Hallo Lutz und alle anderen Interessierte an der Geschichte,
mit Deinem Bericht hast Du genau ins Volle getroffen.
Allerdings kannst Du es denen nicht verübeln, die in diesem
"Nachkriegssystem" erzogen und aufgewachsen sind, wenn sie hinter allem "nichtkonformen" sofort
Übles vermuten - sie wissen es eben nicht anders.
Wir Deutschen sind wohl mal eine Spezies, die entweder nach äußerst RECHTS
oder eben nach äußerst LINKS tendiert.
Fast könnte man sagen, das was es als Extremes im 3.Reich gab, gibt es jetzt
wieder, nur eben andersherum.
Früher wurde man als Bolschewist, Kommunist oder als Judenfreund bezeichtet,
wenn man nicht die gleichgeschaltete Meinung vertreten hat - und heute wird
man dafür sofort ins rechte Eck gestellt, wenn man seine, von der vorgegebenen
Doktrin abweichende, Meinung äußerst.
Ich bin auch ein Teil der Nachkriegsgeneration und habe in der Schule absolut
nichts über das 3.Reich erklärt bekommen, der Geschichtsunterricht hat bei
uns in der Weimarer Republk geendet.
Erst als ich im Schüleraustausch in den 60er Jahren nach England kam, wurde
ich "aufgeklärt", in dem mich alle "Nazi" gerufen haben und ich nicht wusste,
was ich damit anfangen sollte.
Diese Jugend wurde eben genau in dem anderen Sinne erzogen, sie waren die
Guten und die Deutschen eben alles Nazis. Es gab in dieser Zeit sogar noch
englische Comic-Hefte, in denen die Bösen immer die Deutschen waren.
Ich habe mich durch meine Erfahrungen in England danach doch etwas
eingehender mit dem 1000jährigen Reich beschäftigt, um herauszufinden, warum ich in
diese Zwickmühle geraten war, in der es nur Gute (Nichtdeutsche) und Böse
(Deutsche) gab. Allerdings hat die damalige Kriegsgeneration meist "gemauert" und/oder
nur vom "schlimmen Krieg" erzählt.
Lange Zeit waren keine guten Publikationen über diese Zeit erhältlich, nur
die unter der Hand gehandelten Pamphlete der äußeren Rechten, die immer noch
(oder zum Trotz gerade) alles aus dieser Zeit verherrlichten.
Da heute (Gott sei Dank) auch andere Meinungen als die sog. "offiziellen"
gelten dürfen (wenn auch nur teilweise), gibt es auf dem Büchermarkt eine ganze
Reihe interessante Literatur über die Ursachen und Hintergründe des 3.Reiches
und 2.WK.
Und zwar ist dies Literatur, die nicht dem rechten Spektrum zuzuordnen ist
sondern auf die Dokumente aufbaut, die nach dem kalten Krieg und der zunehmenden
Liberalisierung jetzt langsam auch aus russischen Staatsarchiven zugänglich
werden.
So sind z.B. in der o.a. Sache folgendes Buch aus neuerer Zeit zu empfehlen:
Unternehmen Barbarossa - deutsche und sowjetische Angriffspläne
Autor: Walter Post - ISBN: 3-8132-0772-2 - 4. Ausgabe der Erstausgabe von
1995
Verlag: E.S.Mittler & Sohn GmbH Hamburg-Berlin-Bonn
Kurzbeschreibung des Buches:
Jahrzehntelang veröffentlichte die Sowjetunion über ihre Kriegsplanungen
1940/41 keinerlei Dokumente, sondern versuchte, die damaligen Vorgänge zu
verschleiern.
Walter Post hat mit bewundernswertem Spürsinn und objektiver
wissenschaftlicher Recherche Schlüsseldokumente der Weltpolitik ans Licht gebracht, die zu
neuen Erkenntnissen führen:
Stalin und der sowjetische Generalstab dachten niemals daran, in der
strategischen Defensive zu verharren.
-b-eginnend mit der Kriegstherorie Lenins, analysiert der Autor die
politischen, militärischen und diplomatischen Vorgänge unseres Jahrhunderts - stellt die
Vorgeschichte des deutsch-sowjetischen Krieges in einen weltgeschichtlichen
Zusammenhang.
Karten und zahlreiche Dokumente beweisen:
Die These vom "überraschenden Überfall auf die friedliebende Sowjetunion" ist
eine Legende.
Objektiv betrachtet ist dieser unseelige Krieg auch auf die sowjetische
Intension zurückzuführen, den "Sozialismus" in aller Welt zu verbreiten. Nach der
Säuberung und diktatorischen Gleichschaltung in der Sowjetunion begann Stalin -
noch vor Beginn des 2.WK durch Hitler - mit der Annektion von Estland,
Lettland, Litauen und dem Finnischen Krieg, bereits sein Imperium auszudehnen.
Nicht umsonst hat Churchill nach dem Ende des Krieges gesagt "wir haben das
falsche Schwein geschlachtet", als der Druck Stalins dann auf die westlichen
Länder durch die in allen Ländern gegründeten kommunistischen Parteien immer
mehr zunahm.
Ich möchte allerdings damit nicht behaupten, Hitler hätte für immer und ewig
stillgehalten, wenn dies nicht so gewesen wäre.
Soviel von mir dazu.
Horst Lindner
PS: Kannst Du mir die ISBN-Nr. des von Dir zitierten Buches nennen, ich würde
es mir gerne zulegen - Danke.