Liebe Listenteilnehmer,
dies ist ein kleiner Hilferuf.
ich suche dringend ideologisch unbelastete, historisch unvoreingenommene,
und inhaltlich ausgewogene Literatur zur Geschichte und Kultur der Provinzen
Ost- und Westpreussen, so wie zur Vertreibung in Folge des WKII.
Kein Scherz, ich meine es ernst, bin nur sehr mi�trauisch geworden.
Am besten vielleicht von Autoren die nicht aus den betroffenen L�nder kommen
(das scheint mir fast das sicherste)
Zur Begr�ndung. ( Ansonsten kann man sich das folgende als lange
Gef�hlsduselei sparen.)
Wie schon an anderer Stelle erw�hnt, ich bin nach dem WKII geboren.
Viele meiner Vorfahren lebten schon �immer� in den Gebieten des sp�teren
Ost- und Westpreussens � so lange die Kirchenbuchaufzeichnungen halt zur�ck
reichen.
Ich wei� das mein Vater, ein sachlicher, historisch interessierter Mann,
sehr an der Stadt hing in der er aufgewachsen ist. Meine Mutter sicher auch,
aber da� l��t sich schwer sagen, weil sie nie gerne �ber diese Zeit geredet hat.
Dies h�ngt wohl auch mit ihren Erlebnissen auf der Flucht zusammen.
Lange Zeit habe ich die Geschichte der Gebiete von Ost- und Westpreussen
mehr oder weniger nur zur Kenntnis genommen. Ein paar B�cher, Film, Funk und
Fernsehen, in der Schule erfuhr ich auch nicht viel � war auch schon weit vor
der PISA-Aera so � und wie gesagt, meine Eltern redeten nicht viel dar�ber.
Weil sie zu Hause rumlagen, hab ich auch in einigen Periodika der
Vertriebenenverb�nde gelesen, sp�ter nur noch gebl�ttert und sie dann nicht mehr
beachtet (zu voreingenommen, wof�r ich z. T. Verst�ndnis habe).
Erst als ich, durch einen Zufall, richtig in die Familienforschung
eingestiegen bin und ich mich verst�rkt f�r die Geschichte von Land und Leuten
interessiert habe ist mir dieser Flecken Erde irgendwie ans Herz gewachsen.
Es gibt wohl kein Gebiet f�r das ich mehr Sympathien hege - wenn man mal von
der Region absieht in der ich aufgewachsen bin.
Auch und gerade weil man durch die Familienforschung einen pers�nlicheren
Bezug zur Geschichte hat, die �ber die Jahrhunderte von zahlreichen Kriegen,
Besetzungen, Pl�nderungen und Vertreibungen im kleineren und gr��eren Ausma�
gepr�gt ist, dazu kommt Pest und Cholera. (Wie m�gen meine Leute damit
umgegangen sein, wer von Ihnen ist in irgendeinem Acker verscharrt ?).
Die Besch�ftigung mit der Geschichte ist f�r mich ein wichtiger Teil meiner
Familienforschung, sonst bleiben von einem Menschen oft nur ein Name und ein
paar Zahlen �brig � vielfach noch nicht einmal das.
Bei vielen meiner Bekannten, die nicht direkt etwas mit Ost-/Westpreussen zu
tun haben, l�ste meine Besch�ftigung mit dem Thema z. T. Verwunderung bis
�naja-wird-schon-wieder-werden� aus. Ob das an Ost/Westpreussen oder der
Familienforschung als solcher liegt ? Wahrscheinlich von beidem ein bi�chen.
Auch ich hatte anf�nglich ein etwas mulmiges Gef�hl, da das Thema Ost- /
Westpreussen irgendwie anr�chig schien. (�Trendforschung in New York� kommt
besser an - so scheint es.)
Nichtsdestotrotz, interessiert an der Geschichte, an der Familienforschung
und mit dem Gedanken, da� nach fast 60 Jahren eine sachliche, unvoreingenommen
gef�hrte Diskussion �ber die Ereignisse des WKII und der besonderen Rolle
Ost- und Westpreussens m�glich ist, haben mich meine eigenen Bedenken nicht
interessiert.
Aus dem Anla� und dem Stil dieser Diskussion sehe ich, da� die Bedenken
gerechtfertigt waren.
