Marquardt aus Königsberg

Hallo, Familienforscher

oder soll ich sagen, verehrtes Genealogenkollegium? Die Beiträge auf dieser
Seite sind sehr interessant zu lesen und manchmal recht hilfreich in den
eigenen Nachforschungen.

Zu meiner Person: Ich bin Frank Marquardt und wohne mit meiner Familie in
der Nähe von Kiel. Seit etwa zwei Jahren betreibe ich Familienforschung und habe
so manches herausgefunden. Bei der Durchsicht der ow-preussen - Seiten ist
mir aufgefallen, daß hier keine Marquardts aus Königsberg erwähnt werden,
wohnen und leben diese doch schon seit Jahrhunderten in dieser ehemaligen
Provinzhauptstadt. Auch stimmt es nicht, daß alle Marquardts ehemalige französische
Hugenotten oder Refuges waren, wenn überhaupt welche, doch dazu später mehr.

Der Name Marquardt wird das erstemal urkundlich um das Jahr 800 erwähnt,
also in jenem Jahr, als sich der Große Karl zum Kaiser krönen lies. In dieser
Urkunde liest sich der Name „marcuuard". Marquardt ist ein Rufname aus dem
althochdeutschen. Seine Bedeutung geht aus der Form Markwart noch etwas
deutlicher hervor und setzt sich aus den Wörtern „marca“ = Grenze, Land und „wart“
= Wächter zusammen (Horst Naumann, Das große Buch der Familiennamen, Weltbild
2005, S. 191).

Verschiedene Dichter alter Zeit wie z.B. Hermann Löns bezeichneten den
Eichelhäher, einen blaubunten Rabenvogel als „Markwart“. Dieser waldbewohnende
Vogel hat bekanntlich die Eigenscharft, einen laut krächzenden Warnruf
auszustoßen, wenn Raubtiere oder gar Menschen in seine Nähe kommen. So kann man sich
einen Beamten vorstellen, der in alter Zeit die Aufgabe hatte, in Grenzmarken
/ Randbereichen eines Landes dafür zu sorgen, daß die Grenzen gesichert
waren.

Der Name Marquardt ist eng mit der Geschichte der Stadt Königsberg (heute
Kaliningrad) im ehemaligen Ostpreußen verbunden. Schon in der ältesten
erhaltenen Urkunde dieser Stadt, dem Hauptprivilegium des 28.02.1286, in dem die
Rechte und Pflichten der Bürger verzeichnet wurden, taucht als einer der
Unterzeichnenden auf: Lupold Marquard (Richard Armstedt, Geschichte der Haupt- und
Residenzstadt Königsberg, Melchior Historischer Verlag 1899, Reprint, S.23).
Einiges später, im Jahre 1494, wird ein Anton Marquardt Bürger der Altstadt in
Königsberg (Quassowski-Datei, Heinrich Bartsch Index). Gotthard Marquard war
im 17. Jahrhundert Bürgermeister der Stadt. Sein Sohn Friedrich (später
Frederik) Marquard (1640-1705) erhielt 1691 den Adelstitel in Schweden. Dessen
Sohn Karl von Marquard diente in der französischen Armee
(_www.general-forum.com/forum_d/showthread.php?id=2223_
(http://www.general-forum.com/forum_d/showthread.php?id=2223) ).

In der Liste der Mälzenbrauer zu Königsberg vom 05.09.1798 wird ein
Kammer-Sekretär Marquardt erwähnt (Quassowski-Datei, Stadtarchiv Kbg Opr, Foliant
12636). Das Wappen einer Familie Marquardt aus Heiligenbeil in der Nähe von
Königsberg zeigt gar auf der einen Hälfte einen silbernen Pferdekopf auf
schwarzen Grund und auf der anderen Hälfte einen gelben Eichelhäherkopf auf blauen
Grund (Quassowski-Datei).

In den Adressbüchern der Stadt Königsberg von den Jahren 1746-1809 stellen
sich vor:
Carl Friedrich Marquardt, Drechsler in Kneiphof
Christian Friedrich Marquardt, Sutor aus Bartenstein, 1772 nach Altstadt
gezogen
Friedrich Marquardt, Bürgersohn, Loh- und Rotgerber in der Äußeren Vorstadt
Gottfried Marquardt, Bürgersohn, Loh- und Rotgerber am Friedländer Tor
Johann Friedrich Marquardt, Loh- und Rotgerber in der Äußeren Vorstadt
Johann Friedrich Marquardt, Bürgersohn, Rotgerber
Michael Marquardt, Bürgersohn, Loh- und Rotgerber in der Vorstadt.

Aus dem Königsberger Stadtkalender 1770 ist zu entnehmen:
„Johann Friedrich Marquardt, Amts-Wachtmeister, wohnet auf der neuen Sorge
in der Löffelgasse“.

