Juni 1842 ersteigerte der Handelsmann Adam Wehrl den Besitz
des Pulvermüllers Koloman Keller und zwar das neuerbaute Wohnhaus nebst 1/4
Tagwerk Feld und ein Pflanzgärtlein, das einen Teil des Schleifangers
bildete, ferner eine Pulvermühle unweit des Wohnhauses mit radizierter
Gerechtigkeit zur Pulverfabrikation sowie ein Fischwasser".
Im März 1843 kaufte nun der Pulverfabrikant Friedrich Graf aus Kulmbach die
Pulvermühle unweit Waischenfeld mit der darauf haftenden radizierten
Pulverfabrikationsgerechtigkeit. Im Kaufvertrag ist ausdrücklicher vermerkt,
daß das Wohnhaus nicht mit inbegriffen sei und im Besitze des Adern Wehrl
verbliebe". Der Name Pulvermühle übertrug sich nun auf das Wohnhaus bis zum
heutigen Tag.

Der Pulvermüller Koloman Keller starb 6 Jahre später am 13. November 1849.
Seine Witwe Antonie Keller, geb. am 24. 6. 1806, gestorben am 30. 12. 1881,
ruht mit ihren Kindern Wilhelm und Martin, die im Alter von 14 bzw. 11
Jahren starben, auf dem Waischenfelder Kirchhof. Ihr Grabstein ist noch
erhalten.

Adam Wehrl veräußerte 1848 die Pulvermühle, d. h. das ehemalige Wohnhaus des
Pulvermüllers, an Kunigunde Winkler aus Kugelau". Ihr folgte Johann Brendel
aus Waischenfeld, der den Besitz am 27. September 1849 an den Weber Johann
Neuner aus Rabeneck weiter veräußerte. Der Eintrag im Kaufvertrag lautet:
Haus Nr. 35, Einöde Pulvermühle, ein Tropfhaus (Wohnhaus mit Stall und
Backofen)". Neuner errichtete anstelle des alten Wohnhauses 1860 einen
Neubau. 1875 kam die "Pulvermühle" durch Kauf an den Gastwirt Johann Hofmann
- am 24. März - und noch Im gleichen Jahr am 11. September 1875 an Johann
Schatz.

Nach seinem Tode übernahm es seine Witwe Agnes Schatz und ihre Kinder am 9.
Oktober 1901 und am darauffolgenden 13. November ihr Sohn Lorenz allein. Am
2. November 1933 kam es an dessen Tochter Anna, verheiratete Bezold, geb.
Schatz, dann in der Erbfolge ihren Sohn Johann am 19. Juni 1962, der es am
22. Mal 1963 an seinen Sohn Johann Kaspar Bezold übergab. Johann Kaspar
Bezold ist der jetzige Besitzer unserer Pulvermühle und nicht nur ein
hervorragender Gastwirt, sondern auch ein wahrer Freund seiner Heimat.

Zum Schluß wollen wir noch einige Baudaten hier anfügen.
1833 erstand, wie schon berichtet, das Wohnhaus der ehemaligen Pulvermühle,
das 1860 neu gebaut wurde und den Namen "Pulvermühle" übernahm. 1930 wurde
die Scheune neu erbaut. 1931 wurde die Pulvermühle umgebaut. Anbauten kamen
1933 hinzu. 1951 erstand das Gästehaus, das 1959 eine Veranda erhielt.
Dem Brandunglück in den frühen Morgenstunden des 14. Mal 1972 fiel es zum
Opfer und es ist unser aller herzlicher Wunsch, daß es bald neu aus seinen
Trümmern sich erheben möchte zum Segen der vielen Gäste und
Erholungsuchenden!

Die obere Hammermühle
(von Ingrid Mayer)
Die Hamermühle liegt etwa 1 KM außerhalb von Waischenfeld in Richtung
Behringersmühle auf einer Insel, die durch den Mühlgraben und die Wiesent
gebildet wird.
Im Jahr 1803 wird Adam Schöpf als Besitzer der Mühle genannt. Er übergibt
sie im gleichen Jahr an seinen Sohn Josef Schöpf. Zur oberen Hammermühle
gehören: ein zweigradiges Wohnhaus mit zwei Mahlgängen, eine Schneidmühle,
Stadel, Viehställe, ein Nebenhaus mit Stallung, Backofen, Keller, und ein
Keller außerhalb des Hofes. Dazu Pflanzbeete und ein Baumgarten. Im Mai 1842
kauft der Rotgerbermeister Adam Schroll den dritten Teil des Anwesens, der
sich im Besitz des Peter Wehrl befindet, um dem gesamten Kaufschilling von 2
250 fl. Im Juni 1847 übergeben Adam Schroll in Waischenfeld und Peter und
Marianne Schlör zu Volsbach dem ledigen Müllermeister Balthasar Schroll für
6000 fl. Die obere Hammermühle samt Eingehörungen.