Statt an einen Punkt zu kommen an dem die Wahrheitsfindung zur Ann�herung
und Vertrauen f�hrt, werden Halbwahrheiten, Polemik, z. T. Haarspalterei,
falsche Vergleiche usw. verbreitet, die weder den T�tern noch den Opfern gerecht
werden. (Ich m�chte ausdr�cklich darauf hinweisen, da� dies nicht f�r alle
Beitr�ge gilt, ein paar kann ich in jedem Wort unterschreiben.)
Die Zeit scheint noch nicht reif f�r eine sachliche, historisch richtige und
kl�rende Diskussion. Sie ist ja noch nicht einmal zwischen Menschen m�glich,
die direkt oder indirekt ein �hnliches Schicksal erlitten haben.
(Und das Fleckchen Erde mu� das mit ausbaden, hier und wohl auch in Teilen
der �ffentlichkeit und durch vertane Zeit)
F�r mich ziehe ich die Lehre eines tiefen Mi�trauens daraus.
Die offenbare Notwendigkeit f�r ein solches Mi�trauen seinen �eigen Leuten�
gegen�ber ist es was mir die Diskussion letztlich gebracht hat und die
Diskussionen �ber den WKII so belastend machen. Es ist nicht der etwaige Vorwurf
einer Kollektivschuld oder �hnliches.
Ich kann mit dem Vorwurf der Kollektivschuld leben, auch wenn ich es f�r ein
sachlich falsches Unwort halte.
Kollektivverantwortung trifft es besser und ich nehme diese Verantwortung
an.
H�tte ich damals gelebt m��te ich wohl auch mit einer individuellen Schuld
oder Verantwortung (je nach dem) klar kommen. Ob ich das k�nnte wei� ich
nicht, aber es ist unwahrscheinlich, da� ich in die Annalen des Widerstands
eingegangen w�re (schon rein statistisch).
Ich kann f�r den WKII und alles was zu dieser Zeit passiert ist nichts, aber
ich kann auch f�r Goethe, Schiller, Kant, Schlo� Neuschwanstein, diverse
deutsche Nobelpreistr�ger nichts, dennoch ist dies alles Teil der deutschen
Geschichte und Kultur, und ich trage Mitverantwortung daf�r, ob es mir nun pa�t
oder nicht.
Ein Teil dieser Mitverantwortung ist es sicher auch andere L�nder auf ihre
Rolle in der Vertreibung oder Geschichtsbeugung hinzuweisen, aber wie soll das
gehen ?
Soll ich sagen:
�Es wird Zeit sich mit eurer Rolle im WKII zu besch�ftigen und die Wahrheit
auf den Tisch zu legen.
Wir warten. Wir sind schon fertig.�
Das w�re nicht wahr.
Etwas deprimiert
Wolf Dietrich Neudorff
PS: Noch ein paar Zahlen
(Zur Vorzubeugen: Hiermit soll der Tod keines einzigen Opfers relativiert
oder gegen den Tod eines andern aufgerechnet werden)
Opfer 1. Weltkrieg
Insgesamt: 9.737.000 (alle L�nder, Zivilisten, Soldaten)
http://www.volksbund-hamburg.de/wir/zahlen.htm
Opfer 2. Weltkrieg
Land Soldaten / Zivilisten
Russland 13.600.000 / 7.700.000
China 3.500.000 / 10.000.000
Deutschland 3.250.000 / 3.810.000 (davon 2,5 Millionen durch Flucht,
Vertreibung, und Verschleppung)
Polen 120.000 / 5.300.000 (ca. 25 % der Bev�lkerung)
Japan 1.700.000 / 360.000
Jugoslawien 300.000 / 1.300.000
Rum�nien 200.000 / 465.000
Frankreich 250.000 / 360.000
Gro�britannien 452.000 / 60.000
Italien 330.000 / 85.000
Ungarn 120.000 / 280.000
Tschechoslowakei 200.00 / 330.000
�sterreich 230.000 / 80.000
USA 295.000 / -
Niederlande 10.000 / 190.000
Belgien 10.000 / 90.000
Griechenland 20.000 / 80.000
Finnland 90.000 / kA
Bulgarien 10.000 / 7.000
Norwegen 10.000 / kA
Quelle: http://ww2bodycount.netfirms.com/ (leider habe ich keine deutsche
Seite gefunden)