Und im Königsberger Adreßbuch 1857-60 lernen wir Familienmitglieder meiner
Vorfahren kennen:
Marquardt, F., Gendarm, Alter Garten 40
Marquardt, J.F., Maurer, Nasser Garten 59
Rosenbaum, H.A., Zimmermann, Nasser Garten 39

Es folgt eine möglichst kurz gehaltene Familiengeschichte, beginnend mit
meiner Großmutter:

Betti Luzie Marquardt, *12.04.1916 in Königsberg, +09.07.1963 in Hamburg.
Ihre Eltern waren der bei der Reichsbahn beschäftigte Gleisschlosser Adolf
Rudolf Theodor Marquardt und seine Frau Marie Betti Gritto. Sie wohnten zuerst
in oder bei Haberberg, später Kaplanstraße 6a und 3/4. Im Januar 1945 konnte
Theodor Marquardt mit seiner Frau und zwei von seinen vier Töchtern nach
Schleswig-Holstein fliehen. Die beiden anderen Töchter wurden wenig später durch
Suchdienste gefunden.

Adolf Rudolf Theodor Marquardt, *29.09.1872 in Königsberg, oo09.10.1897 in
Königsberg mit
Marie Betti Gritto (*18.10.1875, Florentinenhaff, Tochter von August Hermann
Gritto und Antonie Maler), +28.01.1849, Borstel bei Hamburg. Seine Eltern
waren der Maurer Carl Adolf Marquardt und seine Frau Charlotte Amalie
Rosenbaum. Sie wohnten Nasser Garten (Nassergarten) 39 im Hause des Brautvaters J. F.
A. Rosenbaum. Weitere Kinder sind mir leider nicht bekannt.

Carl Adolf Marquardt, *09.11.1840 in Königsberg, oo22.11.1867 in Königsberg
mit
Charlotte Amalie Rosenbaum (*10.07.1841, Königsberg, Tochter von Zimmermann
Johann Friedrich August ("Hans August") Rosenbaum und Augustine Dorothea
Lemke), +? Seine Eltern:

Carl Gottlieb Marquardt, *08.06.1813 in Königsberg, oo25.10.1839 in
Königsberg mit
Caroline Amalie Mintel (*1812, Königsberg, Tochter des Johann Mintel),
+03.08.1866 in Königsberg. Seine Eltern:

Christian Marquardt, *18.12.1781 in Königsberg, oo07.07.1802 in Königsberg
mit
Louise Charlotte Gabriel (*25.01.1782, Königsberg, Tochter von
Schiffszimmer-Gesell Michael Gabriel und Anna Louisa Grohn), +? Seine Eltern:

Christian Marquardt, *16.12.1751 in Königsberg, oo28.10.1779 in Königsberg
mit
Regina Klein (*1751 in Königsberg), +17.07.1829 in Königsberg. Seine Eltern:

Friedrich Marquardt, *24.07.1719 in Königsberg, oo27.11.1741 in Königsberg
mit
Barbara Heckendorf (*1710, Königsberg), +27.12.1793 in Königsberg. Seine
Eltern:

Michael Marquardt, get. 04.09.1677 in Königsberg, oo13.04.1711 in Königsberg
mit
Anna Feierabend (*ca. 1690, Königsberg, Tochter von Michael Feierabend und
Maria), +27.12.1730 in Königsberg. Seine Eltern:

Hans Marquardt, *ca. 1636, nach anderen Angaben get. 23.03.1643 in
Königsberg, oo mit
Gertraud in Königsberg, +? Bei seinen Eltern bin ich mir nicht ganz sicher,
deshalb die nächsten Generationen mit Vorbehalt:

Christoph Marquardt, get. 23.03.1610 in Königsberg, oo1634 in Königsberg mit
Anna Schlacht (*ca. 1613, Königsberg), +? Seine Eltern:

Clement Marquardt, *ca. 1579 in Königsberg, oo1604 in Königsberg mit
Anna Fischer (*ca. 1583, Königsberg), +? Seine Eltern:?

Clement Marquardt und Anna Fischer waren auch die Eltern von:

Clement Marquardt, *1619 in Königsberg, oo1650 in Königsberg mit
Anna Lemke (*1630, Königsberg), +? Dessen Sohn:

Friedrich Marquardt, get. 03.01.1662 in Königsberg, oo in Königsberg mit
Regina Feierabend (*1662, Königsberg), +1705 in Königsberg. Dessen Sohn:

Friedrich Marquardt, get. 08.09.1690 in Königsberg, oo15.03.1713 in
Königsberg mit
Maria Bessel (*23.03.1695 in Königsberg, Tochter von Georg Bessel und
Catharina Gronau), +? Dessen Sohn:

Johann Friedrich Marquardt, *11.10.1719 in Königsberg, oo25.10.1751 in
Königsberg mit
Anna Catherina Thalmann (get. 25.10.1730, Königsberg, Tochter von Andreas
Thalmann und Anna Pottel), +20.01.1796 in Königsberg. Dessen Tochter:

Anna Marquardt, *15.02.1755 in Königsberg, oo04.01.1773 in Königsberg mit
dem Arbeiter
Christian Rosenbaum (*28.07.1747, Königsberg), +?. Dies sind die
Urgroßeltern von Charlotte Amalie Rosenbaum, die widerum (s.o.) mit Carl Adolf Marquardt
verheiratet war.

