gerade habe ich zum ersten Mal einen Bericht über Masuren im Fernsehen
gesehen und prompt sind mir ein paar Fragen zu meinen eigenen Vorfahren
eingefallen:
1) Sind die Namen Jegottka (auch andere Schreibweisen), Kiy, Taday und
Schwiederski deutschstämmige Namen oder eher polnische Nachnamen? - Meine
Ur-Oma Taday konnte nämlich ziemlich gut Polnisch soweit ich weiß Es ist
keine Nationalitätenfrage, aber es für mich interessant.
2) Zu 50% sind meine Vorfahren katholisch und meine Mutter mußte
konvertieren, um meinen Vater (katholisch) heiraten zu dürfen und heute sehe
bzw. höre ich, dass 98% der Menschen aus Masuren mittlerweile katholisch
sind. Wie war das konkret im 19. Jahrhundert und wie kommt die evangelische
Minderheit in Masuren jetzt zurecht?
3) Gibt es überhaupt noch Chancen meine Vorfahren in Masuren zu erforschen?
Sind eventuell doch alle Kirchenbücher vernichtet und es gibt keine
Möglichkeit, die Geburtsdaten der Eltern meiner Ur-Großeltern (geb.
1880-1890) zu erfahren?
Ich weiß, es sind teilweise blöde Fragen und ich könnte das alles nachlesen.
Bei mir in der Nähe - nämlich in Herne - gibt es eine gute Bibliothek, aber
ich gebe zu, dass mir zu Anfang Meinungen von Kennerinnen und Kennern lieber
sind. Danach kann ich mich hinter den Büchern verstecken.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Geduld!
Schöne Grüße
aus Bochum
Uli Pesch
PS: Warum ist eigentlich - habe ich vor kurzem diskutiert -, das Verhältnis
zwischen Schlesiern und Masuren so schlecht?
Ostpreu�en war zu ca. 75 % evangelisch. Nur das Ermland war katholisch.
Masuren war fast zu 100 % evangelisch. Man wirft heute etwas in einen Topf. Es
gab nie die Landschaft Masuren. Man bezeichnete einen Teil der Bev�lkerung im
s�dlichen Teil Ostpreu�ens als Masuren. Sie sprachen bis vor ca. 100 Jahren
altpolnisch ((der Rest sprach niederdeutsch (platt)) , da ein erheblicher Teil
der Vorfahren aus Masowien eingewandert war und den Rest der bodenst�ndigen
Bev�lkerung (Pruzzen und eingewanderte Deutsche) assimilisiert hat. Alle
Kirchen in den l�ndlichen Gebieten S�dostpreu�ens waren evangelisch. Nur in den
Kreisst�dten gab es katholische Kirchen. Die heutige Bev�lkerung ist aus Polen
und Litauen eingewandert und sind katholische Polen. Es gibt aber auch noch
eine Minderheit von Ukrainer,. Diese wurden 1947 mit der Aktion Weichsel von
den Polen aus S�dpolen (nicht aus der Ukraine) nach Ostpreu�en
zwangsumgesiedelt Es gibt nur noch eine deutsche Minderheit die evangelisch ist.
mfG
Bernd (aus Marl) (kenne auch die Opitz-Bibliothek, es lohnt sich ein Besuch)
Vor mir liegt:
Die Bau und Kustdenkmaeler der Provinz Ostpreußen
Im Auftrage des Ostpreußischen Provinzial-Landtages
bearbeitet von Adolf Boetticher
Koenigsberg: Komissionsverlag von Ernst Teichert 1896
Das Heft VI heisst MASUREN
Es wird wie folgt umschrieben:
"Es erstreckt sich im geograpohischen Sinne von 54 Grad 31 Minuten (Kubillen, Kr Goldap) bis 53 Grad 27 Minuten (Dlottowen Krs. Johannisburg n. Br und von 38 Grad 43 Minuten (Allmoyen. Krs Sensburg) bis 40 Grad 27 Minuten (Reddicken, Krs Goldap) ö.L. von Ferro"
Es sei nicht verschwiegen, das in der Einleitung (S 1*) steht:
"Welchen Teilen der südlichen Provinz der Name Masuren zukomme, darüber hat man viel gestritten; zu einer Einigung ist es bisher nicht gekommen. Als seit dem XIV. und XV. Jh. zu den neben den alten Preußen im Gebiete Galindiens und Sudauens ansässigen Polen größere polnische Einwanderungen aus der Masau hierher in die "Wildnis" stattfanden- das war Galindien in dem Eroberungskriege des Ordens geworden- sprachen die Gebietiger des Ordens von den Polen, später Herzog Albrecht und die branburgischen Kurfürsten in ihren Erlassen abwechselnd von den Polen und Masoviern oder Polen, Masoviern und Masuren. Erst seit der neuen Kreisenteilung (1818) ist, wie Toeppen nachweist, der Name Masuren bei uns allein üblich geworden."
