Leipziger Matrikel

Hallo, bei der Leipziger Matrikel wurde nur nach vier Nationen unterschieden. Meißnisch (=Kursachsen), Sächsisch, Bayrisch
und Polnisch. Da gab es gar kein Schlesisch, dementsprechend könnte Polnisch evtl. stimmen.

Bei Wikipedia gibt es vier schöne Bilder dazu:

Schön ist da auch der Hinweis:

"An der Leipziger Universität gab es die Nationen noch bis 1830 als Formalität. So musste sich Johann Wolfgang von Goethe noch in die bayerische Nation einschreiben." Frankfurt würde ich nun wirklich nicht für Bayern halten, oder?

Aber trotzdem, ich hatte schon die andere Mail gelesen, wäre ich mir bei dem Namen Krause irgendwie nicht so sicher, dazu ist der Familienname zu häufig. Ich habe in der Leipziger Matrikel auch zwei Familienmitglieder, mit dem relativ seltenen (oder zumindest eingrenzbaren) Namen Ebermann. Nur einen kann ich zweifelsfrei zuordnen, der andere "passt nicht" und damit habe ich ihn nicht eingeordnet.

Gruß aus Leipzig, Holger Ebermann.

Na sowas, man kann wirklich immer nur dazu lernen... Dies Forum ist schon
was Tolles!
Diese Zuordnung sollte demnach die Zugehörigkeit zu den "nationes",
Vorläufern der studentischen Verbindungen kennzeichnen? Nach der Fundstelle
wäre es so und in der Tat, es gibt im Erler'schen Text nur 4 erklärte
Abkürzungen mit Großbuchstaben: B für Bavarus, M für Misnensis, S für Saxo
und P für Polonus. Das war dann schon ein sehr weiter Begriff von
Poloniae....

Jedenfalls bedeutet das dann: Johann Wilhelm Krause, Schlesier, Polonus,
eingeschrieben am ....

Der Vorfahr beschreibt den Immatrikulationsvorgang sehr genau:
" ... und S.Magnifizenz winkten ihm in ein entgegengeseztes Zimmer, wo ein
Secretair die Testimonia inspicirte und Wilhelm seinen Namen sub Nr. 123 in
das Album eintragen mußte. Dann ließ er ihn ein lateinisch Formular, halb
Versprechen, halb Juramentum ablesen, corrigirte einige lang oder kurz
ausgesprochene Sylben, empfahl ihm, die auf einem besonderen Blatte
gedrukten Gesetze fleißigst (studiosissime) zu perlustiren und zu befolgen,
ließ beydes in einen anderen Folianten unterschreiben und sich einen
Handschlag darauf geben. Wobey er ihm eine Art Gratulation so schnell und
theilnahmslos vorsagte, daß ornatissimus commilitor fast nichts davon
verstand. Der Sekretarius überreichte die unterdeßen ausgefertigte Matrikel.
Seine Magnifizenz unterzeichnete. Wilhelm zahlte die Taxen: 5 Rth die
Inscription, 1 rl dem Sekretarius, 1 fl. dem Famulus, 1 fl. dem Pedell: und
Wilhelm war nun Student. Ein vornehmes alzeit fertiges Lächeln
verabschiedete ihn an der Thüre, und er trug sein neues Panier vor sich hin
auf den Vorsaal, wo ihn seine Freunde herzlich als academischen Mitbürger
bewillkommten..."

An diese Veranstaltung schließt sich gleich die "Vorstellung bei der
Landsmannschaft" an, woselbst er lauter Zittauer Freunde traf (er hatte in
Zittau das Gymnasium abgeschlossen).

Frage: Dann war also die "Nation" die aus lauter Zittauern bestand, die der
"Polonen"? (Im Anklang an die Art, wie studentische Verbindungen sich
nennen.) Er wurde dort auch als "Fux" aufgenommen.

Zweite Frage: Mein "Wilhelm" schreibt ja genau, dass er sich als Nummer 123
in ein "Album" eingetragen hat. Hat jemand eine Ahnung, ob man den Eintrag
mit dieser Nummer finden könnte? (Erler hat das ja nicht übernommen, weil er
eine alphabetische Reihenfolge eingeführt hat.) Gibt es in Leipzig noch die
Originale? Dann hätte ich sogar ein frühes Autograph meines Vorfahren...

Vielen Dank für die weitere Aufklärung und herzlichen Gruß

JWvKrause

Hallo Herr v. Krause,

vor ca. 4 Wochen habe ich von Leipzig die Kopie eines solches
Immatrikulationseintrages von 1565 bekommen, sehr schön in Farbe und mit den
Original Schriftzügen.

mfg Wolf-E. John+

Whow! Das versuche ich auch mal! Danke für den Hinweis!

JWvK