Lewin, Hummelbezirk: Löffelmacher -> LOEFFLER

Guten Tag Erik,
     und alle interessierten Listenleser,

Dem Bericht vom November (s.u.) über die Löffelmacher kann ich noch folgende
Auszüge hinzufügen aus:

Das Glatzer Land und Volk in der Geschichte [II]
von Josef Fogger-Hausdorf, Geseke i. Westf.

"Ein abgestorbener Erwerbszweig: Holzlöffelhandel.
(...) Nach dem Hummelurbar vom Jahre 1641 war es mit dem "Kuchelkriss"-(?),
Getreide-, Salz-, Garn-, Viehhandel usw. in Lewin übel bestellt, da auch die
Bauernknechte und Hausgenossen auf denDörfern diesen Handel betrieben.
Die meisten Bürger besassen Äcker, die Hafer und Flachs trugen; die
Wildschweine verursachten jedoch grosse Schäden; zur Viehzucht mangelte
es an Gräsereien. Wie andere Städte des Glatzer Landes hatte auch Lewin
die Braugerechtigkeit gegen ein gewisses Kaufgeld an verschiedene Häuser
erblich abgetreten (...).
Die meisten Bürger aber beschäftigten sich mit Löffelmachen (und zwar schon
nach einem Bericht vom 1. III. 1561). Älurius erzählte im Jahre 1625, er habe
"viermal in einem Kirschkern 12 tutzend Leffel gesehen, welche auch zu Lewin
waren gearbeitet worden". Die Holzlöffelmacherei beschränkte sich nicht auf
das Städtchen; sie wurde nach dem Hummelurbar von 1641 auch in Keilendorf,
in Nerbotin, in Kleingeorgsdorf und in Krzischenaw betrieben. Die Löffelmacher
reisten mit ihren hölzrnen Erzeugnissen u.a. nach Preussen, Dänemark, Holland
und trieben auch Handel mit England (1).
Um das Jahr 1684 hörte das Löffelmachen fast ganz auf; der Magistrat führte dies
auf die Erbauung der Dörfer Kaltwasser (1689) und Dörnikau zurück; in letzterem
Orte hatte ein Forstknecht i. J. 1667 die erste Stelle errichtet: Dadurch seien die
kaiserlichen Wälder, aus denen die Löffelmacher das Holz bezogen hätten,
abgetrieben worden, so dass das Holz zu teuer geworden sei. I. J. 1724 reisten nur
noch zwei Lewiner Bürger einmal jährlich mit hölzernen Löffelwaren zum Verkauf
nach Brandenburg und nach Preussen (2).
(...) Die Holzlöffelmacherei wurde durch die Leinwandweberei abgelöst; i.J. 1724
zählte Lewin 54 Weber mit je zwei Stühlen; i.J. 1750 waren 132, 1794 262 Stühle
im Betrieb."
(1) Albert. Hummelm. 158
(2) Viertelj. f. G. u. Heim. d. Gr. Gl. I. 150 u. IX. 193

Qu.:
Beilage des Grafschafter Boten 1956 Nr 2

Hallo Listenfreunde!
F�r alle die es interessiert, habe hier ein Adressbuch der Deutschen in
Paris von 1854 gefunden.
http://84.14.4.244/fmi/iwp/cgi?-db=Adressbuch_online&-loadframes
Ich hoffe das der Link Funktioniert.

Gru� Mario(Schnell)

Achtung,
ich erhalte bei diesem Link folgende Meldung:

Thunderbird hält den Link zu der Webseite für verdächtig!.
Es könnte sein das der Link zu einer betrügerischen Webseite führt!

Was habe ich davon zu halten??

Winfried

Hallo Mario,

vielen Dank für Deinen Hinweis.
Ich konnte mich überzeugen das der Link funktioniert.
Hier noch ein kleiner Hinweis :
Auf der Seite "Datenbank" ist oben links ein *kleiner* schwarzer Pfeil.
Wenn man darauf klickt geht ein Fenster auf mit dem man die Seiten der Karteikarten
umblättern kann.
Ich konnte jedenfallls schon pfündig werden.

Gruß Winfried (Schön)

Hallo zusammen,

danke für die interessanten Berichte.

Meine Vorfahren Löffler (Leffler) kommen aus der Neuroder Gegend,
die ich bis ca. 1660 im Raum Königswalde /Ludwigsdorf /Eule nachweisen kann.
War in dieser Gegend der Beruf Holzlöffelmacher auch bekannt ?
Oder kann ich eher davon ausgehen, dass es diesen alten Beruf eher
im Raum Lewin gab und meine Familie von dort gekommen ist ?

Ich bin immer davon ausgegangen, dass ein Leffler die Holzlöffel
gefertigt hat, aber nicht dass er mit seinen Erzeugnissen auch gereist ist.
Mich interessieren alle Infos zu diesem ausgestorbenen Berufszweig.
Konnte bisher noch keine Literatur finden.

Viele Grüße
Ursula Holz

"S. Prause" <s.prause@free.fr> schrieb:

Hallo Ursula!

Unter meinen Vorfahren finden sich auch LEFFLER:
Franz Leffler, Freig�rtner in Schlegel *ca.1715 in? +1767 in Schlegel
oo Catharina Sandmann aus Niedersteine.
Vielleicht hast Du ja mehr hierzu.
Die Glatzer Steuerrolla von 1653 ist Dir bekannt?
Hie� der L�ffel damals Leffel oder warum wurde der Name eigentlich so
geschrieben?