(Krosta, Land und Volk in Masuren, progr d. Kneiphöfischen Gymnasiums z.K. 1875)
Dies habe ich unter "Klein(lich)e Berichtigungen" abgelegt, denn sonst stimme ich mit dir
eigentlich vollstaendig ueberein.. <sm>
zu deinem Punkt 3: Ab ca. 1875 wurden standesamtliche Unterlagen gef�hrt. Wenn
du Gl�ck hast, sind die f�r deine Region noch erhalten - das war doch der
Regierungsbezirk Allenstein, oder ?
Diese Unterlagen sind einzusehen im "Archivum Panstwowe w. Olstynie ul.
Partyzantow 18, PL 10-521 Olsztyn" - also in Allenstein. �ber`s Internet
m�sstest du an die Bestandslisten kommen.
Aber vorsichtig: Bei Kopiebestellungen und der damit verbundenen Suche kommen
ganz schnell gro�e Kosten auf dich zu ! Besser das ganze mit einer Woche
Masuren verbinden und vor Ort recherchieren.
Bernd Kazperowski schrieb:
. Sie sprachen bis vor ca. 100 Jahren
altpolnisch ((der Rest sprach niederdeutsch (platt)) , da ein erheblicher Teil
der Vorfahren aus Masowien eingewandert war und den Rest der bodenst�ndigen
Bev�lkerung (Pruzzen und eingewanderte Deutsche) assimilisiert hat.
Von meinen Eltern kenne ich den Ausdruck "Wasserpolnisch". Gibt es f�r
diesen Ausdruck eine plausible Erkl�rung?
> "Frieseln" ? Nicht Masern.
Frieseln ( Miliaria) sind Hitzepickel, sie entstehen infolge starken
Schwiztens von den Schwei�dr�sen aus, als hirsekorngro�e juckende Papeln ,
es k�nnen daraus auch richtige Bl�schen entstehen mit milchigem oder klaren
Inhalt, sie k�nnen sogar eitrig werden.
Also Hitzepickel oder Schwei�frieseln.
Ich hoffe, es hilft ein bi�chen weiter. Alles wei� ich nat�rlich auch nicht,
habe aber noch ein paar alte Lehrb�cher aus den 20iger Jahren (geerbt!). So
mag es gehen.
Herzliche Gr��e Cornelius Rosenfeld>
>
Cornelius Rosenfeld schrieb:
>
> From: "Maren Khan" <marenkhan@onetel.net.uk>
> To: <ow-preussen-l@genealogy.net>
> Sent: Thursday, March 06, 2003 4:38 PM
> Subject: [OWP] Krankheit
>
>
> > Hallo
> > Was ist: haeutige Braeune? Diphtherie, wegen der braunen Bel�ge auf
Nun m�chte ich doch noch einmal auf die alten Krankheitsbezeichnungen
zur�ckkommen.
Zwei Stellen im Internet habe ich gefunden:
www.linsel-online.de/krankheiten.htm
www.genealogienetz.de/misc/krankheiten.htm
Es ist schon interessant, wie sich die Krankheitsbezeichnungen ge�ndert
haben.
Ein Buch �ber alte Krankheiten habe ich im Antiquariat bestellt. Ich hoffe,
da� ich also demn�chst fundiertere Antworten geben kann
Herzliche Gr��e Cornelius Rosenfeld
Vielen Dank die mir geantwortet haben, die Intresse gezeigt haben uns sich
die Muehe gemacht haben nachzu sehen.
Ich arbeite im medizinischen Bereich hier und finde es einfach interessant
und auch etwas traurig wenn man feststellt, wie einige meiner Ahnen Kinder
innerhalb von 2 Tagen gestorben sind bzw meine Urgrossmutter mit 3 Jahren
Waise wurde.
Ich arbeite wie gesagt mit ' bereavement issues' und frage mich dann, wie
die Leute das so alles verkraftet haben.
Maren
Maren Khan
Basildon
Essex