Mein Problem bei der Erforschung meiner Vorfahren des gleichen Familiennamens

Liebe Listenangehörige,

ich habe folgendes Problem und hoffe, dass mir jemand von Ihnen helfen,
einen Tip geben oder vom historischen Hintergrund her, helfen kann.

Und zwar habe ich meine Vorfahren des gleichen Familiennamens bis ins 17.
Jahrhundert zurück verfolgt und stecke hier aber momentan fest, bzw. komme nicht
weiter.

Nun ist es so, dass es eine Mund-zu-Mund-Überlieferung in unserer Familie
gibt, die besagt, dass die Lindenbergers ursprünglich aus Österreich (bzw. Tirol
?) oder der Schweiz kommen.
Konkretes weiss ich leider nicht.

Okay, jetzt könnte man sagen, super, ich brauche ja nur bei den
Exulanten(listen) forschen (die ja teils genau in dieser Zeit anscheinend - 17.
Jahrhundert) nach Deutschland immigriert sind.

Aber genau da liegt mein Problem, denn sämtliche Lindenbergers, die ich
bislang zurück verfolgt habe, sind katholisch und bei den Exulanten handelt es
sich ja gerade eben um
e v a n g e l i s c h e Menschen, welche ihres Glaubens wegen ihre Heimat
verließen/verlassen mussten, oder ?

Es ergibt also keinen Sinn, denn der breite Zuwanderstrom der damals von
Österreich nach Deutschland kam, waren ja eben Evangelische. Und, angenommen
meine Vorfahren wären dabei gewesen, ist es doch nur sehr schwer vorstellbar,
dass die Menschen damals ihres Glaubens wegen ihre Heimat verliessen, nur um
dann in der Fremde doch den Glauben anzunehmen, vor dem sie ja quasi geflüchtet
sind, oder ? Das macht doch keine Sinn, oder ?

Es gibt anscheinend Listen sog. "Neubekehrter" eben dort in Österreich in
der damaligen Zeit, also Menschen, die doch wieder von Evangelischen zu
Katholischen wurden
(ich habe zwar erfahren, dass manche in diesen Listen Enthaltenen, kaum dass
die "Bekehrer" fort waren, doch wieder als Evangelische weiterlebten ?).
Angenommen meine Vorfahren wären bei diesen vom Protestantismus zum
Katholizismus bekehrten dabeigewesen, warum sollten Sie dann doch noch nach
Deutschland auswandern (wo sie ja dann doch wieder als Katholiken weiterlebten -und
nicht etwa zu den fälschlicherweise Bekehrten gehörten-) ?

An noch einen weiteren historischen Sachverhalt habe ich gedacht:
Eben in diesem 17. Jahrhundert fand ja der 30-jährige Krieg statt.
Der katholische Feldherr Wallenstein warb anscheinend auch (oder inbesonders
?) in Österreich auch Evangelische für sein Heer an, welche dann eben "auf
katholischer Seite" für ihn kämpften (eben und vor allen in Deutschland - es
fand sogar bei Nürnberg/Zirndorf eine entscheidene/grosse Schlacht gegen den
Schweden-König Gustav Adolf statt, d.h relativ nahe Heroldsbach bei Forchheim,
wo meine Vorfahren des gleichen Familiennamens, bis eben ins 17. Jahrhundert
zurück, herkamen). Theoretisch hätten also auch Evangelische aus Österreich
auf diese Weise mit Wallenstein nach Nordfranken gekommen sein können, wo
sie, aus welchen Gründen auch immer (Heirat ? Verwundung? ... ) seßhaft wurden
und den örtlichen, katholischen, Gauben annahmen. Diese Erklärung scheint mir
nachvollziehbarer, als die, dass, wie gesagt, Leute ihres Glaubens wegen ihre
Heimat verließen und dann dort eben doch den anderen Glauben annahmen.

Hat jemand gehört, dass so etwas damals vorkam ? Bzw, weiss jemand, ob es
eventuell irgendelche "Söldner-Anwerbungs-Listen" des Wallenstein-Heeres in
Österreich gibt ?

Hat jemand mit dieser gesamten Problematik (Immigration Schweiz/Österreich
-> Deutschland im Kontext mit Evangelisch/Katholisch) "Erfahrung", bzw.
hatte es jemand mit einer ähnlichen Konstellation zu tun, oder kann mir einen
wertvollen historischen Hindergrundhinweis liefern, der mich irgendwie in dieser
Sache weiterbringt ?

Vielen Dank bereits vorab !

Viele Grüße aus Nürnberg-Schniegling

Christian Lindenberger

Sehr geehrter Herr Lindenberger!

Nat�rlich gab es die Exulanten aus religi�sen Gr�nden.
Aber das waren keineswegs die einzigen Auswanderer aus den Ostalpen.

Der Ostalpenraum wurde vom 30j�hrigen Krieg kaum mitgenommen, d.h. dort gab es so gut wie keine Bev�lkerungsverluste. Dagegen waren weite Teile Bayerns, Schwabens, der Pfalz, Frankens, des Elsa� usw. menschenleer.
Um diese Gebiete wieder zu besiedeln wurden zehntausende Auswanderer angeworben. Gleichzeitig gab es im Ostalpenraum, in dem zu dieser Zeit der Bergbau (wegen der �berseeischen Konkurrenz - Spanien) allm�hlich zusammengebrochen ist, �berbev�lkerung.
Deshalb gibt es heute beispielsweise wenige Pf�lzer, die nicht zumindest eine Vorfahrenslinie nach Tirol, Vorarlberg oder die Deutsch-Schweiz haben.
�hnlich war es in Franken.
D.h. es gab sehr viele Auswanderer, die nicht aus religi�sen Gr�nden (Exulanten), sondern ganz einfach aus wirtschaftlichen Gr�nden kamen - gerufen worden sind.

Da� ein Exulant in Franken katholisch geworden w�re, das halte auch ich f�r sehr unwahrscheinlich.

Mit freundlichen Gr��en aus Wien
G�nter Ofner