Letzte Anmerkung zum Ahnenpass und zu Kirchenbüchern

Hallo Mitforscher,
ich habe alle Beiträger dazu mit Interesse gelesen.
Es betrifft ja alle Forscher.

Im Kirchenbuch von Schildberg/Posen fand ich u. a. folgende
Einträge:

"Der betrunkene Glöckner Gally hat die Pathen nicht eingetragen
und der Pastor Schreinert hat sich nicht darum gekümmert".
Eintragung von 1813. Was immer damit gemeint war.

"Der dem Trunke ganz ergebene Glöckner Gally hat auf einem
Zettel den Pastor Schreinert nicht revidiert, die Pathen
falsch eingetragen und unter zwey Taufen einerlei Pathen gesagt".
Eintrag auch von 1813.

Ich schicke diese Mail ohne jeden Kommentar, jeder möge für
sich entscheien, wie er mit den jeweiligen Eintragungen umgeht.
Wobei ich davon ausgehe, daß zumindest die Standesamtsunterlagen
die richtigen Angaben enthalten. Sonst könnte man ja nichts mehr
glauben und aufhören mit der Ahnenforschung.

Gruss
Peter Fütterer

Guten Morgen liebe Mitstreiter,

hinsichtlich der Eintragungen in Kirchenbüchern, Standesamtsunterlagen uns
Ahnenpässen sollte man verschiedene Besonderheitgen und Hintergründe
berücksichtigen.

1. Die Kirchenbücher wurden ursprünglich nicht zum Nachweis von Personen
geführt, sondern zum Nachweis der Einnahmen bei kirchlichen Amtshandlungen.
In den frühen Eintragungen ist daher auch Art und Aufwand der kirchlichen
Handlung notiert, z.B. in den Sterberegistern mit oder ohne Glockenläuten,
bei Trauungen "in der Kirche" oder Haustrauung (unterschiedliche Gebühren)
usw. Bei Beerdigungen von Kindern ist oft nicht einmal der Vorname des
Kindes genannt, oft nur das Alter (wenn überhaupt), z.B. "Söhnlein des
Schneiders XY".
In den Trauregistern findet man oft auch Auseinandersetzungen mit dem
Garnisonspfarrer (falls in der Stadt auch eine Garnison war) über die
Zuständigkeit für Trauungen. In Preußen konnten sich ehemalige
Militärpersonen vom Garnisonsgeistlichen kostenfrei trauen lassen, oft auch
von deren Kindern genutzt.
Außerdem ist zu beachten, daß in den Kirchenbüchern das Taufdatum (bzw.
Datum der Beerdigung) genannt wird, von Nachkommen und leider auch
Familienforschern mitunter als Geburts- bzw. Sterbedatum notiert (in
späterer Zeit dannmitunter zusätzlich Geburts- bzw. Todesdatum).
Die Schreibweise der Namen (Vornamen wie auch Familiennamen) war weniger
wichtig. Die Identifizierung der Person war vorrangig. So gibt es bei
denselben Eintragungen von Trauungen mitunter recht unterschiedliche
Schreibweisen des Namens der Braut und des Brautvaters, jeweils so wie sie
im Ort genannt wurden bzw. wie sie es selbst angegeben hatten. Es gibt in
Norddeutschland viele Fälle, bei denen für die Tochter der Name in
Hochdeutsch, für den Vater in Plattdeutsch eingetragen wurde (z.B. Tochter
LEICHTFUß, Vater LITFOT u.ä.). Der Pfarrer bzw. Kirchenbuchführer schrieb
nach Gehör. - Dietger Braun hat hier ein schönes Beispiel >> Rix = Ricks(en)
= Rycks = Rockes = Rixke(n)s = Ritzgen = Reipkes = Rickes = Rippgens =
Ryxkens = Rixers ...usw.<< angeführt.
Hinzu kommt die Änderung des Namens durch Latinisierung (vorrangig während
eines Studiums), z.B. SCHMID(T) = FABRICIUS = FABER,
SCHWARZERT = MELANCHTHON (griechische Übertragung von Schwarze Erde). GREIF
= GRYPHIUS (Vater: Paul GREIF in Glogau, Sohn: Dichter Andreas GRYPHIUS)
u.ä.

Auf den üblichen Namenszusatz "-in" bei Frauen wurde bereits hingewiesen
(ähnliches finden wir heute noch in slawisch dominierten Staaten). Bei
Ehefrauen/Witwen (besonders wenn dies als Paten aufgeführt wurden) wurden in
Kirchenbücher die Namen auch oft mit dem Zusatz "-sche" geschrieben (Braun =
Braunsche)

Außerdem ist zu berücksichtigen, daß Eintragungen in die Kirchenbücher
mitunter erst verspätet durchgeführt wurden (Krankheit, Kriegswirren,
Überforderung in Pestjahren, unbesetzte Pfarrstellen usw.). Das kann man
anhand der nicht-chronologischen Reihenfolge von Eintragungen ersehen.
Dadurch haben sich - auch bei Daten - Fehler eingeschlichen. Ebenfalls ist
zu bedenken, daß Pfarrer bzw. Kirchenbuchführer auch nur Menschen sind -
nicht frei von Schwächen und Fehlern. Peter Fütterer hat hier ein gutes
Beispiel angeführt >>"Der betrunkene Glöckner Gally hat die Pathen nicht
eingetragen und der Pastor Schreinert hat sich nicht darum gekümmert"<<.

