Lumpensammler

Hallo Liste !
Habe festgestellt, wie engagiert Ihr beim Thema Krauter gewesen seid -
vielleicht könnt Ihr mir ja auch helfen: Ein Urururopa von mir ( * ca. 1800, aus
Lindlar, NRW) war 'Lumpensammler'. Zwar kennt man den Begriff, aber als
Berufsbezeichnung erhalte ich nur spärliche Informationen.
Hat jemand Ahnung, wo ich Genaueres erfahren kann ?

Viele Grüsse, Kristina

Also ich kenne den Begriff für Menschen, die dies tatsächlich als
Beruf ausüben - sie sammeln Wiederverwertbares. Gewissermaßen die
Vorläufer des Recyclingsystems. Damals gab es immer noch was für das
Kilo Papier, und nicht zu knapp. Wir brachten es als Kinder zum
Lumpensammler, der das dann abwog und uns entsprechend auszahlte.
Ich erinnere mich an große Blöcke gepressten Altpapiers auf dem Hof,
was es sonst noch da gab, weiß ich nicht mehr. Aber wohl auch
Altkleidung.

- --
Martin Senftleben, Doctor of Philosophy, S.V. University
http://www.drmartinus.de
http://www.daskirchenjahr.de
Public key at/Öffentlicher Schlüssel bei
hkp://blackhole.pca.dfn.de or/oder hkp://pgp.mit.edu
GPG/PGP key/Schlüssel ID: 5269AE638F01C848

Hallo Kristina,

auf meiner Homepage habe ich einen Artikel mit dem Thema
"Lumpensammler in Oberschlesien" (von Dr. Joh. Chrzaszcz)
zum Herunterladen:

http://www.olawsky.de/schlesien/sil4.html

Viele Grüße aus dem Rheintal!

Gregor

Hallo Kristina,

laut Brockhaus und Herkunftsw�rterbuch (Duden)sind Lumpen " Lappen, Fetzen, alte Kleidungsst�cke" und ein Lumpensammler ist jemand, der gewerbsm��ig Lumpen sammelt. Umgangsprachlich aber auch die letzte n�chtliche Fahrgelegenheit bei Bus, Stra�enbahn, Vorortbahn, was aber im vorliegenden Fall seinerzeit wohl noch nicht existierte.

Freundliche Gr��e
Dietrich Kernke

Kristinapx11@aol.com schrieb:

Hallo Liste,

es geht eher um Lumpen, die damals dringend für die
aufkommende Papierindustrie benötigt wurden.
Lumpensammler war damals ein angesehener Beruf.
Es gab sogar Gebietsstreitigkeiten, da die Papierfabriken,
die oft dem Adel gehörten, mit ausreichend Lumpen versorgt
werden mußten.

Viele Grüße

Gregor

< http://www.olawsky.de/schlesien/pdf/lumpensammler.pdf >

Liebe Kristina,

auch einer meiner Ururgro�v�ter war Lumpensammler: Christian Heinrich
KRASSMANN * 14.10.1825 Wei�ensee/Th�ringen, um 1850 Obergehilfe auf der
Scharfrichterei in Dresden-Friedrichstadt, ist sp�testens ab 1860 in G�rlitz
Lumpensammler. Sein Betrieb firmierte sp�ter (vielleicht erst nach seinem
Tod 1910) hochoffiziell als "Lumpensammlung Heinrich Krassmann KG" und wurde
in fr�hen DDR-Jahren verstaatlicht (war also Teil des SERO-Systems).

In dieser "Lumpensammlung" wurde im 20. Jh. alles gesammelt, was man
wiederverwenden und / oder reparieren konnte - nur keine Tiere, denn das
macht ja der Abdecker (in diesem Fall: sein Vater, der Feldmeister in
G�rlitz war).