Viele Gr��e
Lorenz (Zenker)

Guten Abend Lorenz

........Die Glatzer Steuerrolla von 1653 .....<

Was ist das?

Gru� Uta

Hieß der Löffel damals Leffel oder warum wurde der Name eigentlich so
geschrieben?

Viele Grüße
Lorenz (Zenker)

Hallo Lorenz,

ich habe zu deiner Frage folgendes gefunden:

LÖFFEL, m. cochlear.

1) ahd. leffil, lephil, lepfil, mhd. leffel, aber auch schon, wiewol ausnahmsweise, mit gedunkeltem vocal löffel, wie sich umgekehrt die alte echte schreibung leffel bis ins nhd. des 17. jahrh. hält; mnl. nnl. lepel, mnd. nnd. leppel. ein isländ. lepill cochleare v. lingula BIÖRN HALDARSON 2, 23a, scheint ein neueres lehnwort, da sonst im nordischen, ebenso wie im angelsächsisch-englischen, für das geräth ein ganz verschiedener name existiert. löffel, alt leffel, ist das instrument zum laffen (sp. 57) schlürfen; und wenn das vorher aufgeführte löffel narr als ein völlig anderes wort angesehen werden musz, das zunächst laffe narr zur voraussetzung hat, während löffel cochlear aus der verbalwurzel laf entstammt, so wird immerhin das letztere von dem grösten einflusz auf das erstere gewesen sein, insofern als allgemein das bestreben waltet, schimpf-, schelt- und fluchworte durch anlehnung an ähnlich klingende unschuldiger bedeutung etwas zu verhüllen. wortspiele zwischen beiden fehlen nicht: herbei, herbei, was löffel sei, zu diesem brei, gar bald und frei: ich hoff uns soll gelingen, hetten wir nur löffel, stöffel, lang löffel, so wöllen wir den Schweizer hauptmann frölich singen, und höfisch löffel, baurenlöffel: vor freuden wolten wir springen, und muslöffel, busenlöffel, bubenlöffel, stubenlöffel, die thut uns auch herbringen, und gewaschene löffel, eng jungfrawlöffel, ein futer mit löffel, und unsere löffel:

Bd. 12, Sp. 1121

sind löffel do, so sind wir fro, ginlöffel, maullöffel, faumlöffel, beinenlöffel, milchlöffel, löffelmäuler, gänslöffel: nun sing mir lieber stöffel, ho ho lieber löffel u. s. w. Garg. 88b.

2) der löffel in seiner einfachsten und ältesten form ist hölzern (löffel, cochleare, cochlear, schnabelhölzle. MAALER 274d), wie auch altnord. spânn und spônn, ags. spôn, engl. spoon löffel auf den begriff des holzspans zurückgeht; noch jetzt ist er, vielleicht nicht mehr als eszgerät, aber zum küchenbedarf in diesem material gebräuchlich:

kunstreich schnitzt er dabei zum verkauf spillbäumene löffel.
         VOSS Luise 1, 227;

darum der löffel als bild für etwas wertloses, eine kleinigkeit:

dehein roup was im ze kleine;
im enwas ouch niht ze grôჳ ...
er nam daჳ ros, er nam daჳ rint,
er lie dem man niht leffels wert.
         Meier Helmbr. 671;

ouch ist mîn hûs von nihte vol.
vernt koufte ich leffel umb ein ei, die sint noch hiure niuwe.
         Kolmarer meisterl. 134, 20;

auf den holzlöffel bezieht sich die sitte, dem gast einen neuen zu reichen: ich lob den sitten der bei graf Endressen zeiten auch gewesen, so frembde gest in der fasten zur Scheer kommen, so bringt der kuchenbueb dem gast ainen newen löffel ... darfur schenken dann die gest dem kuchenbuben was fur die löffel. Zimm. chron. 2, 118, 19; er wird ersetzt durch ähnliches: für die löffel brauchen sy ein blat von einem baum. FRANK weltb. 200a; sie vergaszen der fast fürstlichen mahlzeit und eileten zu einer lust, welche nicht länger währet als ein löffel von brodte. polit. stockf. 154;

Glatzer Steuerrolla 1653:
angelegt zur Erfassung der kontributionsf�higen Bev�lkerung.
Angegeben sind die Haushaltsvorst�nde (in jedem Dorf der Grafschaft Glatz)
mit Beruf und Angabe der Abgabenmenge.
Erschienen im Verlag Ernst-August Herbst Karlsruhe.
Ich schaue gern mal unter einem bestimmten Ort nach, alles durchsehen
�bersteigt aber leider meine zeitlichen M�glichkeiten.

Viele Gr��e
Lorenz

Guten Abend Lorenz,
ich suche Hoffmann und Hannuleck in Glatz und Bad Reinerz
Sollte dies zu viel Arbeit machen, dann melde Dich.
Gru� Uta

Glatzer Steuerrolla 1653:
angelegt zur Erfassung der kontributionsf�higen Bev�lkerung.
Angegeben sind die Haushaltsvorst�nde (in jedem Dorf der Grafschaft Glatz)
mit Beruf und Angabe der Abgabenmenge.
Erschienen im Verlag Ernst-August Herbst Karlsruhe.
Ich schaue gern mal unter einem bestimmten Ort nach, alles durchsehen
�bersteigt aber leider meine zeitlichen M�glichkeiten.

Viele Gr��e
Lorenz