2. Erst später wurden die Kirchenbücher (Register) mehr und mehr vorrangig
zu Personalunterlagen, zu nächst durch die Vorschrift Kopien für den Staat
anzulegen (in Archiven daher auch als Gerichtsdokumente eingeordnet). Mit
Einführung der Standesämter achtete man auch auf die genaue Schreibweise der
Namen.
Während des "Dritten Reichs" gab es dann - wie schon mehrfach in früheren
Beiträgen angeführt - die Fälle, in denen Geistliche bewußt geänderte
Angaben bestätigt haben, wenn es sich um jüdische Vorfahren/Verwandtschaft
handelte, um den Antragstellern zu helfen bzw. diese zu schützen. Es wurden
nicht nur Religionszugehörigkeit geändert, sondern auch Vornamen und
mitunter sogar Familiennamen "germanisiert" (Cohn = Kohnen).
In dieser Zeit häuften sich aber auch andere Fehler - aufgrund der damaligen
"Fließband"-Arbeit der kirchlichen und stattlichen Behörden. Oft bleib keine
Zeit zur nochmaligen Überprüfung der Abschriften (mitunter durch Hilfskräfte
angefertigt). So habe ich z.B. zwei beglaubigte Kirchenbuch-Auszüge zur
Geburt derselben Person aus dem Jahr 1941 und 1943 - vom selben Kirchspiel.
Die Angabe des Geburtsjahres ist unterschiedlich (2 Jahre Differenz). Da
dieses Kirchenbuch seit 1945 verschollen ist, weiß ich bis heute nicht,
welches das richtige Geburtsjahr ist, d.h. ich gebe stets beide an.

Aber selbst heutige Standesbeamte machen Fehler. In meiner Verwandtschaft
z.B. wurde vor 15 Jahren bei Heirat der Familienname falsch eingetragen (mit
"ß" anstatt "ss"). Dem Bräutigam gefiel dies, und er legte keine Beschwerde
ein. Die junge Familie wird - im Gegensatz zu den Vorfahren - nun mit "ß"
geschrieben. - Bei einem Landsmann (ohne Angehörige) wurde vom Standesamt
beim Sterbeeintrag der Geburtsort in die Ukraine verlegt. Der Standesbeamte
hatte - entgegen eindeutiger Weisung durch das Innenministerium - den
polnischen Namen des Geburtsortes genommen. In dieser Schreibweise gibt es
noch einen weiteren Ort in der Ukraine, dem Standesbeamten offensichtlich
geläufig. Es hat einige Anstrengungen bedurft, hier eine Änderung
durchzusetzen.

3. Bei den Ahnenpässen und Familienbüchern muß man unterscheiden, ob diese
beglaubigt sind oder nicht. Nicht beglaubigte wurde oft von den
Familienangehörigen vorgenommen. Das erfolgte mitunter vom Hörensagen.

Insgesamt handelt sich aber stets um Einzelfälle, die man nicht überbewerten
sollte. Man kann den Eintragungen in Kirchenbüchern und Standesamtsauszügen
grundsätzlich vertrauen.
Andererseits ist es immer gut, in die Originale zu schauen - soweit das
überhaupt im Bereich der deutschen Ostgebiete möglich ist. Wenn man
Unterlagen von Archiven, Kirchen usw. wünscht, sollte man daher lieber
Kopien (beglaubigt - oder preisgünstiger - unbeglaubigt) anfordern als
Auszüge (meist Eintragung der Daten in vorgefertigte Formulare). Bei Kopien
kann man auch zusätzliche/nachträgliche Anmerkungen, Streichungen usw. sehen
und die mögliche Fehler bei den Auszügen (Lesefehler) ausschließen. Außerdem
sind einfache Kopien meist billiger als Auszüge.

Gruß aus dem bayerischen Allgäu
Ernst Schroeder - www.kolberg-koerlin.de -

Lieber Herr Peter Fütterer,
auch die Standesbeamten waren /sind Menschen und haben Fehler gemacht. Ich
kann Ihnen gerne, wenn gewünscht einmal eine fehlerhafte Eintragung mit
gelber Post zusenden.
Gruß
Werner (Wicke)

Und sie machen es heute noch, jeden Tag. In jedem Land der Welt. Zuhoeren
an einem sauren Tag faellt auch Beamten schwer, auch wenn man Buchstabiert,
was wenige von unseren Ahnen konnten. Die Tasse Kaffee am morgen ist
wichtiger, danach arbeitet das Gehirn vielleicht etwas besser. Konnte mir
das heute morgen nicht verkneifen und muss sogar darueber Schmunzeln.
Tschues und ein schoenes Wochenende.
Mit freundlichen Morgengruessen aus Yarker, Ontario
Lena

Wenn ihr zwischen den Ahnenpaessen noch zeit habt, koennt ihr mal schauen ob
ihr irgendwo den Namen STANISLAUS JOZEFOWSKI findet? Geboren etwa zwischen
1805 und 1808. Wo? Weiss ich nicht, aber denke dass es in Schlesien war.
Danke recht herzliche.