Sehr geehrter Herr Seidel,
grunds�tzlich k�nnen Sie davon ausgehen, da� studentische Verbindungen �ber weit zur�ckreichende Mitgliederlisten verf�gen. Hauptproblem bei derartigen Recherchen ist aber zun�chst, da� "Burschenschaften" gemeinhin als verallgemeinernder Sammelbegriff verwendet wird, wenn "studentische Korporation" gemeint ist. Und davon gibt es viele, viele, viele: Als Korporationsverb�nde kann man grob unterscheiden Burschenschaften, Turnerschaften, Landsmannschaften, S�ngerschaften, Corps, usw., s�mtlich wieder unterteilt in schlagend, nichtschlagend, farbentragend, nicht farbentragend usw. usw.
Mitgliederlisten auf Verbandsebene gibt es meines Wissens nur f�r die Corps. F�r alle �brigen Korporationen m��te auf der Ebene der einzelnen Verbindung gesucht werden. Problem ist hier, da� die Anfang des 20. Jh. bestehenden Korporationen 1935 samt und sonders zwangsaufgel�st wurden, sich ab etwa 1950 zwar vielfach rekonstituierten, aber zeitbedingt h�ufig unter neuem Namen und an neuen Hochschulorten. Dies gilt besonders f�r die bis 1935 in Mittel- und Ostdeutschland ans�ssigen Korporationen.
Wenn also f�r einen Probanden bekannt ist, da� er einer studentischen Verbindung (Korporation) angeh�rte und es besteht das Bed�rfnis, dazu N�heres in Erfahrung zu bringen, ist es notwendige Voraussetzung, zun�chst zu ermitteln, welcher Verbindung der Proband an welchem Hochschulort angeh�rte. Am einfachsten ist es, wenn Name der Verbindung und Hochschulort bekannt sind (Achtung: Es gibt viele gleichnamige Verbindungen, deshalb ist die Angabe des Studienortes wichtig). Sofern noch Erinnerungsst�cke an den Probanden vorhanden sind (Band, M�tze, Zipfel, Couleurkarten, Mensurkarten, sonstige mit den Farben usw. seiner Verbindung verzierten Gegenst�nde) kann an Hand der Farbfolge und des sogenannten Zirkels (die verschlungene Buchstabenfolge mit Ausrufezeichen) durchaus auf die zugeh�rige Verbindung geschlossen werden.
Ist diese ermittelt, h�ngt es an der Noch-Existenz und Archivlage der einzelnen Verbindung, ob dort noch weiterf�hrende Einzelheiten �ber den fr�heren Bundesbruder ermittelt werden k�nnen. Relativ gute Chancen k�nnen bestehen, ein fr�hes (Jugend-) Bildnis eines Probanden ausfindig zu machen: Manche Korporationen verf�gen �ber beeindruckende Bildergalerien ihrer Mitglieder bis in die Zeit um 1880 zur�ck. Der Umstand, da� die urspr�ngliche Verbindung X! sp�ter in der Verbindung Y! aufgegangen sein m�chte , erschwert zwar Nachforschungen, macht sie aber nicht von vornherein aussichtslos. -
Vorsorglich: Ich kann bei Bedarf zwar einige Hinweise geben, mittels welcher Literatur m�glicherweise nachvollzogen werden kann, was aus der "Burschenschaft Germania" zu XYZ von 1900 geworden ist, ich kann aber keine spezifischen Fragen beantworten. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Internet-Seiten der einzelnen Korporationsverb�nde verwiesen. Sie enthalten in aller Regel auch Informationen �ber die zugeh�rigen Einzelkorporationen Aus den Internetauftritten der Einzelkorporatioen kann man dann m�glicherweise Einzelheiten zur jeweiligen Korporationsgeschichte entnehmen (fr�here Hochschulorte, fr�here Verbindungsfarben).
Es m�ge n�tzen!
J�rgen Wagner
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