Was im 19. Jh. haupts�chlich angefallen ist, wusste ich allerdings auch
nicht. Erst nach dem Lesen des Artikels "Lumpensammler in Oberschlesien"
(danke, Gregor) ist mir klar geworden, dass zun�chst tats�chlich Stoffe und
Stoffreste, wie der Name ja auch vermuten l�sst, im Vordergrund standen.
Daraus entwickelte sich aber - unter altem Namen - ein kompletter
Recycling-Betrieb.

F�r die Familie bedeutete der Lumpelhandel den Schritt von der
Scharfrichter(knechts)- und Abdecker-Dynastie in das b�rgerliche Leben. Die
Kirchenb�cher bezeichnen ihn "neutral" als "Hausbesitzer und Handelsmann".

Herzliche Gr��e, Thomas (R�ffer)

Hallo Kristine, hier eine kleine Ergänzung:

Vor Jahren saß ich in Neumünster bei den Mormonen im Forschungsarchiv
und jemand entdeckte die Berufsbezeichnung HARDERSAMMLER. Keiner im Raum
konnte zunächst was damit anfangen. Bis mir das Schimpfwort Harderlump
und auch der Begriff für einen Feudel, den meine Großmutter immer
benutzte hat, einfiel. Sie nannte ihn Harder. Ein zum Lumpen gewordenes
Kleidungsstück wurde zuletzt als Feudel (Wischtuch) benutzt. Also Harder
---> der Lumpen! Da war es allen klar: Hardersammler = Lumpensammler!

Gruß bb

Bernd Babisch schrieb:

Vor Jahren sa� ich in Neum�nster bei den Mormonen im Forschungsarchiv
und jemand entdeckte die Berufsbezeichnung HARDERSAMMLER. Keiner im Raum
konnte zun�chst was damit anfangen. Bis mir das Schimpfwort Harderlump
und auch der Begriff f�r einen Feudel, den meine Gro�mutter immer
benutzte hat, einfiel. Sie nannte ihn Harder. Ein zum Lumpen gewordenes
Kleidungsst�ck wurde zuletzt als Feudel (Wischtuch) benutzt. Also Harder
---> der Lumpen! Da war es allen klar: Hardersammler = Lumpensammler!

Hallo Bernd,
Hader - ohne r! - ist s�ddeutsch f�r Lumpen und kommt meiner Meinung nach von Haar - haarig - h�ren. Ein Haderlump ist also ein h�rener (wollener) Lumpen. Das Word hat sogar Eingang ins Tschechische gefunden - geben Sie mal "hadr" in www.slovnik.cz ein!

Gr��e aus Hilden,
G�nther B�hm

und jemand entdeckte die Berufsbezeichnung HARDERSAMMLER. Keiner im Raum
konnte zun�chst was damit anfangen. Bis mir das Schimpfwort Harderlump
und auch der Begriff f�r einen Feudel, den meine Gro�mutter immer
benutzte hat, einfiel. Sie nannte ihn Harder. Ein zum Lumpen gewordenes
Kleidungsst�ck wurde zuletzt als Feudel (Wischtuch) benutzt. Also Harder
---> der Lumpen! Da war es allen klar: Hardersammler = Lumpensammler!

Ist Hardersammler richtig? Mir ist das Wort nur ohne r bekannt. Ich kenne
nur Hadernpapier oder Haderlump!
Gru� Uta

Hallo Uta,
bei uns in Chemnitz sagt man noch heute zu einem Wischtuch
"Scheuerharder". ;o)
Gru� Udo

und jemand entdeckte die Berufsbezeichnung HARDERSAMMLER. Keiner im Raum
konnte zun�chst was damit anfangen. Bis mir das Schimpfwort Harderlump
und auch der Begriff f�r einen Feudel, den meine Gro�mutter immer
benutzte hat, einfiel. Sie nannte ihn Harder. Ein zum Lumpen gewordenes
Kleidungsst�ck wurde zuletzt als Feudel (Wischtuch) benutzt. Also Harder

--->> der Lumpen! Da war es allen klar: Hardersammler = Lumpensammler!