Am 18. Mai 1864 erbt Gertraud Schroll von ihrem Ehemann Balthasar Schroll
des gesamten Besitz. Der ledige Müllergeselle Andreas Polster aus
Oberailsfeld heiratet die Wittwe Gertraud Schroll und wird Kraft allgemeiner
Gütergemeinschaft am 23. Sept. 1885 Miteigentümer der Mühle. Im gleichen
Monat kauft die großjährige Stieftochter Barbara Schroll das Anwesen von
ihren Eltern Andreas und Gertraud Schroll für 19 442 Mark.

Barbara Schroll heiratet am 4.11.1885 den Müllermeister Andreas Endres und
dabei wird bereits allgemeine Gütergemeinschaft vereinbart. Nach dem Ableben
seiner Frau Barbara wird Andreas Endres am 30. Juni 1909 Alleineigentümer.

Am 30.9.1915 stirbt Andreas Endres und aufgrund seines Testaments geht die
obere Hammermühle auf die Kirchenstiftung Waischenfeld über. Am 13.3.1918
erkauft Franz Planck, Ökonom und Müller der unteren Hammermühle, die obere
Hammermühle. Von dieser Zeit an bleiben beiden Mühlen in der Hand eines
Besitzers.

Franz Planck und seine Ehefrau, die Eltern der heutigen Besitzer vereinbaren
allgemeine Gütergemeinschaft. 1953 stirbt Franz Planck und am 20.5.1953 wird
Elisabeth Planck mit ihren drei Töchtern Marianne, Kunigunde und Regina als
Eigentümer ins Grundbuch eingetragen.

Die Mahlmühle erhält 1912 den ersten Walzstuhl. 1930 wird ein Plansichter
aufgestellt. Heute stehen in der Mühle zwei einfache Walzstühle. Die
Mahlkapazität beträgt eine Tonne pro Tag. Bis 1963 kümmerte sich ein
Angestellter Müller um die Vermahlung. Er nahm die Mühle nur jeden zweiten
Tag in Betrieb. 1963 verließ er die Hammermühle und da sich keine Nachfolger
fand, wurde die Mahlmühle geschlossen.

Das Wasserrad mit einem Durchmesser von 4 Meter, einer Breiten von 75 cm und
eine Schaufelhöhe von 40 cm diente bis zuletzt über eine Direkttransmission
als Antrieb der Mühle. Außerdem wird mit dem Mühlrad Strom erzeugt. Es ist
heute noch funktionstüchtig und wartet darauf, wieder in Betrieb genommen zu
werden.

Die Säge hingegen wird durch Lohnschnitt voll ausgelastet. 1953 folgte auf
das einfache Gatter mit einem Blatt, ein Vollgatter. Im selben Jahr wurde
noch das zweite Wasserrad, das zum Antrieb der Säge dient, durch eine
Francis-Turbine ersetzt. Ohne Nebenerwerb wäre auch auf der Hammermühle kein
auskommen möglich. Wie überall, so bringt auch hier die Landwirtschaft, die
heute noch 36 Tagwerk umfaßt, den größten teil des Einkommens. Außerdem
werden noch Zimmer an Urlaubsgäste vermietet, die auf Wunsch auch voll
verköstigt werden.

Die untere Hammermühle
... ist direkt an die obere Hammermühle angebaut und weil der Müller auf der
oberen 1915 ohne Nachkommen verstarb, sind beide Mühlen seither vereinigt.

Johann Schöpf jun. erbt am 23.1.1805 in der mütterlichen Teilung ein
gemauertes zweigrädiges Wohnhaus mit 2 Mahlgängen und einem Ölschlaggang,
eine hölzerne Scheune, Stallung, Kellerhaus und 2 Gras- und Baumgärten von
1/2 Tagwerk. Dazu ein Fischwasser von der Mühle bis zum Wasserrad und Teile
an weiteren Feldern und Wiesen.

Die Mühle ist gerichtsbar zum Landgericht Hollfeld, lehnbar der "gemeinen
Stadt Waischenfeld" und gibt dafür jährlich im Voraus 1 fl. 15 kr. Zum
Rentamt. Sie ist handlohnfrei muß aber als Zehnt der Gemeinde Langenloh das
zehnte Schwein und die zehnte Gans abliefern.

Im Februar 1851 übergibt der Müllermeister Johann Schöpf den gesamten Besitz
um 8 800 fl. An seinen Sohn Franz.
Am 22.5.1860 erkauft Christoph Wehrl von der Gutenbiegener Mühle das Anwesen
für 7 000 fl. Christoph Wehrl verkauft die Mühle am 8.1.1889 an den
"Produktenhändler" Johann Huppmann zu Waischenfeld für 12 725 Mark. Laut
Urkunde des Hollfelder Notars vom 28.3.1901 geht der Besitz in der
Zwangsversteigerung gegen Johann Huppmann um das Meistgebot von 19 000 Mark
an Johann und Katharina Planck über. Am 24.10.1918 übergibt Johann Planck
die untere Hammermühle an seinen Sohn Franz. Die weitere Entwicklung
verläuft zusammen mit der oberen Hammermühle.

Die Mühle ist schon seit langem nicht mehr in Betrieb. Vor einigen Jahren
ließ die Besitzerin die leerstehende Mühle zu Ferienzimmern ausbauen. Aus:
Zulassungsarbeit für das Lehramt an Volksschulen, von Ingrid Mayer, 1972.