Millitärdienst des Großvaters und dessen Bruder

Hallo Listenteilnehmer,

es werden viele Fragen über die Zugehörigkeit zum Millitär gestellt und zum großen Teil auch ausführlich beantwortet. Jetzt habe ich auch mal zwei Fragen.
An wen muss ich mich wenden um zu erfahren wann und wo mein Großvater im 1. Weltkrieg als Soldat gedient hat. Ob er überhaupt Soldat war kann ich nicht sagen.
Von seinem Bruder weiss ich das er im 1. Weltkrieg in Pillau stationiert war. Kann ich über ihn auch irgendwo Auskünfte erhalten ?
Für eventuelle Auskünfte im vorraus vielen Dank

Gruß

Michael

Ja,
"Iss" mir auch schon aufgefallen, dass hier staendig Fragen ueber das Militaer beantwortet werden, diese Ostpreussen scheinen eine recht kriegerische Rasse
gewesen zu sein, mit einem starken "Wandertrieb" und einem Hang zu Maskenbaellen <"raustreten in verschiedenen Anzuegen"> enger Gebundenheit an die
heimatliche Scholle <"hinlegen">, Auftritten in Festzuegen <"3. Kompanie- in 3 er Reihen Marsch"> und starkem Hang zu hauswirtschaftlichen Taetigkeiten <"Putz- und Flickstunde">
und <"Wie lange dauerte der 30 jaehrige Krieg". "15 Jahre: Der Rest war Waffenreinigen!">
Manche Fragen lassen sich aber nur recht schwer beantworten, wqenn man die Lebensdaten und Ausbildung und Berufe der betroffenen Personen nicht kennt.
Zum Beispiel kann man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass jemand der vor 1913 starb nicht am I. Weltkrieg als Kriegsfreiwillger teilgenommen
hat. Aehnliches gilt fuer alle nach 1918 geborenen, im letzteren Fall waere jedoch eine Mitgliedschaft in Hitlerjugend, Reicharbeitsdienst und Teilnahme am II.Weltkrieg
in Erwaegung zu ziehen.
Bei den Berufen ist es so, dass die seefahrende Bevoelkerung des Reiches (einschliesslich Bayerns) <dazu rechneten auch die

fuer den Dienst in

der Garde, Kavallerie und Infanterie abgelehnt wurden, dafuer aber, wie die Soehne des Kaisers, in den "Kieler Knabenanzug" geworfen wurden und fuer mehrere Jahre
die Waesche "achtern" tragen durften. DIes hatte den Vorteil, das sie immer wussten, wohin sie gehoerten: "Die wo weil" es stand auf dem Muetzenband, <was den Ordnungskraeften am spaeten Abend das durchsortieren, deutlich erleichterte. > <grins>

Wenn ich mich richtig erinnere, so hiess dieses "Pillau" auch "Seestadt Pillau" . <Es lag dort zwar auch ein Bataillon Infanterie (Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz Nr 43> und
weil die Besfestigungen dies nahelegten auch ein Bataillon "schwere Knalltueten" (wollte sagen: 2.Westpreussisches Fußartillerie-Regiment Nr 17 der Rest dieses Regiments
lag natuerlich NICHT in Koenigsberg sondern in Danzig!) > Zweck dieser Stationierung war aber wohl: Erleichterung der Ausbildung von "Sailors" in Uniformkunde: <"Was sich bewegt wird gegruesst, was sich nicht bewegt wird "gepoent"> und <"Wenne nicht sofort aus unserer Kneipe verschwindest, sag ich es dem Prinz Heinrich und der erzaehlt
es seinem Bruder dem Koenig von Preussen und dann sollste mal hoeren was dir dein Korporal morgen frueh erzaehlt!" >

Also, Michael, kannste deine Frage bitte, bitte noch einmal mit Daten stellen, ich habe da naemlich den ganz dummen Verdacht, dass ich im blauen Regal suchen muss!
(kannste, wegen der erhoehten Geheimhaltungsbeduerftigkeit in Marinefragen, selbstverstaendlich auch als privaten Wink- oder Blinkspruch senden, habe schliesslich
mehrere Lehrgaenge an der Marinefernmeldeschule erfolgreich "abscholwiert" >

Ernst

Hallo Ernst,

vielen Dank f�r deine Antwort. Leider wurde meine Mail an deine private
E-Mail Adresse abgewiesen. Warum weiss ich nicht. So das ganze noch mal von
vorn:
Da es auf der Marinefernmeldeschule nicht nur Feudelschwinger gab, sondern
auch Leute die sich als Puster haben ausbilden lassen, k�nnen wir �ber den
von dir vorgeschlagenen Weg keinen Kontakt aufnehmen. Demzufolge hier noch
mal einige Daten meine Vorfahren:

Gro�vater: geboren am 6. Februar 1886 in Sonnwalde Kreis Braunsberg. Hat
Ostpreu�en um 1910 verlassen und am 18.November 1913 in Oberhausen (NRW)
geheiratet. Von Beruf war er gelernter Tischler, hat aber hier als
Walzwerker gearbeitet.
Sein Bruder wurde am 1,Oktober 1892 ebenfalls in Sonnwalde Kreis Braunsberg
geboren. Er lernte ebenfalls das Tischlerhandwerk. W�hrend des 1. WK war er
in Pillau (OP) stationiert.
Mehr wei� ich leider nicht.

Gru� vom Puster a.D.

Michael

Michael!