Liebe Uta,

die Hadern waren "der Rohstoff" f�r die Papierm�hlen, die daraus
Schreibpapier herstellten. Das ganze hat mit dem Recycling-System unserer
Zeit �berhaupt nichts zu tun, weil es ja gar kein Altpapier gab, das man
h�tte sammeln k�nnen, so standen nur
die Hadern (Lumpen) zur Verf�gung. Mein Urgro�vater war Hadernsammlers
(Lumpensammlers)und trug au�erdem noch den damals anr�chigen Familiennamen
L�W. Das hat die Familie 1940 veranlasst, beim Amtsgericht offiziell alle
Urkunden dergestallt abzu�ndern, dass aus dem "Hadernsammler" ein
"Handelsmann" wurde.

mit freundlichen Gr��en
Karl-Heinz

Hallo Günter,
gebe mich geschlagen. Aber über diesen Umweg bin ich damals plötzlich
auf den "Harder" (Feudel) meiner Großmutter gekommen, so daß wir dann
jedenfalls richtig lagen! :slight_smile:

Gruß aus Kiel, Bernd

Hallo Uta,

habe schon sowas befürchtet, nachdem ich es abgeschickt hate. Ihr seid
aber auch alle genau! :slight_smile:

Gruß bb

Guten Tag Karl-Heinz,
so war es auch mir bekannt.1.Haderm�hle von Stromberg in N�rnberg 1613
(Gleism�hl)
Deshalb mein Einwurf wegen des "r".
Das waren noch Papiere!

Liebe Uta,
die Hadern waren "der Rohstoff" f�r die Papierm�hlen, die daraus
Schreibpapier herstellten. Das ganze hat mit dem Recycling-System unserer
Zeit �berhaupt nichts zu tun, weil es ja gar kein Altpapier gab, das man
h�tte sammeln k�nnen, so standen nur
die Hadern (Lumpen) zur Verf�gung. Mein Urgro�vater war Hadernsammlers
(Lumpensammlers)und trug au�erdem noch den damals anr�chigen Familiennamen
L�W. Das hat die Familie 1940 veranlasst, beim Amtsgericht offiziell alle
Urkunden dergestalt abzu�ndern, dass aus dem "Hadernsammler" ein
"Handelsmann" wurde.
mit freundlichen Gr��en
Karl-Heinz

> und jemand entdeckte die Berufsbezeichnung HARDERSAMMLER. Keiner im Raum
> konnte zun�chst was damit anfangen. Bis mir das Schimpfwort Harderlump
> und auch der Begriff f�r einen Feudel, den meine Gro�mutter immer
> benutzte hat, einfiel. Sie nannte ihn Harder. Ein zum Lumpen gewordenes
> Kleidungsst�ck wurde zuletzt als Feudel (Wischtuch) benutzt. Also Harder
> ---> der Lumpen! Da war es allen klar: Hardersammler = Lumpensammler!
>
> Ist Hardersammler richtig? Mir ist das Wort nur ohne r bekannt. Ich

kenne

Hallo Forscherfreunde,
der Duden kennt HADERN = Lumpen auch.
Wer kennt nicht den Ausdruck Mit seinem Schicksal hadern, unzufrieden
sein, weil es ein minderwertiges Dasein ist.
Viel Grüße, Sabine (Grasse)

Vor Jahren saß ich in Neumünster bei den Mormonen im Forschungsarchiv
und jemand entdeckte die Berufsbezeichnung HARDERSAMMLER. Keiner im Raum
konnte zunächst was damit anfangen. Bis mir das Schimpfwort Harderlump
und auch der Begriff für einen Feudel, den meine Großmutter immer
benutzte hat, einfiel. Sie nannte ihn Harder. Ein zum Lumpen gewordenes
Kleidungsstück wurde zuletzt als Feudel (Wischtuch) benutzt. Also Harder
---> der Lumpen! Da war es allen klar: Hardersammler = Lumpensammler!