Im Gegensatz zu Wolfgang Leistritz bin ich nicht der Meinung, daß
die "Kondolenz-Debatte" mit selbsternannten Richtern ein Zeichen
dafür sei, wie lebendig doch diese Liste wäre. Die zahlreichen Wort-
meldungen zeigen eher den Geisteszustand vieler Mitglieder, der nach
meinen Erfahrungen den vieler heutiger Deutscher repräsentiert. Nicht
das Leid der Heimatvertriebenen, sondern der Tod eines polnischen
Präsidenten, der nie als Freund des deutschen Volkes auffiel, scheint
vielen modernen Deutschen am Herzen zu liegen.
Wie Frau Merkel oder Herr Westerwelle gebärden sich viele hier
leider so, als wenn wir alle nun in einem kommunistischen Ostblock
lebten und uns solidarisch mit einem "sozialistischen Brudervolk" in
einer benachbarten Volksrepublik zeigen müßten.
Ich würde gern mal wissen wollen, ob sich all diese Leute genauso
ins Zeug legen würden, wenn George W. Bush das Zeitliche segnete.
Die USA sind doch auch ein befreundeter Staat, nicht wahr ?
Der Gipfel der Unverschämtheit war aber der Rausschmiß eines
heimatvertriebenen Schlesiers - eines vermutlich 70jährigen oder
noch etwas älteren Herrn - durch den Listenverwalter Keller.
Schämen Sie sich, Uwe Keller! Eine Schande ist das, was Sie sich
geleistet haben!
Dabei hätten insbesondere die jüngeren Listenmitglieder, die vielen
Kevins und Denisse, von Herrn Tschirner sicher viel lernen können.
Man kann es eigentlich nicht glauben: Der Mensch, der durch die
Vertreibung nicht nur seine Heimat, sein Eigentum und vermutlich
auch zahlreiche seiner Verwandten verloren hat, und unser aller
Respekt verdient, muß sich heute - 65 Jahre danach ! - von dumm-
dreisten Landsleuten auch noch anpöbeln und als "Ewiggestrigen"
und "Historienverdreher" (Originalton Jens Heise) bezeichnen lassen!
Wo waren Sie, als Jens Heise diesen Müll postete, Uwe Keller ?
Am Schlimmsten aber empfand ich dann das Verhalten der zahlreichen
Claqueure: Leute wie Erhard Mutzke, Werner Wicke, Andrea Vietor,
Gundemarie Scholz, Malte Woydt, Ralf Ludewig oder den Christian
aus Berlin.
Eine solche Haltung finde ich widerlich und erbärmlich; zeigt sie doch
totalitäres Denken und Mitläufertum! Diese Leute wollen wohl nicht
diskutieren - vermutlich, weil es Ihnen an Geschichtswissen fehlt - Sie
wollen wohl eher andere mundtot machen, weil Ihnen deren Meinung
nicht paßt! Wie in der DDR, Leute!
Niemand in der Liste hat sich auch nur ansatzweise darüber Gedanken
gemacht, wieso sich Herr Tschirner so geäußert hatte. Bei jedemStraf-
prozeß wird ausgiebig erörtert, ob der Täter vielleicht eine schwere
Jugend hatte oder ob er möglicherweise mißbraucht wurde, was dann
alles Rechtfertigungs- und Schuldausschlußgründe sein könnten. Bei
Herrn Tschirner zählt die grausame Vertreibung offenbar nicht. Dabei
wäre gerade in seinem Fall Verständnis angezeigt, Leute!
Die Äußerungen des Doktor Pietrasz - dem die Polen nach eigener
Aussage nichts weggenommen haben, der mithin froh sein sollte, die
Vertreibung nicht erlebt zu haben - sind an Zynismus nicht zu über-
bieten und widerlich: Herrn Tschirner stehe es frei, sich in seiner
Heimat wieder niederzulassen (Originalton des Doktors).
Frage: Neben den Abkömmlingen derer, die ihn und seine Familie
vertrieben hatten? Oder wie meinten Sie das ?
Da ich darüber keine Empörungen gelesen haben - schon gar nicht
meldete sich der Herr Keller - scheint das offenbar das heutige Niveau
dieser Liste zu sein!
Ich würde gern mal wissen wollen, ob auch nur ein Mitglied, das hier
mithalf, die Liste mit Beileidsbekundungen zu füllen, ein Kondolenz-
schreiben nach Warschau geschickt hat - oder irre ich mich, Dieter
Seemann, Rainer Mettin, Helmut Göttler, Reinhard Otto, Rita Gasse,
Maria1906, Martina Grunert, Alexander Kickert, Denis Jestmikusz,
Walter Noebe und Hans Wolfgang Mammen (der sich sogar wie ge-
lähmt fühlte) ?
Wie sieht denn Aussöhnung Ihrer Meinung nach aus, Eberhard Schwarz-
bach? Dazu haben Sie leider geschwiegen. Aber im Phrasendreschen
scheinen Sie groß zu sein!
Ich bin auch für Aussöhnung! Aber für mich gehört dazu, daß ALLE
Karten auf den Tisch kommen - auch die polnischen! Beispielsweise
auch der "Bromberger Blutsonntag"!
Und noch eines an die Adresse des Thomas Daroszewski (!): Die Familie
MEINES Großvaters väterlicherseits wurde bereits 1920 (!!!!) von ihren
polnischen Landsleuten vertrieben, und zwar aus Westpreußen!
Wie wurde denn die deutsche Minderheit in den 20er und 30er Jahren
in Polen behandelt ? Mußten denn nicht schon in den Zwanziger Jahren
an die zwei Millionen Deutsche fliehen?
Wer behauptet, die Geschichte zu kennen, sollte auch zu den Taten
der Roman Dmowski, Stanislaw Grabski, Wojciech Korfanty oder
Oberst Jozef Beck nicht schweigen.
Und auch nicht über die Zeit VOR dem September 1939!
Wollte nicht Jozef Beck 1932 Berlin erobern?
An die schweigende Mehrheit:
Mit solchen Leuten wie oben will ich nicht länger etwas zu tun haben.
Ich habe für diese Liste viele Beiträge verfaßt und sicher auch vielen
helfen können, aber Leuten, die eine solch ehrlose und totalitäre
Gesinnung haben, widerstrebt es mir einfach, zu helfen. Bitte habt
dafür Verständnis!
Ich melde mich daher im Anschluß an diese Mail ab.
Wer Dampf ablassen möchte, muß mir also privat schreiben. Aber
denkt daran, für polemische und unverschämte Äußerungen gibt es
Feuerwerk zurück!
Allen anderen Mitgliedern wünsche ich noch viel Erfolg bei ihrer
Ahnenforschung.
Freya