Es tut mir leid, das deine private mail "gebaunzt" ist, ich habe da augenblicklich noch eine schwunghafte Korrespondenz mit Microsoft Security Services und dabei wohne ich doch gar nicht in Mühlheim!. Kann gar nicht so schnell die mails wegwerfen wie sie nachwachsen. Sorry.

geb. 1886 = Wehrdienst 1906 bis 1909, d.h. er war aus der Reserve raus gealtert und an die Landwehr ueberwiesen. Als Walzwerker hatte er allerdings gute Chancen als kriegswichtig eingestuft zu werden und bei der Firma "Balzen Kekse " in der Panzerplatten-Herstellung uababkoemmlich zu sein. <Holst Du auch noch regelmaessig sein Bier-Deputat von der Brauerei ab.... es war halt eine schweisstreibende Beschaeftigung!> Falls er dennoch die Landwehr durch seine Praesaenz bereichern durfte, ist eine Zuordnung sehr schwierig, im Ruhrgebiet gab es mehr nachwachsende Rekruten als dem Bedarf der Regimenter entsprach, so dass ein groesserer Bereich mitversorgt werden konnte.
(das reichte bis nach Lothringen im Sueden und bis Muenster im Norden!) Ich wuerde mal versuchen das "Krankenbuchlager" anzuschreiben.
<die Rauchversuche der nnglischen Luftwaffe im Reichsversuch im Reichsarchiv in Potsdam im April 1945, haben viel zur verwischung der Spuren
beigetragen!> aber was so´n richtiger Landwehrmann war, der nahm sich zweimal im Jahr seine Grippe und ging zu deren Ausheilung in ein Lazarett! Zwar gibt es ein altes russisches Sprichwort: Der Deutsche hat den Affen erfunden, aber die Buerokratie haben wir von den Russen gelernt.... die haben nicht nur alles Papier aufgehoben sondern davon auch noch Abschriften gefertigt <eine grosse Hoffnung fuer alle, deren Verwandten im WK II in russische Gefangenschaft geraten sein koennten, <ist uebrigens nicht mehr so teuer seid wir auf EURO umgestellt haben>
Jedenfalls macht der Senat von Berlin mit dem Krankenbuchlager auch noch die eine oder andere muede Mark (keine Wunder das muede, die Leute waren bei der Einweisung in Lazarette meistens nicht taufrisch)

Landesamt für Gesundheit und Soziales
Krankenbuchlager
Wattstraße 11-13
13355 Berlin

Briefanschrift:
Postfach 31 09 29
10639 Berlin

m Archiv sind vorhanden:
Vollständige Verlustlisten des 1. Weltkrieges (125 Bände) von August 1914 bis Oktober 1919 mit ca. 9 Millionen Eintragungen.
50.000 Lazarettkrankenbücher aus dem 1. Weltkrieg und 6.700 Krankenbücher aus der Zeit davor mit zusammen 67,35 Millionen Eintragungen (nur Lazarette des Preußischen Heeres).
29.000 Lazarett-Krankenbücher aus der Zeit des 2. Weltkrieges (hauptsächlich Marine und Heer) mit ca. 25 Millionen Eintragungen.
8 Millionen Einzelurkunden (Krankenblätter, Gesundheitsbücher, Fliegerärztliche Untersuchungszeugnisse usw.) aus dem 2. Weltkrieg.

Für eine Personenermittlung sind als Angaben unbedingt notwendig:
vollständiges Geburtsdatum
Name
Geburtsort
Es werden Gebühren erhoben.
Sie betragen gemäß Tarifstelle 9105 der 25. Verordnung zur Änderung der Verwaltungsgebührenordnung (VwGebO) vom 07.12.2001 je nach Arbeitsaufwand zur Positivauskunft zwischen 26,00 € bis max. 61,00 €.
Eine Fotokopie kostet pro Seite 0,51 €.

Fuer deinen Onkel Jahrgang 1892 lagen die Essenmarken ab 1912 fuer zweieinhalb-Jahre bereit, das heisst, die Reservistenfeier im Jahre 1914 musste aus verschiedenen Gruenden damals ausfallen und um 4 1/2 Jahre verschoben werden, ein herber Verlust fuer die oertliche Gastronomie: Wenn du schreibst: er war während des WK I in Pillau stationiert, dann hat er sich an dem im August einsetzenden planvollen Rumgerenne wohl nicht beteiligt sondern sich eher der bodenstaendigen Verteidigung von Kellern, Ravinen,
und sonstigen unterirdischen Anlagen gewidmet und bei der Fußartillerie in Pillau gedient <das passt auch mit Ermland> <den Namen des Regiments hab ich dir in der letzten mail schon geschrieben. Zwar wurden auch aus Fußartillerie (das war die schwere Artillerie der Festungen, "fuer Pferde zu schwer aber ungeheuer laut") Einheiten mobile (einschliesslich Pferdebespannung) Reserve-Fussartillerie-Einheiten als Heeresartillerie gebildet, <wir treffen zwar auch nicht, aber sind in der Geographiebranche, die Loecher die
wir herstellen, wird man noch in Jahrzehnten sehen koennen, die Landesaufnahme soll ruhig schon mal neue Karten drucken>, dennoch blieb gerade in Ostpreußen (nach den Erfahrungen vom Sommer 1914 und dem Besuch der russischen Armee) der Instandhaltungs- und Besetzungsdienst der Festungsanlagen auf einem hohen Bereitschaftsstand!)

Ich hoffe es hilft dir weiter....

Ernst