Die Nachkommen der beiden o.g. Marquardt-Linien sind ab den beiden im selben
Jahr 1719 geborenen Friedrich und Johann Friedrich mit ihren Geschwistern
nachweislich in Haberberg getauft, getraut und beerdigt worden. Schon auf der
Stadtkarte von Joachim Bering aus dem Jahre 1613 ist eine Haberberger Kirche
eingezeichnet. Diese Kirche wurde um 1562 gegründet und um 1653 erweitert
(Richard Armstedt, Geschichte der Haupt- und Residenzstadt Königsberg, S. 201).
Eine andere Quelle sagt, die Gemeinde Haberberg wurde 1652 gegründet, vorher
gehörten die Bewohner zum Königsberger Dom
(_www.koenigsberg-preussen.de/koenigsberg/ko_kirchenbautenev3.html_
(http://www.koenigsberg-preussen.de/koenigsberg/ko_kirchenbautenev3.html) ). Auf der eben genannten Karte ist auch der
lange Strassenzug „Nassergarten“ zu sehen, erwähnt bereits 1595 (B. Karl,
Geschichtliches Straßenverzeichnis der Stadt Königsberg in Preußen, Königsberg
1924, Nachdruck Hamburg 1961, S. 70), wo die Familien Marquardt in späterer Zeit
wohnten.

Um das Jahr 1690 wanderten französische Refugies in Königsberg ein, die in
ihrer Heimat ihres Glaubens wegen verfolgt wurden. In Königsberg fanden sie
freundliche Aufnahme und brachten durch ihre handwerklichen und sonstigen
Kenntnisse den Wohlstand entschieden voran. Im Kreis Heiligenbeil gab es viele
Familien mit dem Namen Marquardt oder Marquard, die jedoch nicht französischen
Ursprungs sein müssen, denn schon im Jahre 1470 erhält der "Einsiedel" Michael
Marquard(t) die Erlaubnis, sich im Kreise Heiligenbeil niederzulassen. Greger
Marquardt, wohl ein Nachkomme, erwarb 1540 den Oberkrug in Rosenberg bei
Heiligenbeil. Die folgenden Generationen erwarben in unterschiedlichen Orten des
Kreises Land und wurden Landwirte (Quassowski-Dateien). Ob es Verbindungen
zu den Königsberger Familien gab, weiß ich nicht.

Nun meine Bitte an Sie als Profis: Mich interessiert vor allem, was haben
meine Vorfahren beruflich gemacht, wo und in welchem Dienstgrad waren sie
militärisch tätig? Wie erhalte ich darüber Auskunft im Internet oder sonst? Mein
Urgroßvater hatte, wie erwähnt, nur vier Töchter und wohl keine Söhne. Meine
Großmutter, die nicht verheiratet war, bekam nur einen Sohn, meinen Vater.
Ihre Schwestern verstarben alle kinderlos. Das heißt, daß meine Kinder und ich
die einzigen noch lebenden Nachkommen meines Urgroßvaters sind. Mich würde es
freuen, wenn ich Nachkommen aus den vorhergehenden Generationen kennenlernen
könnte, denn sie hatten alle viele Kinder gehabt. Ich kann mir auch nicht
vorstellen, daß mein Urgroßvater, Theodor Marquardt, ein Einzelkind war. Leider
sind mir seine Geschwister nicht bekannt.

Viele Wohnhäuser des Nassergarten stehen noch heute. Bestimmt hat jemand
Fotos davon gemacht oder lebte selbst in dieser Straße und kann darüber
berichten. Welche/ was für Menschen wohnten dort, welche Ereignisse fanden in dieser
Straße statt?. Oder von der Kaplanstraße, die heute nicht mehr existiert.
Oder der Florentienenhof / Florentienenhaff, ein größeres Haus als Vorwerk zu
Gut Groß-Holstein, wo meine Urgroßmutter Marie Betti Gritto / Gritta geboren
wurde. Für Informationen bin ich sehr dankbar. Hat jemand Fragen zu weiteren
Vorfahren der angegeben Ehefrauen, stehe ich nach Vermögen zur Verfügung.

Auch Mails von Lesern mit den Namen Marquardt, Gritto und Rosenbaum im
Allgemeinen und besonders aus Königsberg sind mir sehr willkommen

mit freundlichen Forschergrüßen
Frank Marquardt, _marquardtfrank1@aol.com_ (mailto:marquardtfrank1@aol.com)

Hallo Herr Marquardt,

ich habe Ihre Nachricht gelesen und habe folgende Frage. Kann es sein, daß sich Ihr Name auch mit k schreiben kann, also Markwardt?

Ich habe nämlich auf diese Schreibweise lautende alte Fotos, z. B. von einer Emmy Markwardt geb. Volland geb. 1870.

Gruß aus Aachen
Kurt Kriegel

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